Krauchenwies – Normalerweise ist es am Vogelsee zwischen Krauchenwies und Zielfingen sehr ruhig. Nur ab und zu hört man den Ruf eines Vogels. Rund 270 Arten wurden hier schon gesichtet, von der Möwe bis zum Seeadler. Am Samstag war ein ganz besonderer Vogel unterwegs. Er hatte vier rotierende Flügel und machte auch noch Lärm. Es waren aber keine Naturfrevler unterwegs, die sich ihre Flugkünste mit einer Drohne beweisen wollten. Es war Technik, die helfen soll, das Leben von Vögeln zu retten.

Wenn Karl F. Gauggel vom Nabu mit Fernglas und Kamera am Vogelsee unterwegs ist, dann findet er immer wieder Vögel, die den Anflug in Richtung Hochspannungsleitung erst gar nicht überlebt haben oder zumindest schwer verletzt wurden. Rund 400 Meter dieser 20 000-Volt-Freileitung führen über den See. Die Leiterseile wurden in den vergangenen Jahren immer wieder zur Falle. Doch die Aktion vom Samstag soll dies nun ändern. Die Netze BW betreibt das Netz für die EnBW und ließ nun so genannte "Fireflies" montieren, eine Leitungsmarkierung.

 

Video: Karlheinz Fahlbusch

 

Rund 50 Stück dieser Katzenaugen ähnlichen Kunststoffscheiben reflektieren nun das Tageslicht und sind durch Fluoreszieren auch bei Nebel und Dunkelheit sichtbar. Die optische Wirkung wird dadurch verstärkt, dass sich die Scheiben im Wind bewegen. Üblicherweise werden sie mittels Stangen an den Leiterseilen befestigt. Über einem Gewässer ist das aber schwierig und muss von einem Boot aus geschehen. Erstmals in Deutschland wurde jetzt eine Drohne eingesetzt, um die Fireflies ferngesteuert anzubringen. Was für den Beobachter wie ein Spiel aussieht, erfordert viel Erfahrung und eine absolut präzise Steuerung der Drohne. Pilot Vaclav Demeter und sein Navigator Jozef Augustin sind samt Drohne aus Slowenien angereist. Der Einsatz ist für sie ein ganz normaler Auftrag. Etwa 1000 Fireflies haben sie bereits in Ungaren installiert und auch in anderen europäischen Ländern sind die Reflektoren, die von der schwedischen Firma Hammarprodukter hergestellt werden, bereits auf diese Weise angebracht worden.

Projektleiter Erik Wille von der EnBW war am Nachmittag sehr zufrieden. "Es hat alles bestens geklappt", stellte er fest. Für ihn sind die "Glühwürmchen", wie die deutsche Übersetzung lautet, die wirksamste Maßnahme, um Kollisionen von Vögeln mit Leiterseilen zu vermeiden. Wille macht aber auch deutlich: "Ganz ausschließen kann man solche Unfälle nie." Bei der Montage kam im Netzgebiet der EnBW-Tochter erstmalig eine Drohne zum Einsatz. "Zuvor haben wir alle Alternativen hinsichtlich der technischen Machbarkeit, der Kosten und vor allem der Umweltverträglichkeit geprüft", betont Wille. Nach einem intensiven Austausch mit den Naturschutzbehörden habe man sich schließlich für diese Variante entschieden.

Drohneneinsätze an besonders schwer zugänglichen Freileitungsabschnitten sind generell bei der Netze BW nichts Ungewöhnliches mehr. Mit dem Einsatz am Vogelsee hatte man aber Neuland betreten. Auf Grund der großen Spannweite der Leitungen hätte man eigentlich von einem Ruderboot aus arbeiten müssen. Das ließ sich nun am Samstag vermeiden, denn es lag eine dicke Eisschicht auf der Wasserfläche, die sowohl Mensch wie Technik problemlos tragen konnte.

Bis zu sechs Fireflies kann eine Drohne bei einem Flug transportieren. Deren Halterungen haken mithilfe eines automatischen Schnappverschlusses an den Leitungen leicht ein. Die aus Sicherheitsgründen erforderlichen Mindestabstände konnten am Vogelsee zwar eingehalten werden, dennoch war im Vorfeld vereinbart worden, die Leitung vorsorglich freizuschalten. Der Abschnitt bei den Zielfinger Seen gehört zur Freileitung, die vom Umspannwerk Lauchertthal aus zum Schaltwerk in Krauchenwies führt und die Gemeindewerke mitversorgt.

"Ich beobachte seit 40 Jahren Vögel in diesem Gebiet und habe die Gefahr der Leitung eigentlich erst erkannt, als ein Schwan und einmal sechs Blässhühner auf dem Eis unter der Leitung lagen", sagt Karl F. Gauggel, der am Samstag natürlich mit dabei ist. Seit 18 Jahren versucht er, die Opfer zu registrieren. "Ich hatte keine Hoffnung, dass es jemals eine Lösung für das Problem gibt, weil ich wusste das dies sehr teuer wird." Dass die EnBW jetzt eine Lösung herbeigeführt hat, mache deutlich, dass Anstöße von Naturschutzverbänden nicht immer auf Ablehnung stoßen würden. Gauggel hat in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeschrieben, wenn er ein Vogelopfer gefunden hat, das vermutlich auf Konto der Hochspannungsleitung ging. Er kommt auf eine Zahl von 39. Eine Dunkelziffer anzugeben, ist für ihn reine Spekulation. Gauggel: "Es ist wie bei dem berühmten Eisberg, da ist vielleicht ein Drittel oder ein Viertel sichtbar, der Rest ist unter dem Wasser verborgen." Tote Tiere würden zudem, wenn sie am Ufer liegen bleiben, vom Fuchs oder anderen Säugern abgeräumt. Wenn sie im Wasser treiben, kämen die Großmöwen (Mittelmeermöwen) und würden die Kadaver fressen.

Anflugopfer

In 18 Jahren sind folgende Opfer der Hochspannungsleitung dokumentiert worden: Prachttaucher (1), Haubentaucher (12), Höckerschwan (5), Stockente (1), Reiherente (1), Gänsesäger (2), Blässhuhn (13), Kormoran (1), Hohltaube (1), Bekassine (2).