Es gibt sie noch, die Geschäftszweige, die auch in Zeiten der Corona-Krise boomen. Ein Beispiel sind die Dorf- und Hofläden. Direkt vor Ort einkaufen ohne lange Wege in die Stadt, mit einem überschaubaren Sortiment und ohne Menschenansammlungen, das genießen derzeit auch die Kunden in Herdwangen-Schönach. Der SÜDKURIER traf im Dorfladen Rokweiler in Herdwangen und im „Marktlädele“ in Egg auf zufriedene Gesichter.

Kunden halten diszipliniert Abstand

Bunte Geranien und grüne Setzlinge vor der Türe – beim Dorfladen Rokweiler kommt schon vor dem Betreten des Verkaufsraums Frühlingsstimmung auf. Diese wird auch von den vielen Schildern mit Hygiene- und Abstandsvorschriften nicht getrübt. Am Eingang findet sich neben dem Lupinenkaffee, der direkt aus dem Ort vom Biolandhof von Linda Kelly stammt, eine Kiste mit Einweghandschuhen. Die Kunden, die an diesem Donnerstagnachmittag im Laden einkaufen, haben meist jedoch meist schon selbst mit Handschuhen vorgesorgt. Diszipliniert wird Abstand gehalten voneinander.

Freundliche Atmosphäre zieht Kunden an

„Bei uns ist deutlich mehr los als sonst“, freut sich Chefin Birgit Rokweiler darüber, dass derzeit so viele Kunden den Weg in den Dorfladen finden. Die Gründe dafür seien vielfältig. Zum einen schätzten die Kunden die kurzen Wege, das Einkaufen direkt im Ort. So geht es etwa Silke Amann, für die es nur ein Katzensprung zum Laden ist. Für sie steht jedoch nicht nur dieser Aspekt, sondern auch die freundliche, Atmosphäre im kleinen Laden im Vordergrund. „Ich habe beim Team hier noch nie schlechte Laune erlebt“, berichtet sie dem SÜDKURIER.

Birgit Rokweiler bezieht Lebensmittel und Waren für den Dorfladen in Herdwangen direkt aus der Region.
Birgit Rokweiler bezieht Lebensmittel und Waren für den Dorfladen in Herdwangen direkt aus der Region. | Bild: Stefanie Lorenz

„Viele Kunden kommen, weil sie bei uns regionale Produkte bekommen“, erläutert Birgit Rokweiler. Spargel vom Hofgut Möking aus Uhldingen-Mühlhofen, Mehl von der Knaus-Mühle aus Bittelschieß und Grillfleisch der Metzgerei Knoll aus Meßkirch sind Beispiele dafür, wie der Dorfladen Produkte der regionalen Anbieter vermarktet. Neben Lebensmitteln werden auch unter anderem Drogerie- und Hygieneartikel, Kinderspielsachen und Zeitschriften angeboten – natürlich nicht von dutzenden Herstellern wie im Discounter.

Mundschutzmasken sind gefragt

„Unsere Kunden wollen das Überschaubare, sie brauchen keine 20 Zahnpasta-Sorten zur Auswahl“, sagt Birgit Rokweiler. Nachdem zunächst natürlich Mehl, Hefe und Klopapier sehr begehrt waren, sind es jetzt die bunten Mundschutzmasken, die bei den Kunden großen Anklang finden, wie Birgit Rokweiler verrät. Auch sie sind ein heimisches Produkt, denn gestaltet und genäht werden sie von Myriam Endres aus Herdwangen.

Lieferanten halten die Treue

„Solche Zahlen wie jetzt haben wir noch nicht geschrieben“, freut sich Robert Streicher von „Eggs Marktädele“. Auch als manche Waren knapp waren, wie vor einiger Zeit der Spargel, konnte er sich auf seine Lieferanten, unter anderem von der Reichenau, aus der Pfalz und vom Kaiserstuhl, verlassen. „Das sind jahrelange Geschäftsbeziehungen, die wir immer gut gepflegt haben“, betont er.

Das könnte Sie auch interessieren

Immer nur zwei Leute gleichzeitig dürfen im Marktlädele einkaufen, die anderen warten mit viel Abstand zueinander vor der Türe. „Die meisten akzeptieren das ohne Probleme. Es muss ja jedem bewusst sein, dass er sich anstecken kann, wenn er die Vorschriften nicht einhält“, sagt Streicher.

Selbstbedienung geht nicht mehr

Selbstbedienung ist im Laden nicht mehr erlaubt und es gibt keinen Handkontakt von den Verkäufern mit den Kunden. „Derzeit wird sehr bewusst eingekauft. Viel Obst und Gemüse“, schildert der Ladenbesitzer. Nicht nur der Gesundheit zuliebe, meint er, sondern auch, weil generell wieder mehr gekocht werde, wenn die Leute zuhause sind. „Die Töpfe dampfen wieder“, freut sich Robert Streicher. Der Egger verkauft die Produkte auch auf einigen Wochenmärkten, wie in Spaichingen, Winterlingen und Heiligenberg.

Es brummt im Marktlädele

Zu Beginn der Krise war der Ansturm auf Eier, Kartoffeln und Nudel groß, berichtet Streicher. Nun habe sich die Nachfrage weitgehend normalisiert, sämtliche Produkte seien gefragt. „Es brummt bei uns“, freut sich Robert Streicher über seine treue Kundschaft im Marktlädele in Egg.

 

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.