1. Herr Gerster, in Ihrer Neujahrsansprache im Jahr 2018 haben Sie gesagt: „Wir werden auch 2019 in der Lage sein, große Projekte umzusetzen, weiterzuführen oder zu initiieren.“ War dem so? Welche Projekte haben die Gemeinde Herdwangen-Schönach am meisten beschäftigt?

Das Seniorenkonzept hat die nächste Stufe erreicht. Wir haben für die Seniorenwohnanlage mit den Firmen Löffler und Dreher einen Bauträger gefunden und der Nachbarschaftsverein Miteinander-Füreinander wird den Betrieb übernehmen. Im Dezember wurden die alten Gebäude auf dem Voglerhofareal abgerissen. Die Seniorenwohnanlage ist ein tolles Projekt und zu einem gewissen Grad auch außergewöhnlich: Wir haben Investoren aus der Gemeinde, einen regionalen Bauträger, einen ambulanten Dienst aus der Region und einen örtlichen Betreiber. Ich habe ein gutes Gefühl, was die zukünftige Belegung angeht. Ich führe regelmäßig Gespräche mit Interessenten. Die Genehmigungsplanung dürfte im kommenden Frühjahr auf dem Weg sein. Ein Baubeginn in 2020 wäre mir lieb. Ein weiteres großes Projekt war die Umsetzung des Nahwärmekonzepts für die Dorfmitte von Herdwangen. Dadurch sparen wir jährlich 144 Tonnen CO2 ein. Da wir uns für einen Contracting-Partner entschieden haben, sind für die Gemeinde so gut wie keine Kosten entstanden.

2. Herdwangen-Schönach gilt als ein beliebter Wohnort. Wo ist in Zukunft mit neuen Wohnbaugebieten im Ort zu rechnen?

Wir überplanen derzeit die Nachtweide in Großschönach und Öschle in Herdwangen, dort entstehen zwischen 20 und 25 Bauplätze. Bei beiden handelt es sich um Baugebietserweiterungen. Weiterhin in der Planung sind die Gebiete Salen im Ortsteil Herdwangen und Untere Letten in Großschönach. Diese stellen uns jedoch vor größere Herausforderungen im Bereich der Erschließung.

3. Nicht alle wollen heutzutage ein Haus mit Garten, sondern suchen eine Wohnung. Wie sieht es mit Geschosswohnungsbau aus?

In Salen und Unterer Letten ist das eingeplant. Aber es muss städtebaulich verträglich sein. Es muss passen, also kein großer Klotz zwischen Einfamilienhäusern.

4. Es gab 2019 mehrfach Überschwemmungen, unter anderem in Ebratsweiler und Großschönach. Was tut die Gemeinde dagegen?

Es wurde eine Starkregengefahrenkarte erstellt. Die Erkenntnisse daraus fließen in die zukünftigen Maßnahmen ein. Für Burg- und Dorfstraße, Sportplatz Großschönach und Hubenmühle sind Planungsaufträge vergeben, was die Optimierung der Kanalisation und Entwässerung betrifft. Die Durchlässe bei Ebratsweiler und im Branden sind erneuert. Die Oberflächenentwässerung der Kreisstraße nach Hattenweiler wird eine spannende Sache. Ggf. kann das auch teilweise über die Planung am Sportplatz gelöst werden. Das zuständige Landratsamt ist gerade in der Planungsphase.

5. Im Jahr 2019 fanden auch die Kommunalwahlen statt. Im Gemeinderat sitzen seither drei neue Männer und zwei neue Frauen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Gemeinderat?

Ich empfinde die Zusammenarbeit als weiterhin offen, angenehm und konstruktiv. Es kam zu keinem Bruch im Gremium.

6. Gab es im vergangenen Jahr 2019 auch personelle Veränderungen in der Verwaltung?

Nein, die Führungspositionen sind seit langen unverändert, worüber ich sehr dankbar bin. Lediglich im Kinderland Herdwangen wechselt im Jahr 2020 die Leitung von Petra Niederprüm auf Marleen Walk, die wir noch im ablaufenden Jahr im Gemeinderat wählen konnten.

7. Das Modell DORV (Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung) und der Breitbandausbau waren zwei wichtige Themen, die 2019 in Herdwangen-Schönach immer wieder auf der Tagesordnung standen.

Nach der Info-Veranstaltung zu DORV hat sich ein DORV-Team gebildet. Zur Zeit findet eine schriftliche Umfrage unter den Bürgern statt, um den Bedarf zu ermitteln. Die Planung der Breitbandversorgung geht voran. Die Firma fibrestrategy stellt bis Frühjahr 2020 den Förderantrag. Im Spätsommer hoffen wir auf einen positiven Förderbescheid. Einzelne Maßnahmen, wie das Verlegen von Leerrohren zum Beispiel im Gewerbegebiet Branden, sind schon umgesetzt.

8. Dass die Linksabbieger-Spur von der L 195 in das Gewerbegebiet genehmigt wurde, ist eine Sache, die Sie gefreut haben dürfte.

Auf jeden Fall, dafür haben wir auch lange gekämpft. Die Vergrößerung des Gewerbegebiets schafft neue Arbeitsplätze. Die Vermarktung hat begonnen. Drei der neu erschlossenen Bauplätze im Branden sind bereits verkauft, zwei davon an örtliche Gewerbetreibende, ein Bauplatz an einen Handwerksbetrieb aus der näheren Umgebung.

9. Was hat Sie geärgert im vergangenen Jahr?

Die Umstellung auf Doppik, doch das ärgert mich nicht erst seit 2019. Die Kämmerei belastet das erheblich. Es verursacht erhebliche Kosten, bindet Arbeitskräfte und stellt keine wesentliche Verbesserung gegenüber der Kameralistik dar. Dass das Land Baden-Württemberg selbst nicht auf doppische Haushaltsführung umstellt, finde ich in diesem Zusammenhang eine Frechheit, da gerade das Land uns zu dieser Umstellung verpflichtet.

10. Und was hat sie gefreut im Jahr 2019?

Ich finde es immer toll, wenn sich Bürger ehrenamtlich für etwas engagieren, so wie jetzt im DORV-Team oder bei der Benefizgala für die Bischof-Stehle-Stiftung und die Bürgerstiftung Herdwangen-Schönach in der Bundschuhhalle, die zwei junge Frauen aus der Gemeinde hervorragend organisiert haben. Die Veranstaltung hat den Begriff Gala wirklich verdient. Auch das Eine-Liebe-Festival ist eine gelungene Sache.

11. Dass möglicherweise ein Mobilfunk-Mast auf einem Grundstück des Spitals Überlingen zwischen Großschönach und Kirnbach errichtet wird, hat eine Initiative gegen Mobilfunk auf den Plan gerufen.

Ich betrachte das ganz neutral und sachlich, keinesfalls arrogant, wie man mir auch schon vorgeworfen hat. Ich kann und werde mich nicht auf irgendeine Seite ziehen lassen, auch wenn das von mancher Seite gewünscht wird. Aber was ist die richtige Seite? Wir versuchen, für die Gemeinde die beste Lösung zu finden und haben deshalb vorausschauend und wie in einem Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2010 festgelegt, ein fallbezogenes Vorsorgekonzept in Auftrag gegeben. Dabei handelt es sich um ein Immissionsgutachten mit vergleichender Betrachtung von Standortalternativen. Ziel des Gutachtens ist die Benennung eines vergleichsweise schonenden und effizient versorgenden Mobilfunk-Standorts. Dies ist Grundlage für weitere Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch mit den potenziellen Mobilfunkbetreibern.

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