Das Dorv-Projekt und der Wunsch der Großschönacher nach einem Nahversorger beschäftigt die Gemeinde schon seit gut drei Jahren. Nun stehen verschiedene Modelle im Raum, von denen einige nach der Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht realisierbar sind. Die Fühler werden aber in alle Richtungen ausgestreckt. Über den Stand informierte Carlo Hilgers vom Arbeitskreis Dorfladen im Gemeinderat am Dienstag. Dem Team gehören mittlerweile 13 Personen in verschiedenen Arbeitsgruppen an. Demnächst wird eine Gruppe einen Selbstbedienungsladen „Tante M“ besichtigen. In einem solchen SB-Laden kann der Kunde an sieben Tagen rund um die Uhr einkaufen. Bezahlt wird an der Self-Check-Out Kasse.

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Arbeitskreis führte viele Gespräche

Der Arbeitskreis führte in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche mit potenziellen Fremd-Betreibern aus der Lebensmittelbranche, erkundigte sich bei Lebensmittelgroßhändlern, machte sich schlau, nach welchen Modellen andere Gemeinden ihre Dorfläden führen und informierte sich über Alternativen. In Eigeltingen gibt es beispielsweise einen Landmetzger, der einen Container aufgestellt hat und seine Waren dort verkauft. „Wir könnten beim Huber-Areal zwischen Groß- und Kleinschönach einen solchen Container aufstellen.“ Die Anschaffung eines solchen Containers kostet nach Auskunft Hilgers je nach Firma zwischen 500 und 1600 Euro pro Quadratmeter. Ganz ohne Personal funktioniert hingegen ein Verkaufsautomat. „Wir sind an dem Thema dran“, so Hilgers. „Es laufen Gespräche mit Landwirten, Bäckern und Metzgern, die Interesse signalisiert haben, den Automaten zu bestücken.“ Gemeinderat Robert Streicher bedauert, dass bei der Automatenlösung das Zwischenmenschliche auf der Strecke bleiben würde.

Ideal eines Dorfladens wird es nicht geben

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Doch das Ideal eines Dorfladens wird es in Großschönach wohl nicht geben. Wie Hilgers ausführte, schwebte den Bürgern am Anfang ein Treffpunkt zum Einkaufen vor, ein Dorfladen verbunden mit Dienstleistungsangeboten und sogar einem kleinen Café. Ende 2019 wurde eine erste Umfrage gestartet, um den Bedarf auch zahlenmäßig auszuloten: In Klein- und Großschönach, Hügelhof und Stockfeld wurden 690 Fragebögen verteilt. „Wir hatten einen Rücklauf von 40 Prozent, also 278 Haushalten. Davon würden 169 im Dorfladen einkaufen“, so Hilgers. Gewünscht werden regionale Produkte wie Obst, Gemüse, Backwaren, Bio-Lebensmittel und Molkereierzeugnisse. Im Rahmen einer zweiten Erhebung wurden dann im Juni 260 Haushalte in den Nachbarorten Taisersdorf und Hattenweiler befragt. Hier lag der Rücklauf bei knapp 28 Prozent. 45 Haushalte gaben an, sie würden im Dorfladen in Großschönach einkaufen, weitere 21 unter Vorbehalt.

Einkaufsverhalten müsste sich ändern

Carlo Hilgers vom Arbeitskreis Dorfladen: „Ein Dorfladen kann kein Discounter sein. Hier geht es um die Wocheneinkäufe, nicht um die vergessene Flasche Milch oder fünf Brötchen.“
Carlo Hilgers vom Arbeitskreis Dorfladen: „Ein Dorfladen kann kein Discounter sein. Hier geht es um die Wocheneinkäufe, nicht um die vergessene Flasche Milch oder fünf Brötchen.“ | Bild: Johanson, Kirsten

Deutlich wurde, dass ein Dorfladen nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn sich auch das Einkaufsverhalten ändert. „Ein Dorfladen kann kein Discounter sein. Hier geht es um die Wocheneinkäufe, nicht um die vergessene Flasche Milch oder fünf Brötchen.“

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Alternative genossenschaftlicher Dorfladen

Weil sich ein rein betriebswirtschaftliches Modell nicht rechnet, kommt nur ein alternatives Finanzierungskonzept in Frage, in dem das Ehrenamt eine große Rolle spielt. Der genossenschaftliche Dorfladen in Rottenburg bei Tübingen werde zum Beispiel von einem Verein geführt. Jedes der 200 Vereinsmitglieder habe eine Einlage von mindestens 100 Euro getätigt, ohne die der Ladenstart nicht möglich gewesen wäre, erklärte Hilgers. Ladeneinrichtung, Kassen, Lager, Kühlraum, das koste gleich zwischen 50 000 und 70 000 Euro. In Wallhausen kümmern sich drei Festangestellte und 20 Ehrenamtliche darum, dass die Geschäfte laufen. Hier konnte der Dorfladen jedoch einen ehemaligen Spar-Markt beziehen und profitiert von den Bodensee-Touristen. Neben dem Aufstellen eines Verkaufsautomaten wurde schließlich noch die Etablierung eines Wochenmarkts aufs Tapet gebracht. „Wir hoffen, bis Ende November noch mal alle Möglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen vorzustellen und eine Lösung zu finden.“

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