Der Altar ist das Herzstück einer Kirche. Voller Freude feierten die Gläubigen und Bürger aus Vilsingen und der Seelsorgeeinheit Laiz-Leibertingen die Eucharistiefeier mit Altarweihe durch Erzbischof Stephan Burger in der renovierten Pfarrkirche St. Johannes und Paulus. Rund zwei Jahre hatten die Außen-und Innenrenovierung des Gotteshauses gedauert. Die Pfarrkirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Damit alle Gäste den Gottesdienst live mitfeiern konnten, wurde dieser auf eine Leinwand in die Pfarrscheuer übertragen. Hell erstrahlte die Kirche in neuem Glanz.

Aus den Dörfern und Städten kamen, wie im Eingangslied gesungen, die Menschen sprichwörtlich von Nah und Fern, um ein großes Fest des Glaubens zu feiern. Konzelebranten waren Dekan Christoph Neubrand, Pfarrer im Ruhestand (i.R.) Julius Auer, Vikar Holger Cerff, Pfarrer Michael Dulik, Pfarrer Thorsten Gompper und Pfarrer i.R. Hans Haiber. Bevor ein neuer Altar erstmals genutzt wird, wird er in der ersten Eucharistiefeier geweiht. Die Altarweihe folgt einem alten Ritual. Der Erzbischof besprengte Ambo und Altar mit Weihwasser. Danach salbte er den Altar mit Crisamöl. An fünf Stellen, die an die Wundmale Jesu erinnern, verbrannte er Weihrauch und sprach dann das Weihegebet. In seiner Festpredigt unterstrich er: "Der Altar verbindet uns mit Gott und miteinander. Der Altar ist Grund und Fels unseres Glaubens. Dieser Altar symbolisiert Christus, den Gesalbten, er ist mitten unter uns."

Mehrere Priester feiern mit (von links): Pfarrer i.R. Julius Auer, Vikar Holger Cerff, Pfarrer Michael Dulik, Hauptzelebrant Erzbischof Stephan Burger, Dekan Christoph Neubrand, Pfarrer Thorsten Gompper, Pfarrer i.R. Hans Haiber.
Mehrere Priester feiern mit (von links): Pfarrer i.R. Julius Auer, Vikar Holger Cerff, Pfarrer Michael Dulik, Hauptzelebrant Erzbischof Stephan Burger, Dekan Christoph Neubrand, Pfarrer Thorsten Gompper, Pfarrer i.R. Hans Haiber. | Bild: Sandra Häusler

Den Gottesdienst gestalteten der Kirchenchor Vilsingen unter der Leitung von Sabine Bimek, der Musikverein Vilsingen unter Dirigent Ferenc Palotai und Markus Fiederer an der Orgel. Pfarrgemeinderätin Gertrud Möhrle dankte stellvertretend für den Pfarrgemeinderat für den beeindruckenden Gottesdienst – der sicherlich ein unvergessliches Ereignis und in Erinnerung bleiben würde – sowie allen Beteiligten des "übergroßen" Projektes. Sie freue sich, dass die Pfarrkirche nun wieder mit Leben erfüllt sei. Möhrle hob ebenso das enorme Engagement von Dekan Christoph Neubrand bei der Renovierung hervor.

Jeder Platz ist besetzt, die Gläubigen besuchen einen ganz besonderen Gottesdienst.
Jeder Platz ist besetzt, die Gläubigen besuchen einen ganz besonderen Gottesdienst. | Bild: Sandra Häusler

Im Anschluss an den rund zweistündigen Gottesdienst feierten die Gäste in der Keltenhalle weiter. Nach dem Mittagessen sprach Bauinspektorin Bettina Sutter-Peters, Amtsleiterin des Erzbischöflichen Bauamtes Konstanz, dem die Planung und Bauleitung unter der Leitung von Markus Winterstein und Wolfgang Matheis oblag. Sie hob hervor, dass die Kirche zwei Erdbeben überstanden hat, 1911 und 1978. Bei der Renovierung wurden Schäden an den Natursteinfassaden behoben, die verschmutzte Raumschale gereinigt und die veraltete Technik erneuert. "Es war ein ganz besonderer Gottesdienst, eine total beeindruckende Altarweihe. Mir lief es ab und zu eiskalt den Rücken hinunter", sagte Ortsvorsteherin Viktoria Gombold-Diels. Sie lobte die musikalische Gestaltung sowie die harmonische Zusammenarbeit der kommunalen und kirchlichen Gremien. Mit Führungen in der Kirche und einem Familiengottesdienst anlässlich 25 Jahren Kinderkirche wurde das Fest am frühen Abend beschlossen.

An fünf Stellen auf dem Altar wurde der Weihrauch entzündet. Sie erinnern an die Wundmale Christi.
An fünf Stellen auf dem Altar wurde der Weihrauch entzündet. Sie erinnern an die Wundmale Christi. | Bild: Sandra Häusler

Kirchenrenovierung

2010 stellte die Seelsorgeeinheit Laiz-Inzigkofen den Antrag auf Renovierung. Die Vorbereitung dauerte rund sieben Jahre, die Bauzeit betrug zwei Jahre. Sie begann mit der Außenrenovierung, es folgte der Innenraum. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 2,3 Millionen Euro. Die Seelsorgeeinheit Laiz-Leibertingen hat etwa 1300 Stunden an Eigenleistungen beigetragen. Knapp 300 Steine ersetzten die Steinmetze an Fassaden und Turm, erneuerten rund 1,5 Kilometer Fugen. Die Altarinsel stammt aus Pietra Serena aus der Toscana. Den Ambo und den Altar aus Rorschacher Sandstein, einschließlich der Prinzipalien, entwarf das Erzbischöfliche Bauamt Konstanz. (sah)