In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend kreisten Gremium und Bürgermeister vornehmlich um sich selbst. Die ersten Tagesordnungspunkte Bekanntgaben, Anträge an Bürgermeister und Behandlung von öffentlichen Gemeinderatsprotokollen wurden zum gegenseitigen Schlagabtausch zwischen Räten und Rathauschef Jürgen Laßer genutzt. Schier absurd mutete der Streit zwischen Bürgermeister und seinem ersten Stellvertreter Jörg Ehrlinspiel an. Dieser hatte in einer Mail den Zusatz "erster stellvertretender Bürgermeister" verwendet, was Laßer so sauer aufstieß, dass er seinem vom Gemeinderat gewählten und dann öffentlich bestellten Vertreter am 25. Januar in einem Brief die Rechtslage erläuterte, wonach dies unzulässig sei. "Was ist für sie so wichtig?", fragte Ehrlinspiel und stellte gleich eine Vermutung an: "Sie haben Angst, dass ich mich in zwei Jahren als Bürgermeisterkandidat aufstellen lasse." Auf Nachfrage des SÜDKURIER bestätigte Ehrlinspiel, der bekanntlich bei der Bürgermeisterwahl vor sechs Jahren angetreten war, dass er über eine erneute Kandidatur nachdenkt.

Jürgen Laßer wiederholte mehrfach, dass es den Titel stellvertretender Bürgermeister nicht gibt und Ehrlinspiel bei Wiederwendung dieses Zusatzes einen Amtsmissbrauch begehe. Auf die kopfschüttelnden Reaktionen des Gemeinderates erwiderte der Verwaltungschef, dass er in dieser Angelegenheit handeln musste und den Sachverhalt deshalb nochmals von der Rechtsaufsichtsbehörde prüfen lasse. Seinem Stellvertreter drohte er im Wiederholungsfall mit einer Strafanzeige. "Ich hätte gern eine Kopie des Antwortschreibens der Aufsichtsbehörde", hatte Ehrlinspiel in der abstrusen Debatte das letzte Wort.

Dann beschäftigten sich Rat und Bürgermeister mit einem Lieblingsthema – die Behandlung von öffentlichen Gemeinderatsprotokollen. Jürgen Laßer hielt den Gemeinderäten ihre fehlenden Unterschriften unter Protokollen vergangener öffentlicher und nicht öffentlicher Sitzungen vor. Jörg Ehrlinspiel konterte, und wies auf mangelhafte Unterlagen bei mehreren Ratssitzungen hin. Hubert Berenbold (CDU) konnte es nicht fassen, dass Laßer ihn bei einer Sitzung als unentschuldigt aufführte, obwohl er ihm per Mail mitgeteilt hatte, dass er aus privaten Gründen nicht kommen könne. "Ich liefere Ihnen keine Begründung", machte Berenbold klar, dass "privat" als ausreichende Entschuldigung gelten muss. Der Bürgermeister zitierte Paragraf 38 der Gemeindeordnung, wonach die Räte bei Nichtteilnahme an einer Sitzung einen Grund angeben müssen und unentschuldigtes Nichterscheinen als Pflichtverstoß bewertet wird. Dass diese Anwesenheitsliste als Protokoll im Gemeindeblatt veröffentlicht werde, ist nach Überzeugung von Jörg Ehrlinspiel nicht mit dem Datenschutz vereinbar. Anton Langer (FW) machte den Vorschlag, künftig den Terminus "anderweitige Termine" bei Abwesenheit anzugeben. Josef Metzler (FW) war außer sich, dass im zur Veröffentlichung anstehenden Protokoll bei ihm der Satz stehen soll, dass er keinen weiteren Werktag Zeit für das Ehrenamt habe. Die Bürger würden ja glauben, dass ihm seine Gemeinderatstätigkeit nichts bedeute, dabei sei er täglich im Ehrenamt unterwegs. "Wenn der Satz so im Gemeindeblatt steht, höre ich auf", kündigte Metzler an. Das Amt als Gemeinderat bringe bestimmte Pflichten mit sich, erhielt er von Laßer noch die Belehrung, dass es für Ratsmitglieder kein "privat" gebe.

Metzler kritisierte auch die detaillierten Protokollveröffentlichungen im Publikationsorgan der Kommune. Zuvor hatte er die Gelegenheit genutzt, um bei Laßer nachzufragen, warum das Rathaus während der Weihnachtszeit zwei Wochen geschlossen war und nun freitags für den Publikumsverkehr gesperrt sei. Der Bürgermeister verwies auf den Urlaubsanspruch der Mitarbeiter, und dass Bürger freitags einen Ansprechpartner vorfinden würden, wenn sie denn einen Termin vereinbart hätten.