Die Gemeinde Hohentengen, auf deren Gemarkung das frühere Militärgelände liegt, hat auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. Das teilt Ehoch4-Geschäftsführer Jürgen Gaugel dem SÜDKURIER mit. Hohentengens Bürgermeister Peter Rainer bestätigt das. Grund dafür sei etwa eine Klausel im Vertrag vom Juli, demzufolge Gaugel die Verhandlungen mit dem Land zwecks Polizeischule hätte fortführen können – da habe die Gemeinde nicht dazwischen funken wollen. Um wen es sich bei dem Investor handelt, lässt Gaugel offen. Bürgermeister Rainer hat nach eigener Aussage den Kontakt zum Investor gesucht, aber nur ausweichende Informationen erhalten – Weiterführendes gebe es nach Vertragsschluss.

In kurzer Zeit hat das Areal eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Jahr 2012 hat die Bundeswehr die Oberschwabenkaserne aufgegeben, mit den Plänen von Jürgen Gaugel sollte das Gelände attraktiv genutzt werden. Doch zwischenzeitlich haben sich die Verhältnisse negativ verändert. Auslöser waren laut Jürgen Gaugel die Planungen für eine zeitweilige Unterbringung von Flüchtlingen in einem Teil der Unterkunftsgebäude. Das bestätigt Bürgermeister Rainer: Trotz vereinbartem Kompromiss über eine Gemeinschaftsunterkunft mit bis zu 120 Flüchtlingen sei es nie zum Vertrag gekommen, die Absprachen mit dem Regierungspräsidium seitens Gaugel seien undurchsichtig gewesen. Gaugel wiederum benennt auch die Ansiedlung eines Gewerbetreibenden als Konfliktpunkt.

Den Bruch der beiden Parteien verursachte laut Gaugel eine Strafanzeige der Gemeinde, in der Gaugel Veruntreuung vorgeworfen wurde. Nach einer Prüfung stellte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren ein. Wie Bürgermeister Rainer auf Nachfrage des SÜDKURIER mitteilt, wurde die darauffolgende Beschwerde der Gemeinde zurückgewiesen. „Obwohl wir die rechtliche Einschätzung nicht teilen konnten, hat der Gemeinderat entschieden, keine weiteren rechtlichen Schritte mehr zu unternehmen“, teilt Rainer nun mit. Die Partner von Ehoch4 haben laut Gaugel teils mit einer Distanzierung auf die Strafanzeige reagiert.

Im Dezember 2016 hatte sich Jürgen Gaugel noch zuversichtlich geäußert: „Wir müssen die Dinge neu sortieren und die nächsten Schritte entsprechend planen. Klar ist aber, dass wir Eigentümer des Geländes sind und somit auch letztendlich entscheiden, was passiert." Diese Entscheidung ist nun gefallen. Ein Weggefährte Gaugels, Johannes Heinzler, ist der Meinung, dass Gaugel mit der Anzeige seitens der Gemeinde die notwendigen Grundlagen zur Projektfortführung entzogen wurden. Heinzler ist ein örtlicher Unternehmer und ehemaliger Bürgermeister von Aulendorf. Hohentengens Bürgermeister Peter Rainer bedauert die Entwicklung: "Wir haben wirklich versucht, das Projekt zu unterstützen."

Gespräche mit Land abgebrochen

In der aktuellen Diskussion um die Reform der Polizeistruktur in Baden-Württemberg haben Jürgen Gaugel und Johannes Heinzler die Landesregierung nach eigener Aussage kontaktiert und das Gelände zum Kauf angeboten. Bürgermeister Rainer habe ein einziges Mal mit ihm diesbezüglich gesprochen und dabei von einem Gespräch mit Landesinnenminister Thomas Strobl berichtet, sagt Gaugel. Mehrfach haben ihm zufolge verschieden zusammengesetzte Kommissionen die Liegenschaft besucht und festgestellt, dass diese für eine Ausbildungseinrichtung der Polizei geradezu ideal wäre. Auf das Angebot des Landes, das Gelände für die Dauer von fünf bis maximal zehn Jahren zu mieten, ging Gaugel demnach nicht ein. Sein Preisangebot zum Kauf sei von den Gesprächspartnern im Innenministerium als seriös und fair eingestuft worden. Die genaue Kaufsumme, möchte er aber nicht nennen. Da von Seiten des Landes bis zum vereinbarten Zeitpunkt keine Antwort gekommen sei, habe Gaugel am 13. Oktober weitere Verhandlungen abgesagt.