Herr Gerster, 2020 neigt sich dem Ende zu. Wie schwierig war das Jahr für die Gemeinde Herdwangen-Schönach?

Es war ein Jahr mit vielen Sorgen, vor allem um die Gesundheit unserer Bürger. Corona hat uns alle schwer beschäftigt – sowohl die Verwaltung, als auch den Gemeinderat. Durch die Pandemie war die Zusammenarbeit der Verwaltung mit den Schulen und Kindergärten noch intensiver als sonst. Während der Lockdowns ging es darum, die Notbetreuung auf die Beine zu stellen.

Sie hatten sich dafür entschieden, das Rathaus während der Corona-Krise zunächst für die Bürger offen zu halten. Nun mussten Sie es doch schließen?

Das war in unserer Einrichtung zunächst auch während des Teil-Lockdowns gut machbar. Natürlich galten die Hygienevorschriften. Aufgrund des steigenden Infektionsgeschehens haben wir uns jetzt allerdings im Winter-Lockdown für die Schließung entschieden. Die Mitarbeiter stehen, sofern sie nicht im Weihnachtsurlaub sind, für Termine zur Verfügung. Diese müssen aber vorher telefonisch beziehungsweise per Mail vereinbart werden.

Wie hat sich das Infektionsgeschehen in der Gemeinde generell über das Jahr hinweg entwickelt?

Wir hatten während der ersten Corona-Welle vier Infizierte. Die Zahlen in der zweiten Welle sind höher. Leider hat sich meine größte Angst jetzt bewahrheitet: In der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach wurden Coronafälle festgestellt. Vier Bewohner und ein Betreuer haben sich letztendlich infiziert.

Wie geht die Dorfgemeinschaft damit um?

Wir stehen seit Frühjahr in unregelmäßigem Abstand und je nach aktueller Lage ständig im Austausch mit der Dorfgemeinschaft. Der Vorstand hat uns sofort informiert und wir haben gemeinsam eine Pressemitteilung initiiert, um Gerüchten vorzubeugen und die Fakten offenzulegen. Die Zusammenarbeit funktioniert wunderbar, auch die Heimaufsicht und das Gesundheitsamt sind mit im Boot. Die Lautenbacher hatten vorausschauend ganz klare Handlungskonzepte erarbeitet. Seitens des Vorstands wurde hier professionell gearbeitet.

Im September konnten die Gärtner in Lautenbach noch Äpfel ernten. Mit strikten Vorkehrungen war die Pandemie fern gehalten worden – Anfang Dezember traten dann leider doch Corona-Fälle auf.
Im September konnten die Gärtner in Lautenbach noch Äpfel ernten. Mit strikten Vorkehrungen war die Pandemie fern gehalten worden – Anfang Dezember traten dann leider doch Corona-Fälle auf. | Bild: Lorenz, Stefanie

Wie ist der Kontakt zu den Vereinen in dieser Zeit ohne persönliche Treffen, Feste und Veranstaltungen?

Wir hatten das ganze Jahr über mit den Vorsitzenden regen Kontakt, um die jeweils aktuelle Lage, etwa zum Sommerferienprogramm, welches nicht durchgeführt wurde, zum Sportbetrieb, dem Musikunterricht und Proben, der Öffnung der Bücherei oder dem Probenbetrieb der Feuerwehr sowie die damit erforderlichen Hygienekonzepte, gemeinsam zu erläutern. Man war immer im Kontakt, nur halt anders – telefonisch oder digital. Aufgrund der aktuellen Situation haben wir darauf verzichtet, einen Veranstaltungskalender aufzulegen. Sollte sich die Situation drastisch ändern, können wir diesen immer noch auflegen.

Können Sie auch in der jetzigen Situation Ansprechpartner bleiben für die Gewerbetreibenden?

Als zu Anfang die Unsicherheit am Größten war, haben wir einen Brief an alle Gewerbetreibenden verschickt, um Informationen zu geben, an wen man sich wenden kann, wenn es beispielsweise um bestimmte Fördertöpfe oder besondere Notfallprogramme geht. Selbstverständlich war man auch mit dem ein oder anderen Unternehmer direkt in Kontakt, auch hier zumeist telefonisch oder elektronisch.

Trotz der Corona-Krise konnte das Projekt einer Seniorenwohnanlage auf dem ehemaligen Voglerhof-Gelände weitergeführt werden. Wie ist der Stand?

Die Bauträger verhandeln derzeit mit den Kaufinteressenten für die Wohnungen. Gleichzeitig wird der Kaufvertrag zwischen dem Bauträger und der Gemeinde ausgearbeitet. Das ist nicht ganz einfach, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen und auch für die Gemeinde eine gute Lösung hinzubekommen. Für die Gemeinschaftseinrichtung der Seniorenwohnanlage wurde der Bauantrag auf den Weg gebracht. Für die ambulante Hausgemeinschaft kommt ein neues Förderprogramm des Landes infrage. Darüber könnten wir einen Zuschuss von 600 000 Euro für die Hausgemeinschaft bekommen. Wir sind vom Stand her so weit, dass hoffentlich bald die Baugenehmigung kommen und dann eine zügige Umsetzung möglich sein wird. Hier gab es aufgrund von Vorschlägen des Bauträgers noch Änderungsbedarf, was zu den zeitlichen Verzögerungen führt. Den Betrieb der ambulanten Wohngemeinschaft übernimmt die Nachbarschaftshilfe. Hier sind wir in regelmäßigem Kontakt.

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Wie haben sich die Gewerbegebiete entwickelt?

Wir konnten die Erschließung der ersten beiden Bauabschnitte des Gewerbegebiets Branden mit der Schaffung der Linksabbiegespur an der L 195 abschließen – nach neun Jahren zähen Ringens mit den Behörden, Präsidien, Straßenbauämtern. Diese Ausdauer hat sich aber gelohnt. Die Linksabbiegespur ist eine große Aufwertung für unser Gewerbegebiet. In seiner letzten Sitzung in diesem Jahr hat der Gemeinderat die Planung für den dritten Bauabschnitt im Gewerbegebiet angestoßen. Im interkommunalen Gewerbegebiet Zweckverband Egelsee haben wir die Erschließungsplanung auf den Weg gebracht. Die Ausschreibung läuft derzeit. Dadurch können wir im kommenden Jahr auch dort Gewerbebauplätze zur Verfügung stellen.

Steht auch privater Baugrund in Herdwangen-Schönach zur Verfügung?

Wir sind jetzt in zwei Bebauungsplanverfahren, die wir im vergangenen Jahr angestoßen haben. Es entstehen Bauplätze zum einen im Gebiet „Öschle“ in Herdwangen, zum anderen im Gebiet „Nachtweide – 1. Erweiterung“ in Großschönach.

Im vergangenen Jahr gab es in der Gemeinde einige längerfristige Baustellen, wie etwa im Bereich der Hubmühle.

Aufgrund der Hydraulik schossen bei Starkregen immer wieder Kanaldeckel nach oben und das Wasser flutete die Straße. Das haben wir geändert durch den Einbau eines größeren Kanalabschnittes, indem wir die Hydraulik verbessert und einen Notüberlauf in den Bach geschaffen haben. Die Maßnahme hat etwas länger gedauert als geplant, das war den aufwendigen Schachtbauwerken geschuldet. Am Thema der Gefahrenbeseitigung bei Starkregen bleiben wir dran. Die nächsten Baustellen werden in der Burgstraße sowie das Pumpwerk in Lautenbach sein. Die Starkregengefahrenkarten sind trotz Corona in Bearbeitung und für den Bereich der Nachtweide/Sportplatz in Schönach sowie den Bereich Salen/Hohenfelsstraße werden Konzepte erstellt.

Trotz der Kälte, sind die Arbeiten um den Aftholderberger Kindergarten „Märchenland“ in vollem Gang. Für die Neugestaltung der Dorfmitte wurden zunächst Stellplätze entlang der Eulogiusstraße angelegt.
Trotz der Kälte, sind die Arbeiten um den Aftholderberger Kindergarten „Märchenland“ in vollem Gang. Für die Neugestaltung der Dorfmitte wurden zunächst Stellplätze entlang der Eulogiusstraße angelegt. | Bild: Lorenz, Stefanie

Viel Geld – rund 2,5 Millionen Euro – werden in den Ausbau der Breitbandversorgung gesteckt. Wird das ein Mammut-Projekt?

Für Herdwangen, Oberndorf und die dazugehörigen Weiler haben wir eine Erschließung für die Breitbandversorgung geplant. Erfreulicherweise haben wir den Zuschussbescheid über 80 Prozent der Kosten im November erhalten. Zielhorizont ist, dass im März die Ausschreibung für die Maßnahmen erfolgen soll und vielleicht schon im Herbst mit den ersten Erschließungsarbeiten begonnen werden kann.

Das neue Jahr beginnt ja leider wieder mit einer Absage: Der Neujahrsempfang findet nicht statt.

Das ist sehr schade, der Neujahrsempfang ist immer ein Highlight im Veranstaltungskalender der Gemeinde. Er sollte ja erstmals in der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach stattfinden, da diese im Jahr 2021 ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Die Absage ist jedoch unumgänglich angesichts der Corona-Krise.

Zum Abschluss: Welchen Wunsch haben Sie persönlich für 2021?

Mein Wunsch ist, dass die Bürger von Herdwangen-Schönach die Pandemie einigermaßen gut überstehen werden, dass diejenigen, die infiziert sind, einen milden Verlauf haben und dass wir keine schwereren Fälle beklagen müssen. Und dann hoffe ich, dass im kommenden Jahr wieder persönliche Begegnungen möglich sind. Auch wenn wir in einem digitalen Zeitalter leben, zeigt uns die Pandemie, wie wichtig soziale Kontakte sind.