Herdwangen-Schönach geht es gut, stellte Bürgermeister Ralph Gerster beim Neujahrsempfang in seiner Ansprache fest. Die Wirtschaft boome, Handwerk, Handel und Dienstleistungen seien gut aufgestellt, die Gemeinde habe höhere Einnahmen aus der Gewerbesteuer sowie Finanzzuweisungen von Bund und Land verbuchen können. Zwar sei der Fachkräftemangel auch auf dem Land angekommen und die Besetzung von Arbeits- und Ausbildungsstellen werde für die ortsansässigen Firmen immer schwieriger, doch Herdwangen-Schönach bleibe eine aufstrebende Gemeinde. „Wir werden auch 2019 in der Lage sein, große Projekte umzusetzen, weiterzuführen oder zu initiieren.“ Eines davon ist die Seniorenwohnanlage am Voglerhof in Herdwangen. „Ich bin guter Dinge, dass wir ihnen in den kommenden Wochen einen kompetenten Bauträger präsentieren können. En

Engagement in der Kommunalpolitik gefordert

Diana und Ralph Gerster (links) mit Hildegard und Franz Schuhmacher, ganz rechts die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden. Bild: Kirsten Johanson
Diana und Ralph Gerster (links) mit Hildegard und Franz Schuhmacher, ganz rechts die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden. Bild: Kirsten Johanson

Neben einem kurzen Rück- und Ausblick legte Gerster das Hauptaugenmerk auf die bevorstehende Gemeinderatswahl im kommenden Mai. „Kommunalpolitik ist Graswurzelpolitik, ist Demokratie von unten nach oben“, appellierte er an die Bürger, nicht nur ihre Stimme abzugeben, sondern eine eigene Kandidatur in Erwägung zu ziehen und sich als Mandatsträger aktiv in die Kommunalpolitik einzubringen. „Sie müssen mithelfen, dieses für die Gemeinde w

ichtige Ehrenamt auch in Zukunft verantwortungsvoll zu besetzen.“ Zu seinem Bedauern würden die derzeitigen Vorbereitungen für die Bewerberlisten zeigen, dass die Zahl der Absagen höher als die der Zusagen sei. Seinen Da

nk richtete Gerster an die amtierenden Gemeinderäte: „Die positiven Meldungen aus Herdwangen-Schönach haben ihre Ursache vor allem in der verantwortungsvollen und positiven Arbeit in unserem Gemeinderat", ist er überzeugt.

Die Gemeinde sei nicht zuletzt deshalb so stark, weil Bürger Verantwortung übernehmen und sich für ihre Mitmenschen und das Gemeinwohl engagieren. „Ein Großteil der heute Anwesenden leitet einen Gewerbebetrieb, ist ehrenamtlich engagiert – oder beides. Sie tragen damit zur Lebensqualität in unserer Gemeinde bei.“ Festredner Franz Schuhmacher unterstütze Gersters Appell, wählen zu gehen und sich wählen zu lassen: „Ich bin dankbar für alle, die sich einmischen.“

Verdiente Blutspender geehrt

Die Blutspender Wilhelm Jäger, Mathias Werz und Gerhard Braun erhielten ihre Auszeichnungen von Andreas Kees vom DRK und Bürgermeister Ralph Gerster (von links).
Die Blutspender Wilhelm Jäger, Mathias Werz und Gerhard Braun erhielten ihre Auszeichnungen von Andreas Kees vom DRK und Bürgermeister Ralph Gerster (von links). Bild: Kirsten Johanson

Es hat sich eingebürgert, beim Neujahrsempfang verdiente, mehrjährige Blutspender zu ehren. „Man kann heutzutage Organe verpflanzen, künstliche Gelenke einsetzen, aber Blut ist nach wie vor etwas Besonderes, es kann nicht künstlich hergestellt werden“, leitete Gerster die Ehrung ein. Gemeinsam mit Andreas Kees, dem Vorsitzenden des DRK Ortsvereins, überreichte er Blutspenderehrennadeln an Gerhard Braun (25 Mal), Matthias Werz (25) und Wilhelm Jäger (50).

"Wir brauchen Macher"

Als Festredner des Abends ging Franz Schuhmacher der Frage nach, wie man in Politik und Gesellschaft auch in stürmischen Zeiten zwischen Syrienkrieg, Flüchtlingsströmen, Brexit und chinesischem Designer-Baby Kurs hält. Schuhmacher war von 1968 bis 1998 CDU-Gemeinderat in Spaichingen und wurde 1996 in den Landtag gewählt, dem er bis 2006 angehörte. Er baute einen kleinen Betrieb in Spaichingen zu einem international tätigen Unternehmen für Präzisionsdrehteile aus.

Herdwangen-Schönach ist ihm nicht unbekannt, besuchte er doch als begeisterter Jakobswegpilger bereits Bruder Jakobus auf dem Ramsberg. Gerster charakterisierte den inzwischen 80-jährigen als einen zuverlässigen, bescheidenen und ehrlichen Politiker, dem die Gesellschaft vor Individualinteressen geht.

In seiner Rede bekannte sich Schuhmachet zur freien sozialen Marktwirtschaft. Ein Staat sei dann sozial, wenn er kommenden Generationen weder gigantische Schulden hinterlasse noch seine Bürger mit übermäßigen Steuern belaste. Um im wirtschaftlichen Wettbewerb bestehen zu können, sei Bildung unabdingbar. In Zeiten, in denen im Land 150 000 Unternehmer einen Nachfolger suchen und keinen finden, lautet seine Devise: „Wir brauchen nicht nur Buchhalter, wir brauchen Macher, Ingenieure, Meister und Facharbeiter.“

Bündnisse zwischen Wirtschaft und Schulen gehören für den Unternehmer ebenso dazu wie das Elternhaus. Für Schuhmacher ist klar: "Bildung ohne die Eltern geht nicht." Sich im Wettbewerb zu behaupten, nach Erfolg und Fortschritt zu streben, das ist für Schuhmacher stets gekoppelt an Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Fairness. Hier zitierte er den Seniorchef aus Thomas Manns Roman „Die Buddenbrooks“: „Sei mit Lust bei den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können.“ (kaj)