Tobias aus der Nähe von Leutkirch kommt schon seit vielen Jahren nach Ruschweiler. Hier gefällt es ihm sehr gut, erzählt er. Die Betreuer hat er ins Herz geschlossen. Mittlerweile bringt er seine Freundin mit, wenn er in der Gemeinde Illmensee ein paar Tage Urlaub von Daheim macht. Er hat Karin untergehakt und hilft ihr liebevoll beim Einsteigen in den Bus. Dann verstaut er noch die Klappbox. Denn vor dem Mittagessen soll es zusammen mit Betreuerin Gabi Frey zum Einkaufen nach Wilhelmsdorf gehen. Schon allein solche Kurzfahrten sind eine kleine Besonderheit für die Gäste.

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Zwölf Einzelzimmer und elf Pflegekräfte

Auf dem Saatkornhof, früher einmal ein Bauernhof, können Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung Ferien machen. Er ist wie ein kleines Hotel, in dem die Gäste einer mehr oder weniger intensiven Betreuung bedürfen. „Es stehen zwölf Plätze zur Verfügung. Wir haben zwölf Einzelzimmer, auf Wunsch können aber auch zwei Zimmer doppelt belegt werden, wenn zum Beispiel ein Paar zu uns kommt“, erzählt Bertram Rist. Der Heilpädagoge leitet den Saatkornhof seit 1997, seine Nachfolgerin Christine Türk wird diese Aufgabe bald übernehmen. Betreut werden die Gäste von elf Mitarbeitern, darunter sind vor allem Heilerziehungspfleger, aber auch Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Altenpfleger.

80 Prozent der Gäste kommen regelmäßig

Durchschnittlich bleiben die Gäste zehn bis zwölf Tage, erklärt Bertram Rist weiter. Viele seien Stammgäste. „80 Prozent kommen alle Jahre wieder oder sogar mehrmals im Jahr.“ Sie und ihre Angehörigen schätzten die familiäre Atmosphäre und das Freizeitangebot mit Ausflügen in die Region sowie Besuchen im Kino, Café oder Thermalbad. Abends werde gemeinsam gegrillt, gespielt, musiziert oder ferngesehen.

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Von drei bis 80 Jahren: Alle Altersgruppen sind vertreten

Der Tagessatz auf dem Saatkornhof liegt laut Rist bei 221 Euro. Finanziert werde der Aufenthalt über die Pflegekasse. Eine ärztliche Überweisung sei nicht nötig. Pflegende Angehörige haben eine Anspruch auf Entlastung. Für 56 Tage im Jahr stehen Eltern 1612 Euro von der Pflegeversicherung zur Verfügung, die Restkosten übernehmen die Landratsämter im Rahmen der Eingliederungshilfe. „Unser jüngster Gast war drei Jahre alt, der älteste über 80“, erzählt Rist.

Mehrzahl der Gäste kommt aus den umliegenden Landkreisen

„In der Ferienzeit haben wir viele Jugendliche bei uns, außerhalb der Ferien sind es in erster Linie Erwachsene.“ Die Nachfrage sei sehr gut. „In der Ferienzeit könnten wir die Zimmer doppelt bis dreifach belegen, dann gibt es eine Warteliste.“ Der Großteil der Gäste komme aus den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis. Aber auch aus Freiburg, Heidelberg, Stuttgart und vereinzelt sogar aus anderen Bundesländern seien schon Menschen angereist. „Wir hatten auch schon einen Gast aus Flensburg.“

Oberschwäbische Werkstätten für Behinderte als Träger des Saatkornhofs

Die Einrichtung gibt es bereits seit 1982. Gründer waren zwei Ehepaare, die bei der Lebenshilfe in Stuttgart arbeiteten. Seit dem Jahr 2003 sind die Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte (OWB) Träger des Saatkornhofs. Das Haus ist barrierefrei und behindertengerecht. Die Küche ist so gestaltet, dass Rollstuhlfahrer an die Arbeitsplatten heranfahren und beim Vorbereiten der Speisen helfen können. Jeder wird entsprechend seiner Möglichkeiten in die Aktivitäten einbezogen, erzählt Rist.

Freude über neuen Bus mit neun Sitzplätzen

Eine besondere Attraktion seien die beiden Therapiepferde. Das Reiten auf Hanni und Maja gehöre zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Seit Kurzem gibt es auf dem Saatkornhof einen zweiten Bus. Die Freude darüber ist groß: „Er wurde von der Aktion Mensch teilfinanziert und ermöglicht uns, mit allen Gästen gemeinsame Ausflüge zu unternehmen“, sagt der Leiter. Diese führen zum Beispiel an den Bodensee, ins Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf, zum Affenberg Salem oder in den Seepark nach Pfullendorf. Am Illmensee wird gebadet, Tretboot gefahren oder Minigolf gespielt.