Tante-Emma-Läden und Gaststätten haben auf dem Dorf einen schweren Stand. Für viele lohnt sich der personelle und finanzielle Aufwand nicht. Oder es fehlt ein Nachfolger, der gewillt ist, die Geschäfte weiter zu betreiben. Entgegen dem Trend hat im August die „Krone“ in Großschönach wieder eröffnet. Sehr zur Freude von Wirtin Sengül Akok brummt der Laden inzwischen, wie es so schön heißt.

Sengül Akok bereut ihren Entschluss, die Gaststätte in Großschönach wieder zu eröffnen, keineswegs.
Sengül Akok bereut ihren Entschluss, die Gaststätte in Großschönach wieder zu eröffnen, keineswegs. | Bild: Johanson, Kirsten

Im Rahmen des Integrierten Entwicklungskonzepts 2030 wurden bei Bürgerwerkstätten Ideen gesammelt, um die Weichen für die Zukunft der Gemeinde zu stellen. Die Re-Aktivierung der Wirtschaft im Ortsteil Großschönach stand hier auf der Wunschliste. „Wir wurden sehr oft darauf angesprochen, wann wir endlich aufmachen“, erzählt die 50-jährige.

Gebäude 2015 gekauft

Sengül Akok und ihr Lebensgefährte Klaus Engelhardt haben das große Gebäude 2015 gekauft. Zuvor hatte es nach dem Tod des früheren Besitzers Gustav Flach drei Jahre lang leer gestanden. Zusätzlich zum Kaufpreis musste das Paar eine beträchtliche Summe investieren, um das Haus zu sanieren. „Ich verstehe, dass andere Interessenten nicht so viel Geld in die Hand nehmen wollten, denn natürlich birgt ein solches Projekt ein finanzielles Risiko“, sagt Sengül Akok.

Donnerstag bis Sonntag geöffnet

Geöffnet ist das Gasthaus allerdings nur von Donnerstag bis Sonntag. „An den Öffnungszeiten, wie wir sie im Moment haben, wollen wir auch erst einmal festhalten“, sagt sie. Großschönach und die „Krone“ waren Sengül Akok nicht fremd. „Wir haben früher schon mal hier gewohnt, eine meiner Töchter hat in Großschönach die Grundschule besucht.“

Partner selbst auf dem Bau tätig

Der Umbau des Gebäudes dauerte vier Jahre. „Wir brauchten ja weiterhin unser Einkommen und haben die Sanierung abends in Eigenleistung durchgezogen. Fenster, Leitungen, Decken, Böden, Küche, Einrichtung – alles musste erneuert werden. Sehr teuer und aufwändig war der Brandschutz“, erzählt Akok. „Die Arbeit war hart, aber je schöner es wurde, um so motivierter waren wir. Ehrlicherweise muss man sagen: Wir das Glück, dass mein Partner auf dem Bau so gut wie alles kann.“

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Die Altenpflegehelferin, die in Wangen ein kleines Crêpes-Café betrieben hat, ist eine Quereinsteigerin in die Gastronomie. Die Wiederbelebung des Altbaus sei herausfordernd und reizvoll gewesen. Die Inneneinrichtung habe ihr besonders viel Spaß gemacht, erzählt die Wirtin. Die vormals schlichte Kneipe ist heute kaum wiederzuerkennen.

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Den Gästen gefällt die gelungene Mischung aus Möbeln und Elementen in verschiedenen Stilen, wie aus Facebook-Kommentaren hervorgeht. Ein stylisher Lounge-Bereich mit Sofas und Kissen spricht vor allem die jüngere Generation an. Unabhängig vom Alter: Das Bedürfnis der Menschen, in einem Lokal in geselliger Runde zusammenzukommen, ist ganz offenbar da. „Ich freue mich sehr, dass die Krone von Jung und Alt so gut angenommen wird. Es kommen nicht nur Einheimische aus dem Dorf, sondern auch viele Leute aus der Umgebung.“

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Um die Attraktivität zu steigern, will Akok im Sommer einen Biergarten einrichten, Musiker, Tanzkapellen und DJs in die „Krone“ holen. Zudem locken Events wie Halloween- und Silvester-Partys Gäste nach Großschönach. Am 14. Dezember steht eine 80er/90er-Party auf dem Programm.

Unkomplizierte Küche im Angebot

Feste Angestellte beschäftigt Akok keine. In der Küche steht die Wirtin selber. „Die Kässpätzle, Tapas, meine Crêpes und der Wurstsalat kommen super an. Es geht auch ohne Fritteuse. Pommes gibt es bei uns zum Beispiel nicht.“ Wenn viel los ist, unterstützen Aushilfen sie hinter der Theke und beim Bedienen. Als zusätzliche Einnahmequelle dienen neun Gästezimmer. Man findet die „Krone“ mittlerweile auf Buchungsportalen, denn auch hier bestehe aus Akoks Sicht die Notwendigkeit, mit der Zeit zu gehen.