Nach intensiver Debatte um Grundsätze der Haushaltspolitik, Kritik an mangelnder Transparenz und fehlender Diskussion lehnte der Gemeinderat am Donnerstagabend die von der Verwaltung vorgeschlagene Erhöhung der Gewerbesteueriab 2018 und Grundsteuer ab 2019 um je zehn Prozentpunkte ab, was er Kommune jährlich 30 000 Euro an zusätzlichen Einnahmen gebracht hätte. Kämmerer Michael Sonntag und Bürgermeister Jürgen Lasser wiesen auf die Großprojekte wie Grundschulsanierung und Breitbandausbau hin, was die Kommune rund 2,3 Millionen Euro kosten wird. Hinzu kommt die ungeklärte Löschwasserversorgung. Entweder, die Kommune saniert ihr altes Leitungsnetz für zwei Millionen Euro ohne Zuschuss oder baut für geschätzte 3,5 Millionen Euro ein neues Netz, wofür man 70 Prozent Zuschuss erhalten würde. Weiter Aufgaben wie die seit Jahren verschobene Friedhofssanierung oder die Kanalsanierung kosten hunderttausende Euro. "Wo soll das Geld herkommen?", fragte Lasser in die Runde, dass man angesichts einer Schuldenhöhe von 1,9 Millionen Euro nicht ohne Weiteres zusätzliche Kredite aufnehmen könne. Als "Zumutung" bezeichnete Anton Langer (Freie Wähler) die geplanten Steuererhöhungen: "Jeder, der sich etwas erarbeitet hat, soll Strafe zahlen." Mit dann 360 Prozentpunkten wäre Illmensee im Kreis Sigmaringen Spitzenreiter bei der Gewerbesteuer, lehnte Roland Großmann (CDU) die Erhöhung ab und monierte, dass andere Gemeinden mehr Zuschüsse erhalten würden. Bezüglich der Steuer gestand Kämmerer Sonntag zu, dass Illmensee sich an der Obergrenze befinde. Steuererhöhungen bedeuteten für die Verwaltung am wenigsten Arbeit, forderte Kathrin Hecht (FW) zuerst die aktuelle Gebührenkalkulation zu überprüfen. Er scheue keine Arbeit, wies der Kämmerer auf die finanzrechtlichen Zwänge hin, so dürfe eine Kommune Bereiche wie die Schule nicht über Gebühren finanzieren. Dass man die Steuererhöhungen ohne vorherige Beratung beschließen soll, kritisierte Andreas Huber (CDU) und Anton Langer monierte, dass Anregungen von Gemeinderäten für den Haushalt nicht berücksichtigt wurden. Man hätte in einer Klausurtagung jeden Haushaltsposten einzeln durchsprechen müssen, übte Otto Lohr massive Kritik an dem Prozedere. Kämmerer Sonntag hatte am 24. Mai den Haushaltsplan im Gremium ohne Diskussion vorgestellt und den Räten eine Frist für Anregungen gegeben, wobei er für jede Veränderung einen Ausgleichsvorschlag einforderte. "Die Frist war ziemlich kurz", gestand der Finanzchef zu. Jörg Buckle (CDU) und Wolfgang Treß (FW) fragten, ob Planansätze für Projekte, die realistischerweise 2018 nicht mehr umgesetzt werden könnten, tatsächlich in voller Höhe in den Haushalt eingestellt werden müssten. Das sei kein "aufgeblähter Haushalt" erläuterten Sonntag und Lasser, dass für die Haushaltsgenehmigung durch die Kommunalaufsicht sich eine Projektfinanzierung im Haushalt niederschlagen müsse. Mehrheitlich billigte das Gremium einen Sparantrag von Treß, wonach für die Friedhofssanierung 2018 nur 20 000 Euro eingestellt werden und für die Kanalsanierung statt 200 000 Euro nur 190 000 Euro, sodass man in diesem Jahr 30 000 Euro kompensiert, die durch die abgelehnten Steuererhöhungen im Haushalt fehlen. Mehrheitlich wurden übrigens 6000 Euro für eine Klausurtagung im Haushaltsplan belassen.