Vollbesetzt war gestern Abend der „Lindensaal“ in Göggingen, als die Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen (RP) ihre Gesamtbeurteilung zum Raumordnungsverfahren bezüglich der Kiesabbaupläne von vier Unternehmen vorstellten. Die Behörde hatte gestern Abend in einer Pressemitteilung die Medien über ihren Beschluss informiert. Grundsätzlich hält das RP die Erweiterung der drei Kiesabbauvorhaben im Raum Krauchenwies nur mit deutlich reduzierten Flächenumfängen für raumordnerisch vertretbar. Der Firma Baresel GmbH & Co. KG, die nur an acht Wochen im Jahr ihren Kiesabbau betreibt, werden von den beantragten rund 48 Hektar nur rund 15 Hektar für den Kiesabbau freigegeben. Für das Vorhaben der Nord-Moräne-Kieswerke GmbH & Co. KG hat sich die Fläche von den beantragten rund 48 Hektar auf rund 35 Hektar reduziert. Die Abwägung zwischen einem Abbau in Offenlandflächen und in bewaldeten Flächen ergab eine Priorität für den Abbau im Wald. Die freigegebenen Flächen liegen daher innerhalb des Waldes, wobei allerdings ein Waldsaum am nördlichen Rand des Abbaugebiets aus Sichtschutzgründen erhalten bleiben soll. Für den gemeinsam von Valet u. Ott GmbH & Co. KG und Martin Baur GmbH beantragten Abbau wurde die Fläche von 68 Hektar auf 39 Hektar reduziert. Wegen der Vorbelastungen durch die bestehenden Kiesabbauvorhaben und weil die geplanten Erweiterungsvorhaben teilweise bedeutende Flächendimensionen umfassen, sah das Regierungspräsidium die Notwendigkeit einer Koordination der Vorhaben innerhalb eines gemeinsamen Raumordnungsverfahrens. In seiner Entscheidung setzt das Regierungspräsidium für den Abbau einen Zeithorizont von 30 Jahren an.

Eine über das Jahr 2046 hinausgehende Freigabe von Flächen für den Kiesabbau war aufgrund der Bestimmungen des Teilregionalplans „Oberflächennahe Rohstoffe“ des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben nicht möglich.

Damit können die Auswirkungen des Abbauvorhabens deutlich reduziert werden. „Das Regierungspräsidium sieht den Eingriff in die Offenlandfläche südlich von Göggingen als erheblich an, weil die raumordnerischen Belange Landwirtschaft und Landschaft tangiert werden und der beantragte Abbaubereich eine große Bedeutung für die Feierabend- und Wochenenderholung hat“, heißt es dazu in einer vorab veröffentlichten Pressemitteilung der Tübinger Behörde.

Mit den freigegebenen Flächen rückt der Kiesabbau insgesamt weg vom besiedelten Bereich in Richtung Wald, und die im Offenland beanspruchten Flächen reduzieren sich von den beantragten 78 Hektar auf 39 Hektar. Die Versorgung des Landkreises Sigmaringen und der Region Neckar-Alb mit dem Rohstoff Kies könne dennoch sichergestellt und somit ein Eingriff in bisher unerschlossene Kieslagerstätten an anderer Stelle vermieden werden.

Die raumordnerische Beurteilung umfasst für Teilflächen der Vorhaben auch die Zulassung einer Abweichung von Zielen der Raumordnung. Die Zulassung bei den Vorhaben von Baresel und Nord-Moräne-Kieswerke bezieht sich auf den vorzeitigen Eingriff in einen „Bereich zur Sicherung von Rohstoffvorkommen. Beim Vorhaben der Firmen Valet u. Ott und Martin Baur konnte eine Abweichung vom Ziel „Ausschlussbereich für Kiesabbau“ nicht zugestimmt werden. Dies betrifft auch einen rund einen Hektar großen Teilbereich, der sich südlich der Telekomleitung befindet und in dem somit kein Kiesabbau stattfinden wird.

Die in der raumordnerischen Beurteilung festgelegten Maßgaben müssen vom Landratsamt Sigmaringen in den anschließenden Zulassungsverfahren berücksichtigt werden. Die Sigmaringer Behörde erteilt letztlich die Genehmigung über jeden einzelnen Antrag der Kiesfirmen. Der SÜDKURIER wird über die gestrige Veranstaltung noch ausführlich berichten.