Die Kampagne „Wir versorgen unser Land“ nahm vergangenen Donnerstag in Oberndorf ihren Vor-Ort-Auftakt. Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, besuchte den Biolandhof Kelly/Warnke. Linda Kelly ist eine von 20 Bauern und Genossenschaften, deren Konterfei auf Plakaten und Bannern abgebildet ist. Die 20 stehen stellvertretend für über 40 500 landwirtschaftliche Betriebe, Hofläden und Raiffeisenmärkte im Land.

Wert der Arbeit bewusst machen

Linda Kelly im Gespräch mit Landwirtschaftsminister Minister Peter Hauk.
Linda Kelly im Gespräch mit Landwirtschaftsminister Minister Peter Hauk. | Bild: Johanson, Kirsten

„Diese Kampagne wurde ins Leben gerufen, um gezielt die Menschen hervorzuheben, die täglich fur unsere vielfaltigen Lebensmittel ackern und einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“, betonte Hauk. Auch gelte es, das Selbstbewusstsein der Landwirte zu stärken. Es sei wichtig, der Bevölkerung vor Augen zu führen, dass Landwirte nicht nur für die Nahrungsmittelproduktion, sondern auch für Artenvielfalt und Landschaftserhalt unverzichtbar seien. „Informieren Sie die Verbraucher, machen Sie Ihnen den Wert Ihrer Arbeit bewusst“, so Hauk. Dafür sei ein gutes Marketing unerlässlich. In sozialen Medien präsent zu sein, könne zum Unternehmererfolg beitragen.

Image der Landwirtschaft leidet durch Missstände

Johanna Warnke im Gespräch mit Gerhard Gommeringer vom Landwirtschaftsamt aus Sigmaringen.
Johanna Warnke im Gespräch mit Gerhard Gommeringer vom Landwirtschaftsamt aus Sigmaringen. | Bild: Johanson, Kirsten

Worunter das Image der Landwirtschaft leidet, machte Gerhard Glaser, Kreisvorsitzender des Bauernverbands Biberach-Sigmaringen, deutlich: „Was zum Beispiel beim Fleischkonzern Tönnies abläuft, kostet Vertrauen, die Landwirtschaft wird dämonisiert und die Bevölkerung verunsichert.“

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Betrieb vor 13 Jahren auf ökologisch umgestellt

Eine sympathische Botschafterin für die Kampagne ist Linda Kelly mit Sicherheit. Mit ihren Eltern Josef und Johanna Warnke und ihrem Mann Michael bewirtschaftet sie in Oberndorf einen Hof, wobei Warnke und Kelly jeweils eigenständige Betriebe sind. Josef Warnke erklärte dem Minister, dass der Betrieb vor 13 Jahren von konventionell auf ökologisch umstellte. „Es war die richtige Entscheidung“, resümiert Warnke. Weg von Monokulturen und Spritzmitteln, hin zu Biosaatgut, Futter-Mist-Kooperationen und Vielfältigkeit der Kulturen. Auf dem Ackerland werden rund 15 verschiedene Kulturen von Weizen über Gerste und Hafer bis hin zu Sonnenblumen, Erbsen und Miscanthus angebaut. Zu den Besonderheiten gehören Mohn, Lein, Lupinen und Hanf. Letzterer wurde dieses Jahr zum ersten Mal kultiviert. Daraus wird Speiseöl gemacht. Lupinen und die Direktvermarktung der daraus hergestellten Produkte sind das Fachgebiet von Linda Kelly.

Viele Probleme brennen Bauern unter den Nägeln

„Unsere Bauern und Genossenschaften im Land sorgen täglich für unsere Ernährung“, sagt Minister Peter Hauk (rechts), links neben ihm Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen.
„Unsere Bauern und Genossenschaften im Land sorgen täglich für unsere Ernährung“, sagt Minister Peter Hauk (rechts), links neben ihm Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen. | Bild: Johanson, Kirsten

Die Anwesenheit von Minister Hauk, von Martin Hahn (Landtagsabgeordneter und agrarpolitischer Sprecher der Grüne), Klaus Burger (CDU-Landtagsabgeordneter), Gerhard Gommeringer (Leiter des Landwirtschaftsamtes Sigmaringen), Karl-Heinz Mayer (Kreisvorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands, BLHV) und Gerhard Glaser (Vorsitzender des Bauernverbandes Biberach-Sigmaringen) nutzte Familie Warnke-Kelly, um auf Probleme aufmerksam zu machen, die Landwirten unter den Nägeln brennen. Von Absatzschwierigkeiten, niedrigen Erzeugerpreisen und einem Überangebot auf dem Markt bis hin zu einer unbefriedigenden Work-Life-Balance. „Die Phasen, in denen wir uns erholen können, sind knapp bemessen, doch wir brauchen gesunde Landwirte“, so Linda Kelly.

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