Haben Sie das neue Narrenrat-Häs schon anprobiert?

Die Uniform – es ist die eines schwedischen Hauptmanns – wird gerade geschneidert. Beim Hut- und Schuhmacher war ich auch schon.

Wie sind Sie denn zu den Wasserspuckern gekommen?

Ich bin in Illmensee aufgewachsen und wohne noch immer hier. Meine Eltern sind früher mit mir zum Kinderball, zum Narrenbaumstellen und zum Umzug. Nachdem der Seeteufel als neues Häs für die Jüngeren eingeführt wurde, bin ich vor fünf Jahren in den Narrenverein eingetreten. Besondere Aufgaben im Verein habe ich bislang – einmal abgesehen von der Moderation der Bürgerballe – keine übernommen.

Hat der Verein angefragt, ob Sie Interesse am Zunftmeister-Amt haben?

Als Michael Reichle in den Bürgermeister-Wahlkampf ging, war ihm die Nachfolge-Regelung ein wichtiges Anliegen und er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Zunftmeister zu kandidieren. Da habe ich zugesagt, denn ich habe seine Bürgermeister-Bewerbung sehr befürwortet.

Was kommt an Aufgaben auf Sie zu?

Wir haben rund elf Präsidiumssitzungen im Jahr, die muss ich leiten. Darin legen wir zum Beispiel fest, an welchen Auswärts-Umzügen wir teilnehmen. Ich darf die Wasserspucker in Zukunft bei den Zunftmeisterempfängen repräsentieren. Da kommt so manche Rede auf mich zu. Eine der ersten ist am 6. Januar, wenn wir den Wasserspucker aus dem Illmensee holen und die neuen Wasserspucker taufen.

Haben Sie Bammel vor den sprichwörtlich großen Fußstapfen, die Michael Reichle, der ab 2. Januar 2020 als neu gewählter Bürgermeister im Amt sein wird, hinterlässt?

Ich bin mir bewusst, dass ich in große Fußstapfen trete und ich bin froh, wenn es im ersten Jahr erst einmal so weiterläuft, wie bisher. Das Gute: Ich weiß, dass ich mich auf das Vorstandsteam verlassen kann. Wir sind eine gute Mischung aus neuen, jungen und erfahrenen Leuten. Das ist enorm wichtig. Im Gegensatz zum Rathaus verläuft die Einarbeitung und Amtsübergabe an mich und den neu gewählten Vize Martin Schlegel übrigens geregelt. Michael Reichle hat uns seine Unterstützung zugesagt.

Ist Michael Reichle ein Vorbild für Sie?

Ja, auf jeden Fall. Er hat es geschafft, alle Altersgruppen mitzunehmen. Er hat keine Gruppe bevorzugt, alle fühlten sich von ihm gehört. Auch 2016, als die Narren auf den Rathaussturm verzichteten, hat er in der kritischen Situation die richtigen Worte gefunden und nichts unter den Tisch gekehrt.

Wie wichtig ist Ihnen die Dorffasnet?

Ich freue mich das ganze Jahr darauf. Sie stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Dorfgemeinschaft. Es würde etwas fehlen, gäbe es die Traditionen nicht: das Wecken, die Befreiung der Schüler und Kindergartenkinder, das Narrenbaumstellen… Auch die Kürbisnacht, die vom Narrenverein alle zwei Jahre außerhalb der Fasnet veranstaltet wird, halte ich für wichtig. Sie wird sehr gut angenommen.

Für das Programm der Bürgerbälle hat Jürgen Lasser, der abgewählte Bürgermeister, so manche Steilvorlage geliefert. Was beschäftigt aktuell die Gemüter der Narren?

Es kursiert das Gerücht: In Illmensee hat man als Narrenpräsident gute Chancen, Bürgermeister zu werden. Die Wasserspucker quasi als Sprungbrett ins Rathaus.

Michael Reichle hat angekündigt, er wolle zwei Amtsperioden Bürgermeister bleiben. Steht 2036 dann Ihr Name auf dem Wahlzettel?

Kommunalpolitisch habe ich keine Ambitionen. Aber wer weiß, was in 16 Jahren ist. (Lacht)

Gibt es Gnade für Reichle am Schmotzigen Dunstig? Genießt er den Bonus des alten ‚Präse‘?

Nein, wir werden das Rathaus stürmen und den Schlüssel einfordern. Wir sind schon gespannt, ob wir von der Verwaltung dieses Mal etwas mehr gefordert werden.

Fragen: Kirsten Johanson