Mit diesem Andrang hatte wohl niemand gerechnet. Insgesamt 640 Besucher zählte die Bergwacht beim Höhlentag. Und die kamen nicht nur aus dem Landkreis Sigmaringen, sondern auch von weiter her, wie man an den Autokennzeichen feststellen konnte. Das Interesse war groß. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass man nicht nur die Höhle erkunden, sondern auch den Bergfried besteigen konnte. Unterwelt und luftige Höhe mit einem gigantischen Ausblick auf das Donautal, das waren nun zwei Komponenten, die begeistern mussten. "Mit dem Verlauf sind wir überaus zufrieden. Es waren so viele freundliche und interessierte Besucher da, auch wenn einmal Wartezeiten unumgänglich waren, gab es keinerlei Probleme. Sehr gefreut haben wir uns auch über die vielen Familien, die uns besuchten", stellt Bergwacht-Pressesprecher Walther Paape fest.

Höhlen sind auf der Schwäbischen Alb nicht selten. Sie sind Relikte aus geologischen Urzeiten und dienten den Menschen auch immer wieder als Wohn- und Zufluchtsorte. Mag sein, dass unsere Vorfahren dort auch irgendwelche Rituale vorgenommen haben. Doch das ist lange her. Nicht so in der Burghöhle von Dietfurt. Dort war der Sitz des Erzpriorirats Staufen des Neutemplerordens. Die auch Ordo Novi Templi (ONT) genannte Gruppe war eine völkisch-religiöse Organisation. Sie wurde 1900 von Jörg Lanz von Liebenfels in Wien gegründet, einem ehemaligen Zisterziensermönch. Lanz nutzte diesen Orden, um seine Ideen, die er zunächst als "Theozoologie" oder "Ario-Christentum" und ab 1915 als "Ariosophie" bezeichnete, zu verbreiten. Lanz veröffentlichte seine rassistischen Lehren in den nahezu ausschließlich selbst verfassten "Ostara-Heften", die überall in Österreich, später auch in Deutschland vertrieben wurden.

Ein nachweislich regelmäßiger Leser der Ostara-Hefte war Adolf Hitler. Der Orden verband christliche Frömmigkeit mit modernen Begriffen der Rassenkunde und der Eugenik. In der Dietfurter Höhle richteten die Neutempler eine Kultstätte ein, die das besondere Interesse auf sich zog.

Der Höhleneingang befindet sich etwa auf halber Höhe des Burgfelsens und war im Mittelalter nicht verschlossen. Als die Neutempler in den Jahren 1928/29 mit dem Ausbau der Höhle begannen, wurde der Eingang zugemauert und eine Holztür in Kreuzform eingebaut. Es sind vier Höhlenräume, die durch enge Gänge miteinander verbunden sind, wobei ein Raum wegen des extrem schmalen Zugangs nicht betreten werden kann. Im obersten Raum fanden ab 1980 Grabungen der Universität Köln statt. Gefunden wurden Relikte aus der Urnenfelderzeit, der Frühlatènezeit, der Hallstattzeit und der Bronzezeit. Ebenso Nachweise von den Römern und aus dem Mittelalter. Der ehemalige Altarraum der Neutempler, die Rituale in Kutten abhielten, die sie wohl im unteren Raum ("Sakristei" genannt) erst anlegten, fand das besondere Interesse der Besucher. Hier sind der Altar, die mittlerweile auf dem Boden liegende Altarplatte und ein Kronleuchter zu sehen. Angehörige der Bergwacht gaben Erklärungen und beantworteten Fragen.

Geschichtlich unspektakulärer, aber dafür vom Ausblick her wohl einmalig war für diejenigen, die den Aufstieg über Eisenleitern auf den Bergfried wagten, der Blick über das Donautal. Der heutige Eingang stammt übrigens aus neuerer Zeit. Früher war der Eingang im ersten Stockwerk. Zweifellos aus Sicherheitsgründen. Doch für Sicherheit sorgte am Sonntag die Bergwacht. Das Areal ist seit 2004 im Besitz der Bergretter, die alleine zur Ruinensanierung 83 Tonnen Kalkmörtel, 65 Tonnen Steine und fünf Tonnen Wandkies verarbeitet haben. Und das in knapp 8000 Arbeitsstunden.


"Das Interesse wird immer größer"

<p>Walther Paape</p>

Walther Paape

| Bild: Karlheinz Fahlbusch

Walther Paape ist seit 1964 bei der Bergwacht, Pressesprecher und auch ausgebildeter Bergretter.


Wie groß ist das Interesse an Höhle und Ruine Dietfurt?

In den vergangenen Jahren ist das Interesse seitens der Bevölkerung immer größer geworden. Das dürfte auch mit den zwei von mir veröffentlichten Büchern zur Geschichte des Neutemplerordens zusammenhängen. Immer mehr Gruppen haben mit uns Termine für Führungen vereinbart. Wir haben das mit Bildern und Powerpoint-Präsentationen noch optimiert.
 

Wie viele Führungen machen Sie so im Jahr?

2015 waren es 40 von Mitte April bis Anfang Oktober. Es dürften knapp 900 Teilnehmer gewesen sein. Es geht auch dieses Jahr wieder in die gleiche Richtung.


Warum sind Sie beim Höhlentag dabei?

Wir sind vom Tourismusverband Donaubergland angefragt worden. Das war relativ kurzfristig und ursprünglich nicht im Programm. Ich wurde angemailt und dachte, dass eine Öffnung von sechs Stunden für uns in Ordnung wäre. Die Organisation ist natürlich umfassender, als man zunächst denkt. Aber man kann innerhalb der Bergwacht auf eine bewährte Infrastruktur zurückgreifen. So haben wir das relativ problemlos in den Griff bekommen.

 

Fragen: Karlheinz Fahlbusch