In der jüngsten Gemeinderatssitzung nutzte Campingplatzbetreiber Johann Heigle die Bürgerfragestunde, um seinem aufgestauten Ärger etwas Luft zu verschaffen. Er fragte nach dem Sachstand bei der von der Gemeinde erhobenen Kurtaxe und Zweitwohnungssteuer, deren lückenhafte Kalkulation vom Verwaltungsgericht gerügt worden war. Heigle monierte, dass die aktuelle Satzung bezüglich Brutto -und Nettomiete ungenau formuliert sei, sodass es zu fehlerhaften Berechnungen komme. Er habe in der Verwaltung auf diese Fehlerquelle hingewiesen und daraufhin die Antwort erhalten, dass die Betroffenen dann halt Widerspruch gegen den Bescheid einlegen sollten. "Es wäre doch besser, gemeinsam eine sinnvolle Lösung zu suchen", äußerte der Illmenseer Unternehmer immer wieder sein Unverständnis, dass man im Gremium wie der Gemeinde nur noch gegeneinander arbeite. Rathauschef Jürgen Lasser gab mit Hinweis auf die Datenschutzverordnung keine konkreten Informationen, erläuterte aber, dass die Kurtaxensatzung in Kraft sei, denn das Verwaltungsgericht habe kein Urteil erlassen. Es liege nun am Gemeinderat, zu entscheiden, ob die Gemeinde die Satzung nacharbeitet oder darauf verzichtet. Bei der Vorstellung des Haushaltsplanentwurfs 2018 hatte Kämmerer Michael Sonntag erklärt, dass er für 2019 nicht mehr mit Kurtaxeneinnahmen kalkulieren will.

Es habe wegen dieser Zweitwohnungssteuer schon viel Ärger gegeben, bezeichnete Campingplatzbetreiber Heigle die Satzungsproblematik als geschäftssschädigend, nachdem einige Dauercamper deswegen gekündigt hätten. Im SÜDKURIER-Gespräch erläuterte der Unternehmer, dass seine 60 Dauercamper derzeit 57 Euro Zweitwohnungssteuer bezahlen müssen. In der Ratssitzung kritisierte er die prozentale Höhe der Abgabe, die sich an Konstanz orientiere. In Ruschweiler habe es gleichfalls viel Ärger gegeben. "Kommt das im Rathaus nicht an?", fragte Heigle und forderte den Gemeinderat auf, die Kurtaxenthematik im Fremdenverkehrsausschuss zu besprechen. Ergänzende fügte er hinzu, dass die Zweitwohnungssteuer in Ruschweiler für viel Ärger gesorgt habe: "Kommt das im Rathaus nicht an?" Die Kurtaxeeinnahmen sollen der Förderung des Fremdenverkehrs zugutekommen, erinnerte Johann Heigle das Gremium. Man sollte die geschätzten 7000 Euro doch in den Tourismus investieren, und nicht für Rechtsanwälte ausgeben.

Einen Fürsprecher erhielt Heigle in Jörg Ehrlinspiel (Freie Wähler), der den Tagesordnungspunkt "Anträge und Anfragen an den Bürgermeister" nutzte, um Jürgen Lasser aufzufordern, dem Fragesteller eine Antwort zu geben. Er fordere das Recht auf Information ein, erklärte der sichtlich erregte Gemeinderat sein Ansinnen und unterstrich sein Ansinnen mit mehrfachem Tischklatschen. "Gibt es weitere Fragen?", verweigerte der Rathauschef eine Antwort, worauf Ehrlinspiel den als Protokollanten tätigen Kämmerer aufforderte, dieses Vorgehen im Protokoll festzuhalten und das Geschehen als Farce bezeichnete. Dann befolgte der FW-Rat einen Ratschlag seiner Fraktionskollegin Kathrin Hecht. Wenn Bürgermeister oder Verwaltung eine Frage aus dem Gremium nicht in der Sitzung beantworten könnten, habe der Gemeinderat ein Recht auf eine spätere schriftliche Antwort. Dies beantragte Ehrlinspiel. "Sie sind jetzt fertig", unterband Lasser weitere Äußerungen des Gemeinderates, worauf dieser erklärte: "Wir werden unterdrückt!"