Erst kürzlich hat der Narrenverein Wasserspucker das neue Häs der Narrenräte vorgestellt. Es ist der Uniform eines schwedischen Hauptmanns aus dem Dreißigjährigen Krieg nachempfunden. Aus Angst vor den Schweden hatten die Illmenseer ihre Kirchenglocke im See versenkt. Leider war die später nicht mehr auffindbar. Aber sie wird bis heute von den Seeteufeln bewacht und die Karpfen im See lachen noch immer über die Illmenseer.

Diese Geschichte ist die Grundlage des Narrenvereins Wasserspucker, der 1964 gegründet wurde. Die Karpfen, die gibt es seit 1978 auch als Fasnetsmaske. Und den Seeteufel, den gibt es erst seit 2011. Doch die Fasnet in der Drei-Seen-Gemeinde ist natürlich viel älter. "Da hat sich aber alles auf der Straße und in den Lokalen abgespielt", erinnert sich Lothar Runge. Der 86-Jährige stammt eigentlich aus dem Allgäu. Mit der Fasnet angefangen hat er aber erst in Illmensee. Als Narrenpolizist sorgte er für Ordnung – und manchmal auch Unordnung – bei der Dorffasnet. "Und dann hat es irgendwann an Narrenräten gefehlt, und da habe ich dann das gemacht", schmunzelt er. 

Tolles Deko: Die Maske der Wasserspucker gibt es auch im Kleinformat.
Tolles Deko: Die Maske der Wasserspucker gibt es auch im Kleinformat.

Runge war er dann auch Präsident des Vereins und möchte keine Minute missen. Sechs Jahre war er auch Narrenvater und hat erst vor zwei Jahren aufgehört. Das ist für ihn nicht schlimm, denn man habe sowieso keinen richtigen Standesbeamten mehr auf dem Rathaus und deshalb sei das mit der Narrenhochzeit sowieso schwierig. Klar ist: "Mit dem Lothar kannst du jeden Scheiß machen", wie Narrenpräsident Michael Reichle feststellt, der bereits seit 19 Jahren im Amt ist.

Fasnet verbindet Generationen. Da lässt sich Gardechefin Melissa Weber gerne von Narrenpräsident Michael Reichle, Narrenschreiber Hubert Berenbold und den beiden Fasnetsurgesteinen Lothar Runge und Karl Heggelbacher (von links) charmant "auf den Arm nehmen".
Fasnet verbindet Generationen. Da lässt sich Gardechefin Melissa Weber gerne von Narrenpräsident Michael Reichle, Narrenschreiber Hubert Berenbold und den beiden Fasnetsurgesteinen Lothar Runge und Karl Heggelbacher (von links) charmant "auf den Arm nehmen".

Ein anderes Urgestein der Fasnet in Illmensee ist Karl Heggelbacher. Er kam 1951 in den Ort, ist gelernter Huf- und Wagenschmied, Schlosser und Techniker. Ein Mann, den man brauchen kann, wenn man Wagen bauen will. Los ging es 1968. Und da waren natürlich auch flotte Sprüche drauf. An "Rathaus zur ewigen Ruh, morgens geschlossen, nachmittags zu", kann er sich noch gut erinnern. Dem damaligen Bürgermeister Xaver Reis hat das übrigens nichts ausgemacht. Heggelbacher kam aus Markdorf an den Illmensee und war deshalb von der dortigen historischen Fasnet infiziert. "Es war schwer, die Leute aufzumuntern", erinnert sich der langjährige Narrenpräsident. Man wollte, dass die Leute mitmachen. Er hat deshalb versucht, in den Ortsteilen die Menschen für die Fasnet zu motivieren.

Straßenfasnet im vergangenen Jahrhundert: Hans und Steffen hatten offensichtlich ihren Spaß.
Straßenfasnet im vergangenen Jahrhundert: Hans und Steffen hatten offensichtlich ihren Spaß.

Offensichtlich war er da sehr erfolgreich. "Es waren alle dabei. So haben wir eine tolle Straßenfasnet auf die Beine gestellt", freut er sich noch heute. Es gab allerdings ein Problem: Die meisten Einwohner waren beim Umzug dabei und deshalb war die Zuschauerzahl eher gering. Also hat man in der ganzen Region Werbung gemacht und die Leute kamen nach Illmensee wegen des tollen Spektakels und hinterher war immer mächtig was los in den Wirtschaften. Die einzige Einnahmequelle für den Narrenverein war die Verlosung des Narrenbaums am Aschermittwoch. Deshalb war es auch die Aufgabe des Präsidenten, Geld für die Narrenzunft und ihre Aktivitäten zu besorgen.

Narrenpräsident Karl Heggelbacher (links) in närrischer Begleitung. Lang, lang ist es her.
Narrenpräsident Karl Heggelbacher (links) in närrischer Begleitung. Lang, lang ist es her.

Zur jungen Generation der Aktiven gehört Melissa Weber. Die 21-Jährige studiert Agrarwissenschaft und ist seit dem vierten Lebensjahr Gardemädchen. Erst bei der Kindergruppe, dann bei den Jugendlichen und seit zwei Jahren als Chefin bei den Erwachsenen. Die Garde kann dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiern, und Nachwuchsprobleme gibt es keine. "Das liegt vielleicht auch daran, dass wir schon Mädchen im Kindergartenalter aufnehmen", sagt Melissa. Immer gegen Ende August fängt man mit den Proben für den Bürgerball an. Da dürfen dann auch die Kinder und die Jugendlichen auftreten. Bei den Umzügen sind nur "die Großen" dabei. Das ist dann so sieben Mal in der Fasnet. "Wenn wir auf zu viele Umzüge gehen, dann leidet die Dorffasnet", sagt Michael Reichle. Und das will man auf keinen Fall. Von den 2000 Einwohnern sind weit über 230 im Narrenverein Mitglied.

Die Dorfumzüge mit den selbst gebauten Wagen waren legendär und lockten Zuschauer aus der gesamten Region an den Illmensee.
Die Dorfumzüge mit den selbst gebauten Wagen waren legendär und lockten Zuschauer aus der gesamten Region an den Illmensee.

Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass man vor Ort sehr aktiv ist und nicht nur auswärts marschiert. Dabei ist die Hallenfasnet "ein Haufen Arbeit", wie der Narrenchef berichtet. Und für ihn ist klar: "Wenn wir das nicht mehr hinbekommen, dann ist Schluss. Nur Umzüge – das ist keine Fasnet." Der Zusammenhalt im Verein komme auch durch die Proben. Der Bürgerball, der am kommenden Freitag, 9. Februar, 19.30 Uhr, in der Drei-Seen-Halle stattfindet, das sei wie bei einem Musikverein das Jahreskonzert: Da könne man so richtig zeigen, was man drauf hat. Was das diesmal sein wird, das verrät Reichle nicht. Vermutlich wird auch der Narrenmarsch erklingen. So etwas hat nicht jeder. Dass man seit 2010 Vollmitglied im Alemannischen Narrenring ist, das war eine Notwendigkeit.

Fasnet 2018: Piraten des Musikvereins (links) kämpfen mit dem Narrenrat in seinem neuen Häs um die Glocke von Illmensee.
Fasnet 2018: Piraten des Musikvereins (links) kämpfen mit dem Narrenrat in seinem neuen Häs um die Glocke von Illmensee.

"Wenn du in keiner Vereinigung bist, dann gehörst du nirgends richtig dazu", sagt Reichle. Für ihn und die ganze Zunft hat die Ortsfasnet immer noch höchste Priorität. Und das kann man auch aus dem Protokollbuch von Narrenschreiber Hubert Berenbold entnehmen. Obgleich er so manche Handschrift auch nicht richtig lesen kann. Deshalb wird diese besondere Chronik heutzutage mit dem Computer geschrieben.

Wasserspucker

Figuren des Narrenvereins, mit seinen aktuell 230 Mitgliedern, sind die Wasserspucker (einem Karpfen nachempfunden), die Seeteufel, der Narrenrat, die Narrengarde (jeweils eine Gruppe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene), der Narrenpolizist und die Narreneltern.

Die Wasserspucker sind seit acht Jahren Vollmitglied im Alemannischen Narrenring und haben derzeit 155 aktive und 890 passive Mitglieder. Narrenpräsident ist Michael Reichle.

Informationen im Internet: www.wasserspucker.de