Es war wieder eine lange Gemeinderatssitzung in Illmensee, aber der Anlass, nämlich die erste Beratung über den Haushalt 2017, rechtfertigte die Marathonsitzung. Für die Ratsmitglieder war es eine Herausforderung, dass sie ohne vorherige Beratung über das Zahlenwerk entscheiden sollten. Die Zeit drängt natürlich, denn in wenigen Wochen ist das erste Halbjahr vorbei und die Kommune hat keinen rechtsgültigen Haushaltsplan. Die Gesprächsatmosphäre war, bis auf einige Ausreißer, wohltuend sachlich und dem Ernst der finanziellen Lage der Gemeinde geschuldet. Die Finanzklemme ist den Räten sehr wohl bewusst und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie versuchen für ihre Gemeinde und Bürger das Beste aus der Situation zu machen. Es wird buchstäblich um jeden Euro gerungen, was besonders bei den Wünschen der Feuerwehr deutlich wurde. Die Gemeinderäte wissen um die Aufgaben der Einsatzkräfte, die ihren Dienst bekanntlich freiwillig erledigen und umso schwerer fällt es, der engagierten Truppe manchen Wunsch zu versagen. Es ist das Verdienst von Aushilfskämmerer Robert Erath, dass die Haushaltssitzung so konstruktiv und sachorientiert verlaufen ist. Der in vier Jahrzehnten Kommunalpolitik gestählte Erath beeindruckt wie schon an seiner alten Wirkungsstätte im Rathaus Wald mit seiner direkten, offenen und ehrlichen Argumentation. Selbstkritisch räumt er auch Fehler ein, unterbreitet konstruktive Lösungsvorschläge, redet Klartext und widerspricht den Ratsmitgliedern ebenso wie Bürgermeister Hoffmann. Der Ruheständler scheut sich einfach nicht, dem Gegenüber auch mal die Leviten zu lesen, ohne persönlich zu werden. Seine jahrzehntelange Erfahrung verschafft Erath im Gremium einen Vertrauensvorschuss, den er mit seiner offenen und ehrlichen Vorgehensweise rechtfertigt. Die Ratsmitglieder quotieren diesen Umgang auf Augenhöhe und deshalb entzünden sich an Banalitäten auch keine erhitzten Generaldebatten. Der Blick aller Beteiligten muss zum Wohl der Gemeinde in die Zukunft gerichtet sein und da helfen rückwärtsgewandte und auf Paragrafen fußende Gesprächsbeiträge nicht weiter, oder?