Dass mehr als 20 Zuhörer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung im Ratssaal saßen, hatte seinen Grund. Die meisten von ihnen gehörten der Bürgerinitiative 5G-freie Region Herdwangen-Schönach an, die sich im neu gegründeten Verein mit dem Namen Ortsgruppe im Mobilfunk Bürgerforum zusammengeschlossen hat. Vor allem befürchten die Gegner gesundheitliche Risiken, die aus ihrer Sicht von der 5G-Technik ausgehen.

40 Meter hoher Mobilfunkmast

Da die Telekom auf der Gemarkung Großschönach auf einem Grundstück des Spitalfonds Überlingen angedacht hat, einen 40 Meter hohen Mobilfunkmasten zu bauen, rechnet die Bürgerinitiative mit einer 5G-Erweiterung. Bislang gibt es in Großschönach noch keinen Mobilfunkmasten. „Wir brauchen den Mast nicht. Wir sind ausreichend versorgt und zufrieden mit dem, was wir haben. Wir wollen nicht noch mehr Funkstrahlung“, so ein Sprecher der Gruppe.

Dieser hohe Mobilfunkmast steht in der Nähe vom Hüttenbühl außerhalb der Ortsgrenze von Herdwangen. In Großschönach gibt es bislang keinen Mobilfunkstandort.
Dieser hohe Mobilfunkmast steht in der Nähe vom Hüttenbühl außerhalb der Ortsgrenze von Herdwangen. In Großschönach gibt es bislang keinen Mobilfunkstandort. | Bild: Kirsten Johanson

Die Bürgerinitiative fordert stattdessen den kabelgebundenen Glasfaserausbau und sammelt Unterschriften gegen den Mast. Rund 300 Menschen sollen bereits auf der Liste unterschrieben haben. Ein Landwirt, dessen Hof sich in der Nähe zum potenziellen Standort befindet, weist in einer Stellungnahme auf die Strahlungsgefahr hin: Ein Mobilfunkmast in der Nähe seines Kuhstalls könne zu einem wirtschaftlichen Totalausfall führen.

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Bürgermeister Ralph Gerster stellte in der Sitzung fest, dass seitens des Mobilfunkbetreibers noch kein konkreter Bauantrag vorliegt, sondern eine Interessensbekundung. Auch sei noch kein konkreter Bauplatz genannt, sondern ein Suchradius. Dennoch will die Gemeinde aktiv werden und bei der Standortauswahl auf jeden Fall beteiligt sein. Einstimmig beschloss das Gremium, das Dialogverfahren über den Netzausbau fachlich begleiten zu lassen und einen neutralen Berater bezüglich der Standortanfrage hinzuziehen.

Gutachten zur Strahlenbelastung

Hans Ulrich vom Ingenieurbüro funktechanalyse.de aus München wurde beauftragt, anhand eines Immissionsgutachtens schonende und effizient wirkende Alternativstandorte auf der Gemarkung Großschönach zu eruieren. Eine Zielsetzung ist, die Strahlenbelastung unter Beachtung funktechnischer Gesichtspunkte so gering wie möglich zu halten. Das Ergebnis des Gutachtens soll dann bei einem Infoabend der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Peter Atzenhofer (Freie Wähler) sagte dazu: „Ich bin absolut für das Gutachten. Es geht dabei nicht um Ja oder Nein zum Mobilfunk, zumal der Ausbau zu 5G-Technik politisch gewollt ist, aber so können wir einen verträglichen Standort vorschlagen.“ Manfred Demmer (CDU) und Sebastian Blender (Freie Wähler) befürworten das Gutachten ebenfalls, fügten jedoch an, dass es in der Gemeinde durchaus auch Befürworter gebe. „In der Landwirtschaft wird das Signal zum Beispiel für autonomes Fahren eingesetzt“, so Blender.

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Hochfrequente Strahlung und Elektrosmog mache weder vor Hauswänden, noch vor Organen halt, so das Argument der Bürgerinitiative. „Es würde der Region gut zu Gesicht stehen, für 5G keine Zustimmung zu erteilen. Wir laden alle Interessierten zu einem Infoabend am 8. November in die Kunsthalle nach Kleinschönach ein, dort werden wir auch einen Film vorführen, der sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Funkstrahlen und Mikrowellen befasst“, sagte Petra Hauter im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Wolfgang Behr fügte hinzu: „Es geht nicht nur um Gesundheit, sondern auch um Privatsphäre.“ Mit 5G sei eine riesige Datensammel- und Überwachungsstruktur verbunden.