Herdwangen-Schönach – Linda Kelly, Biobäuerin aus Herdwangen, wurde von Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk ausgezeichnet. Sie wurde neben drei Männern auf der Stuttgarter Tourismusmesse CMT geehrt. Die Jury des Wettbewerbs des Ministeriums für innovative Ideen hatte die Preisträger als gleichwertig angesehen. Linda Kelly darf sich, wie auch die anderen drei Gewinner über ein Preisgeld von 2500 Euro freuen. Insgesamt 43 Bewerbungen waren zu dem Wettbewerb eingegangen.

Betrieb 2007 umgestellt

Auf dem Biohof ihrer Eltern hat sich die 36-Jährige auf den Anbau von Lupinen spezialisiert – siehe nebenstehenden Text. Daneben vermarktet sie Bioheu für Pferde. Ihr Mann unterstützt sie, er arbeitet auch auf dem Hof. 2007 war die Produktion nach Kriterien von Bioland umgestellt worden, wie Linda Kelly in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER schildert. Damals sei die Überlegung angestanden, wie die Zukunft des landwirtschaftlichen Betriebs gestaltet werden kann. Zu diesem Zeitpunkt standen noch bis zu 70 Milchkühe im Stall. Heute sei die Bio-Produktion des Hofes breit aufgestellt, so Kelly. Es gebe noch zehn Kühe in Mutterkuh-Haltung, neben rund 50 Masttieren. Vermarktet werden die Masttiere über die Aktion „Kauf ne Kuh“. Erst wenn das Tier komplett verkauft sei, werde es geschlachtet, beschreibt Linda Kelly. Kunden melden ihre Wünsche an, und wenn sich die Bestellungen mit dem Schlachtergebnis decken, dann wird geliefert. Bauern in Süddeutschland vermarkten so zertifiziertes Biofleisch direkt.

Zurzeit besucht die zweifache Mutter die Landwirtschaftsschule in Sigmaringen und will dort in diesem Jahr erfolgreich ihre Gesellenprüfung ablegen. Im Juni steht deren schriftlicher Teil an. Nachdem klar gewesen sei, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann den elterlichen Betrieb einmal übernehmen werde, war für sie klar, dass sie eine landwirtschaftliche Ausbildung benötige. Wobei sie sich im Unterricht wünschen würde, dass in den Lehrplänen der biologische Anbau etwas mehr Beachtung finden würde. Innerhalb des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) sind ihre Erfahrungen als Bio-Bäuerin gefragt. Sie sei beispielsweise als Referentin zu einer BLHV-Veranstaltung nach Bräunlingen eingeladen worden. Ob sie noch den Landwirtschaftsmeister draufsetzt, lässt sie im Moment offen. Auf die Frage, wie sie mit den schulischen, beruflichen und familiären Belastungen umgehe, sagte sie im Gespräch mit dieser Zeitung: „Das geht nur mit ganz viel Herzblut für die Landwirtschaft“.

Vermarktung online

Die Samen der Lupinen sind sehr eiweißreich. Archivbild: Gudrun Deinzer
Die Samen der Lupinen sind sehr eiweißreich. | Bild: Deinzer, Gudrun

Die Auszeichnung durch den Landwirtschaftsminister sieht Linda Kelly auch als einen Beitrag, auf die biologisch erzeugten Erzeugnisse des Hofes in Herdwangen aufmerksam zu machen. Denn oftmals wüssten die Menschen kaum, welche Produkte es quasi um die Ecke gibt. Was den Vertrieb ihrer Lupinen-Erzeugnisse anlangt, setzt Linda Kelly auf einen Online-Vertrieb. Rund 40 Prozent der Produktion wird hierüber vermarktet – neben Deutschland beliefert sie auch Kunden aus der Schweiz und Österreich. Und die Verkaufszahlen stiegen stetig. Deshalb sei auch geplant, die Anbauflächen für Lupinen weiter zu vergrößern. Heute gedeihen diese auf gut vier Hektar Fläche. Linda Kelly hatte auch mit Mohn-Produkten experimentiert. Doch heute setzt sie absolut auf Lupinen und Produkte wie etwa einen Lupinen-Kaffee. Inzwischen bietet sie auch Lupinen-Produkte für kosmetische Zwecke an. Die Nachfrage nach Lupinen-Produkten wachse stetig.

Im vergangenen Jahr musste Linda Kelly bei der Lupinenernte auch witterungsbedingte Einbußen hinnehmen, wie es sie in anderen landwirtschaftlichen Betrieben durch die anhaltende Trockenheit gab. Auf der Anbaufläche von gut vier Hektar habe rund eine Tonne an Lupinen nicht geerntet werden können, weil die Hülsenfrüchte bereits auf dem Boden lagen. Grundsätzlich geht die Biobäuerin allerdings davon aus, dass ihr Hof etwas besser gegen Wetterkapriolen gewappnet sei als konventionelle Betriebe. Zum einen habe sich seit der Umstellung seit 2007 der Humus auf den bewirtschafteten Flächen verbessert. Zum anderen sei auch die nicht so dichte Folge der Pflanzen hilfreich, wenn es um den Wasserbedarf gehe. Und alle fünf Jahre werde die Fruchtfolge gewechselt, sprich die Lupinen auf anderen Flächen angebaut, fügt sie hinzu.

Lupinen-Samen als Ersatz für Soja

Ziel des Wettbewerbs des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums war es, Start-ups und innovative Unternehmen bei der Einführung ihrer Produkte im Markt zu unterstützen.

  • Der Wettbewerb: „Die vielen unterschiedlichen Bewerbungen zeigen, was für eine wichtige Rolle neue innovative Ansätze in der Vermarktung von Lebensmitteln und Agrarprodukten spielen können“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich der Auszeichnung der Preisträger auf der Touristikmesse CMT in Stuttgart. „Häufig sind es Querdenker oder Quereinsteiger, die versuchen, neue und innovative Wege zu gehen. Das Thema Nachhaltigkeit aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Sicht steht hierbei im Vordergrund; ebenso wie der Erhalt unserer Lebens- und Lebensmittelkultur“, sagte Hauk. Linda Kelly verfolge mit ihrer Marke „Lupinello“, Bioland Süßlupinenprodukte, einen ganzheitlichen Ansatz. „Alle Schritte, von der Erzeugung bis zur Vermarktung, erfolgen aus eigener Hand vor Ort bei ihr auf dem Betrieb“, sagte Hauk.
  • Die Lupinen gehören botanisch zur gleichen Pflanzenfamilie wie Erbse, Kichererbse und Erdnuss. Die eiweißreichen Lupinensamen gelten als heimische Alternative zu Soja. Die Saat der bunt blühenden Lupinen nutzten bereits die alten Ägypter als wichtiges Getreide. Nach der Blüte hängen an den Stängeln drei bis sieben Zentimeter lange Hülsen, die nierenförmige Samen beherbergen. Sobald die Hülsen gut trocken sind, können die Lupinensamen mit dem Mähdrescher geerntet werden. (dim)