Das Bedürfnis der Illmenseer Bürger, die Bewerberinnen und Bewerber für das Amt des Bürgermeisters näher kennenzulernen, ist groß. Bereits die offizielle Kandidatenvorstellung der Gemeinde vor einer Woche in der Drei-Seen-Halle war sehr gut besucht. Um die Entscheidungsfindung zu unterstützen, hat der SÜDKURIER am Montag zusätzlich eine Podiumsdiskussion organisiert, die von Redakteur Siegfried Volk moderiert wurde. Fast 400 Menschen waren der Einladung des SÜDKURIER gefolgt und konnten ihre Fragen an die Kandidaten stellen. Und das obwohl die Veranstaltung in der Andelsbach-Halle in Denkingen und nicht in Illmensee stattfand, da dort die Drei-Seen-Halle nicht als Veranstaltungsort zur Verfügung gestellt wurde. Der ehemalige Gemeinderat Josef Metzler aus Glashütten kritisierte diesen Umstand erneut öffentlich.

SÜDKURIER-Lokalchef Siegfried Volk (links) und Andreas Ambrosius von der Chefredaktion (rechts) begrüßten sechs Bürgermeister-Kandidaten in der Andelsbach-Halle: Andreas Lipp, Jürgen Lasser, Heidi Hug, Karin Kneissler, Wofgang Treß und Michael Reichle (von links).
SÜDKURIER-Lokalchef Siegfried Volk (links) und Andreas Ambrosius von der Chefredaktion (rechts) begrüßten sechs Bürgermeister-Kandidaten in der Andelsbach-Halle: Andreas Lipp, Jürgen Lasser, Heidi Hug, Karin Kneissler, Wofgang Treß und Michael Reichle (von links). | Bild: Kirsten Johanson

Sechs der sieben Kandidaten auf dem Podium präsent

Bis auf Dauerkandidat Samuel Speitelsbach saßen alle sechs Kandidaten auf der Bühne. Dass bei der Wahl am 6. Oktober sieben Namen auf dem Stimmzettel stehen, wertete Andreas Ambrosius, Mitglied der Chefredaktion des SÜDKURIER, als Glücksfall, denn „Wahl hat etwas mit Auswahl zu tun“. Und mit Auswahl sei es nicht weit her, wenn sich nur ein, zwei Bewerber aufstellen ließen.

Lokalchef Siegfried Volk: „Sie sind das Einstellungskomitee“

Siegfried Volk, Leiter der SÜDKURIER-Lokalredaktion in Pfullendorf, formulierte es so: „Sie sind das Einstellungskomitee, Sie entscheiden mit Ihrer Stimme über den wichtigsten Arbeitsplatz in Ihrer Heimatgemeinde, Sie entscheiden darüber, wem Sie für die kommenden acht Jahre die Geschicke Illmensees anvertrauen wollen.“

Josef Metzler aus Glashütten hat eine Frage an das Podium. Andreas Ambrosius, Mitglied der Chefredaktion, reicht ihm das Mikrofon.
Josef Metzler aus Glashütten hat eine Frage an das Podium. Andreas Ambrosius, Mitglied der Chefredaktion, reicht ihm das Mikrofon. | Bild: Kirsten Johanson

Drei Minuten Zeit für eine Kurzvorstellung

Jeder Kandiat hatte drei Minuten Zeit, sich dem Publikum kurz vorzustellen. Der Schwerpunkt des Abends lag jedoch auf den Frageblöcken. Zum einen sprach Siegfried Volk verschiedene Themen an, wie Wirtschaft und Bürgerbeteiligung, zum anderen konnten die Bürger ihre Fragen stellen. Die Inhalte waren vielfältig.

Bedenken zur Bebauung des Reichle-Areals in Ruschweiler

Ein Thema, das viele tief bewegt, ist die bauliche Entwicklung der Gemeinde und hier vor allem das Reichle-Areal in der Ortsmitte von Ruschweiler. Ein Fragesteller wollte wissen, ob die Kandidaten es für richtig halten, dass dort so große Wohnblöcke entstehen sollen. „Ich bin kreuzunglücklich, dass es uns als Gemeinde nicht gelungen ist, das Areal zu erwerben, sonst hätten wir jetzt einen Fuß in der Tür“, antwortete Wolfgang Treß.

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Er bezeichnete sich als „überzeugter Innenentwickler“, der Baulücken im Kernort und in den Teilorten schließen will. Karin Kneissler plädierte dafür, den Investor an seine soziale Verantwortung für ein attraktives Ortsbild zu erinnern. Andreas Lipp sprach von der Wichtigkeit, gemeinsam mit dem Bauträger für das übrige Areal im Bebauungsplanverfahren eine verträgliche Lösung zu finden. Heidi Hug hofft, dass der dort entstehende Wohnraum „nicht nur als Urlaubswohnungen dient“.

Einheimischer Bauträger als „Riesenchance“

Dass die große Wohneinheit nicht mehr aufzuhalten sei, merkte Michael Reichle an. Er sieht den einheimischen Bauträger aber als „Riesenchance“ an. Während alle anderen es als positiv werteten, dass der Investor aus Illmensee stammt, sagte der amtierende Bürgermeister Jürgen Lasser: „Ich halte das für ein Problem, denn hier stoßen das finanzielle Interesse des Investors und das für Ruschweiler optisch Wünschenswerte aufeinander.“ Auf die Frage eines Bürgers erklärte er, die Gemeinde habe seinerzeit nicht die finanziellen Mittel gehabt, der Erbengemeinschaft für das Reichle-Areal die geforderte Summe zu zahlen.

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Zwei Fragesteller wollten von Andreas Lipp wissen, was er in Bezug auf einen Wohnortwechsel nach Illmensee mit einem „klaren Jein“ gemeint habe und wie er es schaffen wolle, den zeit- und arbeitsintensiven Job zu stemmen, ohne in der Gemeinde zu wohnen.

Lipp will aufgrund familiärer Situation vorerst nicht umziehen

Der 47-jährige Hauptamtsleiter sagte, zu seiner momentanen Lebensphase passe ein Umzug noch nicht, da sein Sohn gerade die Schule gewechselt habe. „Ich identifiziere mich trotzdem mit Illmensee und die Zeit vor Ort werde ich effizient nutzen.“ Von Vogt, wo er wohnt, bis Illmensee benötige er morgens eine Dreiviertelstunde. „Ich bin es gewohnt, lange und viel zu arbeiten.“

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Das Ehrenamt, Vereine und Bürgerbeteiligung waren weitere große Themen. Michael Reichle will die Vereine zukünftig sowohl finanziell als auch ideell wieder mehr wertschätzen. „Vereine sind die Lebensader und sie schweißen uns zusammen.“ Jürgen Lasser verwahrte sich dagegen, dass der Eindruck erweckt werde, in den acht Jahren seiner Amtszeit habe sich diesbezüglich nichts getan. „Es wurden über 100 000 Euro in die Vereinstätigkeit investiert, das ist bei 2000 Einwohnern eine Menge Geld.“

Zahlreiche Vorschläge zur Einbindung der Bürger

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Heidi Hug will die Bürger einbinden, wenn es um Themen wie Seefreibad, Ortsentwicklung und Rathaus-Öffnungszeiten geht. Andreas Lipp schwebt die Einführung eines Neujahrsempfangs mit Ehrung von Ehrenamtlichen vor: „Die beste Motivation ist ein ehrlich gemeintes Dankeschön.“

Karin Kneissler möchte einen Ehrenamtstag ins Leben rufen und im Fall ihrer Wahl per Fragebogen die Wünsche und Bedürfnisse der Bürger im Detail abfragen. „Dann können wir gemeinsam neue Wege suchen.“ Sowohl Wolfgang Treß, der sich wiederholt als Verfechter von Ideenwerkstätten outete, als auch Heidi Hug wollen im Rathaus Bürgermeister-Sprechstunden zu Zeiten anbieten, die bürgerfreundlich sind.

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Reichle sagte: „Es muss Spaß machen, aufs Rathaus zu gehen. Meine Tür steht offen.“ Lasser machte in dem Zusammenhang deutlich, dass die Rathaustür freitags verschlossen sei, damit die Mitarbeiter die Chance hätten, alles abzuarbeiten, was von Montag bis Donnerstag noch nicht erledigt werden konnte. „Da bitte ich auch um Verständnis für die Mitarbeiter der Verwaltung.“

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Kandidaten bekräftigen Bereitschaft und Willen zum Dialog

Was alle Kandidaten in Aussicht stellen, sind die Bereitschaft und der Wille zum Dialog. Michael Reichle kann sich ein regelmäßiges Unternehmerfrühstück vorstellen, eine Plattform zum Informationsaustausch mit Unternehmern – dazu gehören für ihn auch die Landwirte.

Heidi Hug versprach: „Ich möchte als Bürgermeisterin den Menschen wieder mehr zuhören und die Bürger in Entscheidungsprozesse einbinden.“ Bei Treß gilt die Devise: „Reden, zuhören, planen, beraten, entscheiden, machen.“

Der Beifall nach zwei Stunden angeregter Diskussion galt nicht nur den Kandidaten, sondern auch der Feuerwehr Denkingen für die Bewirtung und Parkplatzeinweisung sowie Ortsvorsteher Karl Abt, der dem SÜDKURIER die Andelsbach-Halle zur Verfügung gestellt hatte.