„Wenn ich traurig bin, verkrieche ich mich in mein Häuschen“, verrät Handpuppe Caroline, eine Schnecke, den rund 30 Jungen und Mädchen im Stuhlkreis. Am vierten Tag des Projekts „Hospiz macht Schule“ in der Ramsbergschule geht es um das Thema „traurig sein“.

Podcast der „Sendung mit der Maus“

Bevor die Schüler mit Pinsel und Farben ihre Gefühle auf ein Blatt Papier malen, schauten sie zusammen ein Podcast der „Sendung mit der Maus“ an. Der kurze Film erzählt die Geschichte vom alten Dachs. Dieser stirbt und seine Freunde trauern um ihn. „Er hatte einen schönen Tod, er ist einfach eingeschlafen“, sagt Eva beim anschließenden Gespräch über das Gesehene. Tivon fügt hinzu: „Er hatte einen schönen Traum und ist nicht mehr aufgewacht. Der Dachs ist immer noch da – und doch nicht da.“

Mitglieder der Hospizgruppe Salem verbringen Schulwoche bei den Kindern

Katharina Goldmann, Ulrike Benz, Sigrid Rebholz, Ulla Gräpel, Wolfgang Websky und Christa Schellhammer von der Hospizgruppe Salem verbrachten eine Schulwoche bei den Dritt- und Viertklässlern der Ramsbergschule.

Katharina Goldmann, Hospizgruppe Salem: „Schließen Sie das Kind nicht aus, lassen Sie es teilhaben.“
Katharina Goldmann, Hospizgruppe Salem: „Schließen Sie das Kind nicht aus, lassen Sie es teilhaben.“ | Bild: Johanson, Kirsten

Konzept von Psychologen, Pädagogen und Seelsorgern

Das Projekt mit Namen „Hospiz macht Schule“ basiert auf einem Konzept, das Psychologen, Pädagogen und Seelsorger ausgearbeitet haben. „Wir experimentieren hier nicht herum, denn so etwas muss Hand und Fuß haben“, erklärt Katharina Goldmann. Das Thema werde einfühlsam und kindgerecht angegangen. Denn auch die Kinder werden mit Krankheit und Tod konfrontiert. Sei es der Opa, der an Krebs erkrankt ist, oder der ältere Bruder, der bei einem Autounfall ums Leben kommt.

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Jeder Projekttag einem bestimmten Bereich gewidmet

Jeder Projekttag war einem bestimmten Bereich gewidmet. Bei „Krankheit und Leid“ erzählte eine Kinderärztin im Ruhestand beispielsweise über ihren Beruf und dass es Krankheiten gibt, die nicht heilbar sind. Bei „Sterben und Tod“ wurde darüber gesprochen, was es mit einer Beerdigung auf sich hat und dass es verschiedene Bestattungsarten gibt. Den Hospizbegleitern war es dabei stets wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass man Trauer überwinden und auch wieder fröhlich und lustig sein kann.

Maria Baader, Schulleiterin: „Jetzt sind die Kinder dem Thema gegenüber noch aufgeschlossen, als Jugendliche ziehen sie sich eher zurück.“
Maria Baader, Schulleiterin: „Jetzt sind die Kinder dem Thema gegenüber noch aufgeschlossen, als Jugendliche ziehen sie sich eher zurück.“ | Bild: Johanson, Kirsten

Vor dem Projekt zum Elternabend eingeladen

Schulleiterin Maria Baader begrüßt den Zeitpunkt, sich schon im Alter von neun oder zehn Jahren mit dem Tod auseinanderzusetzen: „Jetzt sind die Kinder noch aufgeschlossen, als Jugendliche ziehen sie sich eher zurück und verdrängen ihre Emotionen wieder.“ Vor dem Projekt hatte sie sich mit dem Elternbeirat besprochen und zu einem Elternabend eingeladen. „Es kam keine Ablehnung“, sagt Maria Baader. Katharina Goldmann hat es schon anders erlebt. „An anderen Schulen gab es auch schon Widerstand, die Eltern hielten es für zu belastend.“

Ein Themenbereich widmete sich dem Sterben und Tod. Die Bilder, die dabei entstanden, wurden aufgehängt.
Ein Themenbereich widmete sich dem Sterben und Tod. Die Bilder, die dabei entstanden, wurden aufgehängt. | Bild: Johanson, Kirsten

Eltern geben nach der Woche positive Rückmeldung

Dann waren die Eltern zum gemeinsamen Abschluss des Projekts eingeladen. „Ihre Kinder haben ganz toll und kreativ mitgemacht und waren sehr offen“, berichtet Katharina Goldmann den Müttern und Vätern. „Erwachsene schieben das Thema ja gern von sich weg. Meinem Sohn hat die Woche gefallen“, sagt Marion Graf. Die Mutter einer Neunjährigen fügt hinzu: „Ich denke, die Tage haben meiner Tochter etwas gebracht. Ihre Oma ist 2018 gestorben.“ Tanja Barth sagt, dass sie ihre anfängliche Skepsis überwunden hat: „Anfangs hab‘ ich mich gefragt, ob es das richtige Thema für Grundschüler ist.“ Gerhard Joss, Vater einer Tochter, erzählt, dass er mit seiner Familie lange in Mexiko gelebt hat. Dort gehe man ganz anders mit dem Tod um, er sei viel mehr in den Alltag integriert.

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