Es soll ja Menschen geben, die es vorziehen, Karneval oder Fastnacht im Fernsehen anzuschauen. Eigentlich schade. Denn dann verpassen sie die Erkenntnis, dass es auch in unserer Region tolle Talente gibt. Der Beweis wurde am Freitagabend in der voll besetzten Drei-Seen-Halle angetreten. Und man wird es nicht glauben: Die Akteure vom Narrenverein Wasserspucker schafften es, bei ihrem 50. Bürgerball ein knapp vierstündiges Programm auf die Beine zu stellen, das eigentlich nur von Umbaupausen unterbrochen wurde. Und wenn wir schon bei den Beinen sind: Die gab es zuhauf in Form der Garden aus Illmensee, die nicht nur ihr 40-jähriges Bestehen feierten, sondern schwungvoll und charmant bewiesen, was sie drauf haben. Und das ist echt eine ganze Menge: Egal ob Kinder-, Jugend- oder Narrengarde, den Spaß an ihrem Tun konnte man den Tänzerinnen ansehen.

Immer am Bürgerball haben auch die ganz kleinen Gardemädchen ihren ganz großen Auftritt. Nachwuchsprobleme kennt man in Illmensee nicht. Ganz im Gegenteil.
Immer am Bürgerball haben auch die ganz kleinen Gardemädchen ihren ganz großen Auftritt. Nachwuchsprobleme kennt man in Illmensee nicht. Ganz im Gegenteil. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Spaß hat man bei den Wasserspuckern auch beim Ausdenken des Bühnenprogramms, das nun wirklich keine Langeweile aufkommen ließ, dafür aber mit viel Kreativität, Witz und Komödiantentum aufwarten konnte. Die Namen aller Akteure zu nennen, würde den Rahmen eines Berichts sprengen. Es sind einfach zu viele, die sich in Illmensee auf die närrische Bühne trauen. Und sie sind alle echt gut. Talentemangel herrscht hier gewiss nicht. Sogar die ganz jungen Wasserspucker zeigten mit ihrem Rap, was sie draufhaben. Und man scheute sich auch nicht, moderne Technik ins Programm einzubauen. „Mario Barth deckt auf“ war so eine Mischung aus Live-Interview und Videosequenzen. Das Biber-Problem oder die Belästigung durch Raser in der Ortsmitte, wurden auch visuell dargestellt.

Und wer zu Beginn des Programms gedacht hatte, dass der Bürgermeister ungeschoren davonkommt, der musste umdenken. Zwar hatte sich Jürgen Lasser, im Programm auch mal als „Unterlasser“ bezeichnet, kurzfristig entschuldigt, doch er war auf der Bühne oft präsent. Frei nach dem Märchen vom Rumpelstilzchen musste er für sehr viele Dinge herhalten, die den Narren aufgefallen waren und ganz offensichtlich auch ihr Missfallen erregt hatten. Viel Lokalkolorit gab es beim Stammtisch zu erfahren. Merke: Den Narren entgeht nichts. Und dem Narrenrat schon gar nicht. Denn die Herren hatten gut aufgepasst und sich zum Ortsgeschehen ihre Gedanken gemacht.

Die sieben Zwerge und das Rumpelstilzchen haben die Lacher auf ihre Seite. Merke: "Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Jürgen Lasser heiß." So heißt der Bürgermeister nun nach seiner Heirat. Er konnte nicht zum Bürgerball kommen und hatte sich entschuldigt.
Die sieben Zwerge und das Rumpelstilzchen haben die Lacher auf ihre Seite. Merke: "Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Jürgen Lasser heiß." So heißt der Bürgermeister nun nach seiner Heirat. Er konnte nicht zum Bürgerball kommen und hatte sich entschuldigt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Schon mal was von „Fakebook“ gehört? Das ist eine Internetseite, die von Falschnachrichten nur so strotzt. Das dürfte auch für den Besuch von Donald Trump gelten, der sich beim Bürgermeister Tipps für den Bau einer Mauer, die in Illmensee natürlich Zaun heißt, holen wollte. Für Narrenchef Michael Reichle ist es selbstverständlich, dass er beim Bürgerball auch auf der Bühne mitmischt. Am Freitag tat er das mehrfach. Und zusammen mit Dieter Maier, der auch für Technik und die Musik sorgte, erweckte er so manchen Höhepunkt aus den vergangenen zehn Jahren wieder zum Leben. Dass zum Schluss die Erwachsenengarde mit ihrer Abba-Show einen fulminaten Schlusspunkt setzte, versteht sich von selbst. Das Publikum war begeistert und ließ sich von fetzigen Rhythmen des Musikvereins in den Rest der Nacht begleiten. Fazit: Illmensee hat gezeigt, dass es auch positive Schlagzeilen machen kann. Dieser Bürgerball war wirklich super.

40 Jahre alt ist die Tanzgarde der Wasserspucker. Und wie könnte man das besser feiern als mit Schwung und Charme beim 50. Bürgerball, der am Freitagabend in der Drei-Seen-Halle über die Bühne ging.
40 Jahre alt ist die Tanzgarde der Wasserspucker. Und wie könnte man das besser feiern als mit Schwung und Charme beim 50. Bürgerball, der am Freitagabend in der Drei-Seen-Halle über die Bühne ging. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

 

Narrengarde

Die tanzende Mädchentruppe gibt es seit 40 Jahren. Der Nachwuchs rekrutiert sich aus der Jugendgarde (elf bis 16 Jahre) und der Kindergarde (vier bis elf Jahre). Das heutige Kostüm gibt es seit dem Jahr 1989. Es besteht aus einem Hut mit einer weißen Feder und dem blau-weißen Rock mit Kostümoberteil. Davor tanzte man in Rot und Weiß. Nur die Erwachsenen gehen zu Umzügen mit. (kf)