Der Brand einer Lagerhalle Anfang Februar auf einem Bauernhof in Großschönach ist der bislang größte Brand gewesen, den Kommandant Hubert Specker im Lauf seiner 30 Jahre bei der Feuerwehr erlebt hat. Die enge Bebauung und die Wasserknappheit waren seiner Auffassung nach die größten Herausforderungen.

Kontrolliertes Abbrennen, um andere Gebäude zu schützen

"Wir haben uns nach Einschätzung der Lage dazu entschieden, die Halle abbrennen zu lassen und die umliegenden Gebäude über Riegelstellungen zu schützen. Da der Wind nicht zu stark war, hatten wir relativ wenig Probleme mit Funkenflug", erklärt Specker. "Eine halbe Stunde nach Beginn der Löscharbeiten informierte uns der Wassermeister, dass der Hochbehälter fast leer sei."

1,3 Kilometer Schlauchleitung aus der Aach

So musste die Feuerwehr eine 1,3 Kilometer lange Schlauchleitung von der Aach zum Einatzort legen. "Zur Überwindung der großen Höhendifferenz haben wir zwei Pumpen zwischengeschaltet." Die Brandursache wird derzeit durch einen Sachverständigen ermittelt. Der Schaden wird mit 2 Millionen Euro beziffert, verletzt wurde niemand.

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Auch Bürgermeister Ralph Gerster sagt: "Das Ausmaß des Brandes war außergewöhnlich." Er war voll des Lobes, dass die Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte so vorbildlich und reibungslos geklappt habe. Dem Thema Löschwasserversorgung werde sich die Gemeinde nun zusammen mit der Feuerwehr intensiv widmen.

Futtererbsen unter Trümmern flackern immer wieder auf

Noch am Samstag stieg gelegentlich Rauch aus der komplett zerstörten Halle auf, in der unter anderem zwei große Traktoren ein Raub der Flammen wurden. "Den Rauch verursachen Futtererbsen, die unter den Trümmern immer mal wieder aufflackern und die wir kontrolliert ablöschen", erklärt Specker. Die Halle – oder vielmehr das, was davon übrig blieb – sei inzwischen freigegeben. Jetzt habe die Versicherung eine öffentliche Ausschreibung veranlasst, um die Überreste kostengünstig abräumen zu lassen.

Die nicht verbrannten Strohballen werden abtransportiert und auf einem Acker ausgebreitet, um dort verbrannt zu werden.
Die nicht verbrannten Strohballen werden abtransportiert und auf einem Acker ausgebreitet, um dort verbrannt zu werden. | Bild: Volk, Siegfried

Löschwasser gefror am Boden

Da es in der Einsatznacht sehr kalt war und das Löschwasser am Boden gefror, musste zur Sicherheit der Einsatzkräfte Auftausalz gestreut werden. "Wir wurden vom Bauhof und auch von der Bevölkerung mit Streusalz versorgt", sagt Specker. Außerdem musste in den Schläuchen das Wasser ständig fließen und durfte nicht abgestellt werden, um ein Gefrieren der Leitungen zu verhindern. Schaum kam beim Löschen nicht zum Einsatz. Zum Aufwärmen konnten die Einsatzkräfte in die Ramsberghalle und ins ehemalige Gasthaus "Krone". Die Schnelleinsatzgruppe des Roten Kreuzes und die "Krone"-Wirtin sorgten für Verpflegung.

Wehr hatte ähnliches Szenario bei Hauptübung geprobt

"Es war sicher von Vorteil, dass wir bei unserer letzten Hauptübung ein ähnliches Szenario angenommen hatten", sagt Specker. Wie bei der Übung mussten die Feuerwehrleute auch beim realen Einsatz eine Sperre aus Planen und Sandsäcken errichten, damit das Löschwasser nicht in den öffentlichen Kanal fließen konnte. Und wie bei der Übung sei es eine große Hilfe für die Einsatzkräfte gewesen, dass der Hofbesitzer sofort die Datenblätter zur Hand hatte, welche Chemikalien in der Halle gelagert waren.

Kläranlage sofort abgestellt

Der stellvertretende Kreisbrandmeister Markus Sieber aus Schwenningen war in der Brandnacht gleich nach Großschönach geeilt, drei Mitarbeiter aus dem Fachbereich Umwelt- und Arbeitsschutz des Landratsamts waren ebenfalls dauerhaft vor Ort. Der Wassermeister der Gemeinde hatte sofort den Betrieb der Kläranlage eingestellt, weil noch unklar war, ob und wie viel Löschwasser über den Kanal einfließen würde. Es habe keine Gefahr für Grundwasser und Gewässer bestanden, da das Löschwasser aufgefangen und abgepumpt wurde.

Löschwasser wurde aufgefangen

Ralph Gerster erklärt: "Es befindet sich jetzt in einem befestigten Teich auf dem Eigentümergrundstück und 400 Kubikmeter Löschwasser sind auf der Kläranlage gelagert." Die Versicherung kläre ab, wie es entsorgt werde, "ob wir es zur Reinigung in unsere Kläranlage pumpen können oder ob es in Tankwagen umgepumpt und zu einem Entsorgungsunternehmen transportiert wird".

Besorgte Anrufe wegen Rauch und Geruch

Beunruhigt waren die Menschen im Umkreis durch die starke Rauchentwicklung und den beißenden Geruch. Flüssiger sowie fester Harnstoff und mehrere hundert Großpacken Streu und Heu waren in der Halle gelagert. Gerster sagt: "Als es brannte, fragten besorgte Anrufer, ob Gefahr für die Quelle am Ramsberg besteht, aber die Quelle für die Wasserversorgung liegt höher und ist weit entfernt vom Unglücksort."