Herdwangen-Schönach – Bürgermeister Ralph Gerster, gestern mit dem Ortswappen von Großschönach im Gesicht, hat es am Schmotzigen Dunschtig schwer. Er muss sich jedes Mal gegen drei Narrenvereine zur Wehr setzen, die ihm allesamt an den Kragen wollen. So auch gestern: Eselohren, Dreizipfelritter und Berggeister – musikalisch perfekt unterstützt von den Hedos – stürmten das Rathaus und der Narrenkeller war um neun Uhr rappelvoll.

Hubert Baur von den Eselohren verkündete, ihm sei zu Ohren gekommen, der Bürgermeister laufe im Rathaus nur noch in Socken herum. Ob das ein Versuch sei, dass man ihm nichts mehr in die Schuhe schieben könne? Gerster leide bestimmt schon Qualen, „weil des Johr sind au nu Wahle“, spielte Baur auf die Bürgermeisterwahl Ende 2017 an. Dann musste Gerster geloben, die Narrenvereine mitsamt dem Musikverein im Fall seiner Wiederwahl mit Freibier zu versorgen. Die Berggeister Markus Dittmer und Barbara Pudimat nötigten dem Bürgermeister eine Unterschrift ab. Es ging um die Ernennung von Aftholderberg zum anerkannten „Lust-Kur-Ort, 712 erotische Meter über Herdwangen-Schönach“. Also nicht wundern, wenn die Straßenlaternen demnächst mit roten Glühbirnen ausgestattet werden. Zum Dank fürs Autogramm erhielt Gerster einen pinkfarbenen Helm mit seitlich montierten Prosecco-Dosen zum Durstlöschen.

Dreizipfelritter-Chef Stefan Blender erinnerte an ein überstanden geglaubtes Winterdrama in Gersters nunmehr siebenjähriger Amtszeit mit einem MAN ohne Salzstreuer, gefolgt von Silo- und Streusalzproblemen. Beim närrischen Jubiläumsumzug in diesem Jahr habe es eine Neuauflage gegeben: Weit und breit habe sich von der Gemeinde niemand sehen lassen, um den Dorfplatz von Eis und Schnee zu befreien. „Wir kamen uns vor wie bei Sigmaringen on ice. Da können wir nur noch hoffen, dass es am 1. und 2. Juli nicht schneit.“ Dann soll in Großschönach das Ortsjubiläum gefeiert werden.

Ganz ohne Gegenwehr ließ sich der Bürgermeister nicht aus dem Amt werfen. Er und das Team aus der Verwaltung waren als Bindestriche unterwegs. „Herdwangen-Schönach mit Bindestrich, was besseres gibt es in Deutschland nicht!“ Was das auch solle, nun würden sogar die Eselohren der deutschen Sprachvergammelung Vorschub leisten, indem sie „Best of“ zu ihrem Motto machten, lästerte Gerster. Doch alle Versuche, den Schlüssel zu behalten, nutzten nichts, nach gut einer Stunde hatten die Narren das begehrte Objekt in ihren Händen – und einen überdimensionalen Bindestrich dazu.