Illmensee hat einen neuen Bürgermeister. Eine deutliche Mehrheit – 48,7 Prozent – sprach sich am Sonntag für Michael Reichle aus. Reichle erhielt 578 von 1187 gültigen Stimmen, ein Plus von 69 Stimmen gegenüber dem ersten Wahlgang am 6. Oktober.

Jürgen Lasser kommt nicht in Drei-Seen-Halle

Von den ursprünglich sieben Kandidaten waren nach dem Rückzug von Karin Kneissler und Heidi Hug noch fünf Bewerber angetreten, wobei Dauerkandidat Samuel Speitelsbach null Stimmen erhielt. 291 Stimmen entfielen auf Wolfgang Treß, 281 wählten Andreas Lipp. Jürgen Lasser büßte 52 Stimmen ein und lag mit 38 Stimmen deutlich hinten.

Wie bereits zur Ergebnisbekanntgabe am 6. Oktober nach dem ersten Wahlgang herrschte nach dem zweiten Wahlgang am 20. Oktober großer Andrang in der Drei-Seen-Halle.
Wie bereits zur Ergebnisbekanntgabe am 6. Oktober nach dem ersten Wahlgang herrschte nach dem zweiten Wahlgang am 20. Oktober großer Andrang in der Drei-Seen-Halle. | Bild: Johanson, Kirsten

Der Noch-Amtsinhaber war am Sonntag nicht in der Halle erschienen. Somit blieb ihm der Anblick des Banners „Lasser-Zeit nun vorbei – Illmensee ist wieder frei“ ebenso erspart wie das „One Way Ticket“, das ihm Patrick Großmann und Herbert Madach überreichen wollten.

Herbert Madach (links) und Patrick Großmann wollten dem abgewählten Bürgermeister Jürgen Lasser ein „One Way Ticket“ übergeben, doch der war am Sonntag nicht in die Halle gekommen.
Herbert Madach (links) und Patrick Großmann wollten dem abgewählten Bürgermeister Jürgen Lasser ein „One Way Ticket“ übergeben, doch der war am Sonntag nicht in die Halle gekommen. | Bild: Johanson, Kirsten

Erleichterung nach Verkündung des Ergebnisses

Als der Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses, Markus Felgendreher, kurz nach 19 Uhr das Ergebnis bekannt gab, fiel die Anspannung von Michael Reichle sichtbar ab. Denn schnell war klar, dass ihm 578 Stimmen zum Sieg reichen würden.

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Mit kräftigem Beifall nahmen die Bürger die Worte Felgendrehers zur Kenntnis und nach dem offiziellen Teil schien die Schlange derer, die Reichle zum Wahlsieg gratulieren wollten, kein Ende zu nehmen.

„Illmensee hat es verdient, dass wieder Ruhe einkehrt.“
Heinrich Stengele, Heiligenberg

Hans-Peter Kleemann vom Höchsten sagte: „Das Ergebnis ist wichtig auch in Bezug auf die Außenwirkung der Gemeinde. Es wäre schön, wenn Illmensee wieder in einem positiven Licht erscheint.“

„Es ist wichtig, dass die Ketten gesprengt sind und alle wieder eine Perspektive sehen.“Hans-Peter Kleemann, Höchsten
„Es ist wichtig, dass die Ketten gesprengt sind und alle wieder eine Perspektive sehen.“Hans-Peter Kleemann, Höchsten | Bild: Johanson, Kirsten

Auch Claudia Blum aus Illmensee erhofft sich für die Zukunft positive Schlagzeilen über Illmensee und dass wieder mehr Harmonie zwischen Bürgermeister und Gemeinderat herrscht. Manfred Hornstein aus Heiligenberg antwortete auf die Frage, welche Erwartungen er an einen Bürgermeister stelle: „Er sollte auf die Bürger zugehen, sie anhören und mit ihnen ins Gespräch kommen.“ Alfred Rock aus Oberhaslach sagte: „Ich wünsche dem Bürgermeister, dass es ihm gelingt, die Illmenseer wieder zusammenzubringen.“

„Ich wünsche den Illmenseern, dass sie wieder Spaß an der Kommunalpolitik haben.“Alfred Rock, Oberhaslach
„Ich wünsche den Illmenseern, dass sie wieder Spaß an der Kommunalpolitik haben.“Alfred Rock, Oberhaslach | Bild: Johanson, Kirsten

Für Michael Reichle geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung

Dass sich Illmensee für einen „Heimatbürgermeister“ entschieden habe, sei ein überragendes Gefühl, sagte Reichle in seiner Ansprache als neu gewähltes Gemeindeoberhaupt. Für ihn gehe ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. „Es ist sehr bewegend“, so der 49-Jährige.

Michael Reichle bedankt sich bei den Wählern für das Vertrauen. Der Musikverein Illmensee umrahmte den Abend mit Musik.
Michael Reichle bedankt sich bei den Wählern für das Vertrauen. Der Musikverein Illmensee umrahmte den Abend mit Musik. | Bild: Johanson, Kirsten

Die zurückliegenden Wochen seien anstrengend und angefüllt mit neuen Eindrücken gewesen. Vor allem die Haustürgespräche und die enorme Gastfreundschaft habe er als wertvoll empfunden. „Genau diese Erlebnisse haben mir die Kraft gegeben. Wir hatten eine tolle Zahl an Kandidaten, vielen Dank für den außerordentlich fairen Wahlkampf.“

Blick nach vorn

Bürgermeisterstellvertreterin Kathrin Hecht stellte in ihrem Grußwort fest: „Es ist beeindruckend und schön zu sehen, wie viele Bürger zur Ergebnisverkündung erschienen sind.“ Das sei ein gutes Zeichen und gleichsam ein Geschenk für den neuen Bürgermeister. Nun gelte es, den Blick nach vorne zu richten.

„Es ist beeindruckend und schön zu sehen, wie viele Bürger zur Ergebnisverkündung erschienen sind.“ – Kathrin Hecht, Illmensee
„Es ist beeindruckend und schön zu sehen, wie viele Bürger zur Ergebnisverkündung erschienen sind.“ – Kathrin Hecht, Illmensee | Bild: SK

Ein gutes Miteinander bedinge jedoch, dass „alle einen ordentlichen Umgangsstil bewahren und den Menschen nicht aus dem Auge verlieren“. Hecht dankte schließlich allen Bewerbern: „Die große Auswahl ehrt Illmensee.“

Freude über hohe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung war mit 70,4 Prozent unwesentlich geringer als beim ersten Wahlgang. „Darüber bin ich dankbar“, sagte Landrätin Stefanie Bürkle. „Das ist Demokratie in bester Weise gelebt.“ Sie freue sich auf eine gute Zusammenarbeit.

Neben der Landrätin waren am Sonntag auch zahlreiche Ortsvorsteher und Bürgermeister aus dem Umland in die Drei-Seen-Halle gekommen, um ihrem neuen Kollegen zu gratulieren. Der Musikverein Illmensee sorgte für Unterhaltung und der frisch gewählte Bürgermeister spendierte Freigetränke.