„Jede Tradition lebt davon, dass sie sich erneuert.“ Diesen Satz gab Festprediger Bernd Gehrke, erzbischöflicher Sekretär aus Freiburg, den Reitern am Sonntag mit auf den Weg zur Flurprozession, die in diesem Jahr zum ersten Mal beim traditionellen Eulogiusfest in Aftholderberg stattfand. Eine gelungene Premiere, denn die 110 Reiter aus neun Vereinen hatten sichtlich Freude daran, sich mit den prächtig geschmückten Tieren auf den rund dreieinhalb bis vier Kilometer langen Weg in Richtung Großstadelhofen und wieder zurück zu machen.

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Neuerung soll Teilnehmerzahlen erhöhen

„Es war eine sehr schöne Flurprozession bei idealen Wetterbedingungen für die Pferde und die Reiter“, zog Rittmeister Stefan Jäger im Gespräch mit dem SÜDKURIER eine positive Bilanz. Er hofft, durch diese Neuerung in den kommenden Jahren wieder mehr Pferdefreunde für den Eulogiusritt begeistern zu können, damit die Teilnehmerzahlen steigen.

Rittmeister Stefan Jäger führte die Prozession durch die Gemeinde an.
Rittmeister Stefan Jäger führte die Prozession durch die Gemeinde an. | Bild: Lorenz, Stefanie

Prächtige Reiterprozession

Der Reiterverein St. Eulogius, die Landjugend Aftholderberg sowie Reitvereine aus Aach-Linz, Hitzkofen-Bingen, Hoßkirch, Salem, Wald, Hohentengen und vom Spießhof in Herdwangen sind dem Eulogiusfest treu geblieben und bildeten mit herrlich geschmückten Tieren und schmucken Reitern die prächtige Reiterprozession durch Aftholderberg.

Aftholderberger helfen bei Organisation zusammen

Mit Fahnen und Wimpeln hatten die Einwohner ihre Häuser herausgeputzt. Viele fleißige Hände waren Tage zuvor schon beim Kranzen und Stellen der schönen Triumphbögen aktiv, die entlang des Wegs der Reiter aufgestellt werden. Vor der Pfarrkirche, deren Patron der Heilige Eulogius ist, leuchtete ein Blumenbild in der Sonne und der Freiluftaltar für den Gottesdienst war ein wahres Blumenmeer – mittendrin prangte die Eulogiusbüste. „Hier helfen alle zusammen“, freute sich Stefan Jäger über das Engagement der Aftholderberger.

Musikgruppen sorgen für festliche Stimmung

Traditionell startete das Fest mit dem Abholen des Rittmeisters in Sohl. Begleitet von der Musikkapelle Großschönach ging es zur Pfarrkirche, wo Pfarrer Josef Maurer, Festprediger Bernd Gehrke sowie die Ministranten abgeholt wurden. Außerdem wurde die Reiterstandarte feierlich übergeben. Die Zuschauer säumten die Straßen, als der imposante Tross hoch zu Ross vorbeizog. Neben den 110 Reitern waren auch Musikgruppen aus Großschönach, Herdwangen, Aach-Linz, Wald sowie die Stadtmusik Pfullendorf bei der Prozession mit dabei.

Die Musikkapelle Großschönach war eine von fünf Musikgruppen, die für festliche Stimmung sorgten.
Die Musikkapelle Großschönach war eine von fünf Musikgruppen, die für festliche Stimmung sorgten. | Bild: Lorenz, Stefanie

Kleine Reiter ab etwa sechs Jahren winkten ebenso begeistert von ihren Pferden herab wie die arrivierten, älteren Teilnehmer – ein Ritt, der offensichtlich allen Generationen Freude bereitete. Das ideale, trockene, aber nicht heiße Wetter tat ein Übriges zum Gelingen des 162. Eulogiusritts.

Pferde werden gesegnet

„Zum Paraderitt, marsch!“, lautete das Kommando von Stefan Jäger anschließend. Den sanften Hügel der Festwiese ging es Gruppe für Gruppe mit Musik begleitet hinab – ein imposanter Anblick. Die Pferdesegnung ist ein Kernstück des Festes, war Eulogius doch unter anderem der Schutzheilige der Pferde. „Schütze sie vor Krankheit und halte alle schädlichen Einflüsse von ihnen fern“, erbat Bernd Gehrke bei der Segnung.

Bernd Gehrke, erzbischöflicher Sekretär aus Freiburger, stellte den heiligen Eulogius in den Mittelpunkt seiner Festpredigt.
Bernd Gehrke, erzbischöflicher Sekretär aus Freiburger, stellte den heiligen Eulogius in den Mittelpunkt seiner Festpredigt. | Bild: Lorenz, Stefanie

Festprediger Bernd Gehrke: Menschen sollten das Ziel haben, Originale zu sein

Während sich die Reiter zur neuen Flurprozession aufmachten, fand vor der Kirche der Freiluftgottesdienst statt. Der erzbischöfliche Sekretär stellte Eulogius ins Zentrum seiner Festpredigt, dessen „Licht noch heute hier auf diesem Berg leuchtet“, wie er betonte. Gehrke skizzierte den Heiligen als ein Original, das – getragen von Gottvertrauen – die Herausforderung annahm, vom Schmied zum Priester zu werden.

Das müsse das Ziel der Menschen sein, Originale zu werden – nicht nur Kopien, zum Beispiel von Vorbildern in sozialen Netzwerken. Originale, die wachsam seien, da, wo der Herr sie im Leben hinstelle. „Erst, wenn wir aufhören, andere zu kopieren und Originale sind, werden wir eine vielfältige Kirche sein. Lassen wir uns einladen vom Vorbild des Heiligen“, rief Bernd Gehrke die Gottesdienstbesucher auf.

„Eulogius, dir zum Preise erklinge unser Lied. Das Volk in frommer Weise zu deinem Bilde zieht“, sangen alle zum Abschluss, bevor das Fest rund um das Gasthaus Frieden mit gemütlichem Beisammensein ausklang.