Am Ortseingang von Herdwangen im Gewerbegebiet "Branden" stehen auf dem Betriebsgelände der Firma "Prinoth" auffällig lackierte Kettenfahrzeuge und mächtige Anbauteile, die für den weltweiten Versand bestimmt sind. Mehr als 400 Maschinen und etwa 50 Fahrzeuge werden jährlich von Herdwangen innerhalb Europa und weltweit nach Sibirien, Peru, Brasilien, USA, Australien, Kanada oder Afrika transportiert. Dort werden sie als Roder und Mulcher eingesetzt, um Dornengestrüpp zu beseitigen, alte Baumstümpfe zu zermahlen, um bislang unfruchtbares Land in wieder nutzbare Landwirtschaftsflächen umzuwandeln.

Beim Forstmulchen wird in einem Arbeitsgang der Altbestand, bestehend aus Wurfholz, Wurzelstöcken und ähnlichem Material, entfernt, zerkleinert, und dem Ökosystem in zerkleinerter Form zurückgeführt. Ein sehr wirtschaftlicher und nachhaltiger Prozess gegenüber alternativen Methoden.

Die Nachfrage nach den Innovationsprodukten steigt stetig. Deshalb sieht Michel van Wees, der sich mit Kai Fetscher die Geschäftsführung teilt, in den nächsten Jahren ein gutes Wachstumspotenzial. Mittelfristig wird der heimische Standort, an dem aktuell fast 100 Beschäftigte arbeiten, erweitert, viel Geld in die Automatisierung investiert und neue Arbeitsplätze geschaffen. "Das ungenutzte Land freimachen für landwirtschaftliche Bearbeitung ist unser Business", bringt Michel van Wees das Geschäftsmodell auf den Punkt, für das in Herdwangen die Maschinen und Fahrzeuge entwickelt und zusammengebaut werden.

Der Umsatz ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, weiteres Potenzial auf Wachstum in den nächsten Jahren wird angestrebt. Des Weiteren berichtet der Geschäftsführer von einem Modellprojekt auf Kuba, bei dem aktuell mehrere, selbstfahrende Kettenfahrzeuge aus Herdwangen eingesetzt sind. Sie sollen brachliegende Zuckerrohrflächen rekultivieren. "Das Unkraut wuchert dort extrem und riesige Dornenbüsche machen den Einsatz von bereiften Fahrzeugen oder gar Menschen unmöglich", erzählt van Wees aus eigener Erfahrung, da er das Gelände selbst besichtigt hat. Das gemulchte Material wird in ein Biomassekraftwerk transportiert und zur Energieerzeugung genutzt.

Durch die Aktion entsteht zusätzliches nutzbares Ackerland, ein positiver Effekt für kubanische Landwirte ganz nebenbei.

In Kanada läuft ein weiteres Mammutprojekt – acht Traktoren mit Fräsen und mehreren 640 PS starken Trägerfahrzeugen wandeln den Boden einer ehemaligen Eukalyptusplantage in Ackerland um. Sie zerkleinern in 40 Zentimeter Tiefe das Wurzelwerk der Eukalyptusstämme. "Die Traktoren fahren Tag und Nacht, bereits die Hälfte des 24 000 Hektar großen Areals haben sie schon geschafft", erklärt van Wees. In Russland mulchen Fahrzeuge der Reihe "Raptor 800" Baumstümpfe bis in der Erde, errichten Feuerschneisen, um die Ausbreitung von Waldbränden zu verhindern oder machen den Weg frei für kilometerlange Hochspannungsleitungstrassen oder andere Infrastrukturprojekte.

Erhöhen soll sich auch der lokale Bekanntheitsgrad der Firma, wobei der Nachwuchs und die Jugendarbeit vor Ort gefördert werden sollen. Deshalb ist die Firma als neuer Hauptsponsor beim Herdwanger SV eingestiegen, wie der Geschäftsführer bestätigt. Das Firmenlogo soll später das derzeit im Bau befindliche Vereinsheim zieren und auch im Gebäudeinnern will das Unternehmen die Besucher über diese Kooperation visuell informieren. "Wir sind ein lokaler Betrieb, der innerhalb einer großen Unternehmensgruppe weltweit unterwegs ist", verdeutlicht Michel van Wees abschließend die besondere Stellung des Standortes in Herdwangen.

Geschäftsführer Michel van Wees vor einem Raptor 800. <em>Bild: Siegfried Volk</em>
Geschäftsführer Michel van Wees vor einem Raptor 800. | Bild: Volk, Siegfried

Firma gehört zu einer internationalen Unternehmensgruppe

Die Prinoth AG ist ein italienischer Hersteller von Pistenfahrzeugen und Ketten-Nutzfahrzeugen. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Sterzing, Südtirol. Prinoth ist mit seiner Fahrzeugflotte sowohl in der Pistenpräparierung, als auch mit Nutzfahrzeugen für Vegetations- und Biomassemanagement tätig.

Das zur Leitner Gruppe gehörende Unternehmen entstand 1951, als der Rennfahrer und Konstrukteur Ernst Prinoth das Mutterhaus des heutigen Unternehmens, eine Autowerkstatt, eröffnete. Prinoth startete 1960 mit Experimenten für Pistenfahrzeuge. 1964 entstand als erstes Überschneefahrzeug die Pistenpräpariermaschine „P15“. 1970 wurde die Pistenpräparation der Ski-WM in Gröden mit Fahrzeugen von Prinoth durchgeführt. 2000 erfolgte eine Fusion der jeweiligen Pistenfahrzeugbereiche der Leitner AG und von Prinoth. 2005 wurde die Übernahme des Bereichs Pistenfahrzeuge von Camoplast (ehemals Bombardier) vollzogen. Im Jahr 2009 folgte eine Übernahme der Sparte Ketten-Nutzfahrzeuge Bombardier, und Gründung des Headquarters Prinoth LLC Canada. Im selben Jahre war die Eröffnung der Prinoth GmbH in Telfs, Österreich. Im 2011 übernahm Prinoth 51 Prozent der AHWI Maschinenbau in Herdwangen, und im Jahr 2016 dann 100 Prozent. Am heimischen Standort sind derzeit etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt, wobei in den nächsten Jahren weitere Jobs entstehen sollen.

Prinoth gehört zur Unternehmensgruppe High Technology Industries (HTI). Diese ist weltweit in den Geschäftsfeldern Seilförderanlagen, Pisten- und Kettennutzfahrzeuge, urbane Transportsysteme und Windenergie tätig. Seit 2011, mit dem neuen Geschäftsbereich der Schneeerzeugung, präsentiert sich die HTI als Komplettanbieter von Berg- und Wintertechnologie. Im Jahr 2017 erwirtschaftete die Gruppe mit 61 Tochtergesellschaften sowie 123 Verkaufs- und Servicestellen einen Umsatz von 877 Millionen Euro. Weltweit beschäftigt die Gruppe 3380 Mitarbeiter. (siv)