Mit „Anfrage über den Ausbau des Mobilfunknetzes auf der Gemarkung Großschönach“ stand bei der jüngsten Gemeinderatssitzung ein sensibles Thema auf der Tagesordnung. Ein Thema, das ähnlich wie Windkraft- oder Biogasanlagen Stoff für kontroverse Diskussionen birgt. Hier die Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf gesundheitsschädliche Strahlung, dort der Wunsch von Handynutzern nach lückenloser Netzabdeckung. Die Wortmeldungen waren zahlreich, es wurden durchaus unterschiedliche Positionen laut, doch blieb die Diskussion sachlich.

Bisher keine Reaktionen oder Proteste der Öffentlichkeit

Worum geht es genau? Die Deutsche Telekom hat die Gemeinde Herdwangen-Schönach im März des Jahres über ihr Ansinnen informiert, auf Großschönacher Gemarkung einen Mobilfunkstandort zu errichten, und zwar einen bis zu 40 Meter hohen Sendemast. Grundstückseigentümer ist nicht Herdwangen-Schönach, sondern die Stadt Überlingen. Die Spitalstiftung Überlingen hat im Juni des Jahres bei der Gemeinde Herdwangen-Schönach angefragt, wie sie zu der Thematik steht. Die Ausbauplanungen wurden über das Amtsblatt bekannt gemacht. Bürgermeister Ralph Gerster hat den Landwirt, dessen Aussiedlerhof sich im angedachten Bereich befindet, persönlich informiert. Reaktionen oder Proteste der Öffentlichkeit habe es bislang keine gegeben, sagte Gerster.

Räte diskutieren über Bedarf in der Gemeinde

Hermann Fetscher (Freie Wähler) plädierte dafür, eine Einwohnerbefragung zu starten. „Für mich stellt sich die große Frage: Ist überhaupt Bedarf da? Wenn kein Bedarf vorhanden ist, sollten wir uns nicht darauf einlassen.“ Die Mobilfunkverbindung in Großschönach sei doch gut. „Wozu müssen wir uns zusätzlich bestrahlen lassen?“ Man müsse ja nicht „mit aller Gewalt in jedem Keller erreichbar sein“. Daraufhin gaben Patrick Blender (FW) und Ralph Gerster zu bedenken, dass eine repräsentative Datenerhebung schwer zu realisieren sei. Woran solle der Bedarf im Detail festgemacht werden? „Jeder will das Handy nutzen, aber keiner will einen Mobilfunkmast in der Nähe“, waren Sandra Reddemann (FW) und Manfred Demmer (CDU) einer Meinung.

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Als positiv wertete Gerster, dass der Mast zumindest nicht mitten im Ort, sondern auf der Kuppe hinter dem Friedhof in Richtung Kirnbach seinen Platz bekommen soll. „An anderen Standorten etwa auf Hochhäusern, neben Schulen und Kindergärten oder in Kirchtürmen halten sich dauerhaft Menschen auf“, so Gerster.

Der exakte Standort stehe jedoch noch gar nicht fest. Die Telekom könne, so sie kein öffentliches Grundstück zur Verfügung gestellt bekomme, einen Nutzungsvertrag mit einem privaten Eigentümer schließen. Peter Atzenhofer (FW) zeigte sich überzeugt: „Die Telekom versucht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen“ und fügte hinzu, dass ein rund 40 Meter hoher Mast wohl auf 5G-Technik ausgelegt sei. „Mir widerstrebt das Vorgehen des Konzerns und von meiner Seite kann ich da kein positives Signal geben.“

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Noch keine endgültige Entscheidung

Die Räte Gerhard Braun (CDU) und Berthold Baumann (FW) erinnerten daran, dass es sich bei der Mobilfunkanlage um ein privilegiertes Vorhaben im Außenbereich handele, wogegen man kaum etwas ausrichten könne. „Das Ding wird trotzdem gebaut, egal ob wir dagegen sind oder nicht“, so Braun. Das Gremium fasste schließlich mit drei Gegenstimmen einen Beschluss, den Bürgermeister Gerster so formulierte: „Herdwangen-Schönach verschließt sich der Anfrage der Stadt Überlingen nicht. Bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werden kann, soll der genaue Standort dargestellt werden.“ Der Standort solle mindestens 500 Meter von einer geschlossenen Wohnbebauung entfernt sein und die Stadt Überlingen solle dafür Sorge tragen, dass neben der Telekom auch andere Mobilfunkanbieter den Standort mitnutzen können.

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