Vielleicht liegt es an der Wahrhaftigkeit, mit der die Lautenbacher Blaskapelle spielt. Vielleicht an der Selbstverständlichkeit, mit der sie Stücke von Beethoven bis Buxtehude zu ihren eigenen macht. Auf jeden Fall gelang es den Musikern, die Zuhörer beim Verfassungsfest in Karlsruhe in ihren Bann zu ziehen. Dort spielten die Lautenbacher auf Einladung der Stadt Karlsruhe am Freitagnachmittag. Denn hier fand das Verfassungsfest statt, das anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Grundgesetzes gefeiert wurde. Am 23. Mai 1949 wurde dieses provisorische Verfassungswerk verkündet. Sein Inkrafttreten markiert zugleich die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland. Ein bedeutender Anlass und eine ebenso bedeutsame Kulisse am Karlsruher Schloss, vor der die Lautenbacher Blaskapelle spielte.

Richter Peter Michael Huber fungierte als Ansager der Lautenbacher Blaskapelle.
Richter Peter Michael Huber fungierte als Ansager der Lautenbacher Blaskapelle. | Bild: Magdalena Hangarter

Doch für die Lautenbacher kein Grund, übermäßig aufgeregt zu sein, führten sie ihre Auftritte doch bereits bis nach Brüssel, Budapest oder in die Schweiz. Mit Tourbusfahrerin Gaby Hauff und einem Anhänger voller Musikinstrumente startete die Gruppe am Freitagmorgen in Lautenbach. Auch Tourmanager André Heygster war mit an Bord, der die Auftritte der Gruppe plant. In Karlsruhe angekommen, wurde der Bus durch alle Sicherheitsschleusen durchgewunken und durfte direkt bis an die Stufen des Karlsruher Schlossportals fahren.

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Im Backstagebereich traf die Gruppe auf den Karlsruher Jos Rinck. Der Flötist und Komponist war unter anderem fünf Jahre erster Soloflötist bei der Nordwestdeutschen Philharmonie und ist vor allem durch das Frankfurter Kurorchester bekannt. Seit 2011 arbeitet er regelmäßig mit der Lautenbacher Blaskapelle. Er erzählte, dass durch die eigenwillige Instrumentierung ganz neue Klangwelten entstünden, die keinen Vergleich mit Altbekanntem zuließen.

Stück für Stück wird Qualität erreicht

Ensembleleiter Jean-Christophe Klockenbring sagt über seine Musiker: „Die Lautenbacher Blaskapelle gibt es seit über 30 Jahren. Dass wir da sind, wo wir jetzt sind, war ein sehr langer Prozess. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit steht die Lautenbacher Blaskapelle in Kontrast dazu, wie Stück für Stück Qualität erreicht werden kann. Oft sind Dinge erst nach Jahren mit den einzelnen Menschen möglich. Das bringt dann zum Staunen. Und ich glaube, genau dieses Staunen ist es, das auch beim Publikum ankommt und die Blaskapelle so besonders macht.“

Auftritt vor großem Publikum rückt immer näher

Und dann rückte der Auftritt immer näher, langsam macht sich doch Nervosität bemerkbar. Statt einer Stunde gemütlichen Aufbaus, wie es die Lautenbacher gewohnt sind, soll der Aufbau in fünf Minuten stattfinden. Letzte Anweisungen von Rinck werden an Andreas Haslacher gegeben. Haslacher ist ein Absolvent der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim und ebenfalls ein Mitglied des Ensembles. Kurz vor dem Auftritt kommt auch noch Peter Michael Huber vorbei, Richter des Bundesverfassungsgerichts und Ansager der Lautenbacher Blaskapelle. Huber hat nicht viel Zeit, doch hält er einen kurzen Plausch mit den Musikern, die ohne Zögern ihre Fragen loswerden. Und dann geht es auf raus auf die große Bühne.

Dann gibt es kein Halten mehr

Das Publikum wartet ab. Doch schon bei den ersten Tönen von Ludwig van Beethovens zweitem Satz der 7. Sinfonie ist es ergriffen von der Direktheit, mit der die Blaskapelle sie anspricht. Es folgt eine eindrückliche Interpretation von Amazing Grace. Einem geistlichen Lied, das als Protestlied gegen die Sklaverei gilt und nicht zuletzt von Barack Obama anlässlich einer Trauerfeier gesungen wurde. Spätestens wenn Fabian ruft „Est-ce que vous aimez le Rock‘n‘Roll?“, französisch für “Wollt ihr Rock‘n‘Roll?“, ist das Publikum begeistert. Auch im Ensemble gibt es jetzt kein Halten mehr. Und vielleicht ist das der Unterschied: Die Lautenbacher spielen nicht, sie sind Musik.