Inzigkofen-Engelswies – Der Beifall wollte gar nicht aufhören. Ihre große Anerkennung brachten die Zuschauer der Laienbühne Engelswies so zum Ausdruck, als das Stück "Piroschka" im St.-Verena-Saal zu Ende war. Die Vorsitzende Anja Erbe stellte dem begeisternden Publikum mit stockender Stimme und Tränen in den Augen die einzelnen Akteure vor. "Es war für mich einfach überwältigend", sagte sie später. Der stürmische Beifall der vielen Besucher im ausverkauften Saal, der gute Verlauf der Vorstellung, die von allen Laiendarstellern über alle drei Akte hinweg höchste Konzentration verlangte.

Dass hier mit viel Herzblut und Leidenschaft gespielt wurde, war schnell klar. An der ungarischen Bahnstation "Hodmezövasarhelykutasipustza" war modernste Technik im Spiel, zudem verlangte der Name den Schauspielern auch beste Sprechtechnik ab. Die musikalische Begleitung mit dem Tomyrimba, bekannt aus dem Film "Ich denke oft an Piroschka", sorgte für besondere Aufmerksamkeit unter den vielen Besuchern.

Noch ist es ungewiss, ob es zwischen Piroschka (Natalie Chimiak) und Andy (Steffen Erbe) ein Happy End geben wird. Vielleicht hilft ja das Vorsingen eines ungarischen Liebeslieds.
Noch ist es ungewiss, ob es zwischen Piroschka (Natalie Chimiak) und Andy (Steffen Erbe) ein Happy End geben wird. Vielleicht hilft ja das Vorsingen eines ungarischen Liebeslieds. | Bild: Karl Mägerle

Eine Glanzleistung in den Hauptrollen zeigten Natalie Chimiak als Piroschka, das Mädchen aus der Puszta, die einen sehr gut gesprochenen deutsch-ungarischen Dialekt präsentierte. Auch ein ungarisches Volkslied gab sie zum Besten. Steffen Erbe liegt das Theaterspiel offenbar von Haus aus im Blut. Er spielte den deutschen Studenten Andreas, Andy genannt. Bei all der Leidenschaft und Zuneigung lag quasi eine gewisse Spannung im St.-Verena-Saal. Würde es wirklich ein Happy End geben?

Bahnhofsfaktotum Sandor (Karl-Heinz Pfeifer) hatte in alles einen Einblick. Andreas fährt als Austauschstudent nach Ungarn. Bei der Zugfahrt lernt er Greta (Michaela Wassmer) kennen, die nach Plattensee weiterfährt. Er kann sie aber nicht ganz vergessen. Andreas fährt weiter in die Puszta nach "Hodmezövasahelykutsipustza" (Biberfeldmarktplatzbrunnenheide), wo er von der 17-jährigen Piroschka, Tochter des Stationsvorstehers Racz (Adelbert Braun) sehr angetan ist. Auch ihr verdreht er den Kopf. Sie verbringen romantische Stunden und halten Händchen, doch eine Karte vom Plattensee und Grüßen von Greta bringen Andreas in eine prekäre Lage, denn sie taucht plötzlich in der Puszta auf.

Mit viel Charme versucht Piroschka ihren Andy, wie sie in liebevoll nennt, für sich zu gewinnen. Doch Andy bringt nicht nur den Stationsvorsteher durcheinander, sondern auch das Dienstmädchen im Hotel (Irma Vogel-Mors), ebenso Chefin Frau Marton (Christine Stroppel). Selbst die Bekannten Ilonka (Anja Erbe), Margit (Margrit Knaus) und selbst Dr. von Csiky (Ingo Gitschier) wissen nicht mehr, wo ein und aus mit dem deutschen Studenten. Nachdem Piroschka Andys Abreise mit dem Zug stoppt, gibt es doch ein Happy End zwischen den beiden.

Mit viel Applaus wurden die Darsteller der Laienbühne Engelswies nach dem Stück "Piroschka" von den Besuchern verabschiedet.
Mit viel Applaus wurden die Darsteller der Laienbühne Engelswies nach dem Stück "Piroschka" von den Besuchern verabschiedet. | Bild: Karl Mägerle

Ganz nebenbei gab es für die Zuschauer noch eine kleine Unterrichtseinheit in Ungarisch. Hallo = Szia, Leb wohl = Isten veled, Bahnhof = Alomas, Liebe = szerelem. Ausgedruckt als Handreichung erhielten die Zuschauer den Basiswortschatz für das Stück von Hugo Hartung. Das Stück basiert auf Hartungs Roman "Ich denke oft an Piroschka", der 1955 verfilmt wurde. Der Film mit Liselotte Pulver und Gunnar Möller wurde zu einer der erfolgreichsten deutschen Nachkriegsproduktionen.

Verein und Aufführungen

  • Die Laienbühne Engelswies besteht jetzt 30 Jahre und ging aus dem Ledigenverein hervor. Derzeit sind es 167 Mitglieder, die den Verein in aktiver und passiver Weise unterstützen. Inzwischen wurden 29 Stücke aufgeführt. Für die Jugend gibt es im Sommer seit 1998 das Sommertheater bei der Schule in Engelswies.
  • Weitere Aufführungstermine: Freitag, 5. Januar und Samstag, 6. Januar, jeweils 19.30 Uhr. Sonntag, 7. Januar, 16 Uhr.