Das Interesse an der Fasnet ist in Herdwangen nach Einschätzung von Narrenpräsident Hubert Baur und Präsident a. D. Konrad Jäger vom Narrenverein Eselohren ungebrochen. Die Schnellergilde erlebt gerade einen starken Zulauf und die Tanzgruppe Silberschweif, die kurz vor der Auflösung stand, ist reaktiviert. Der Kinderball wird von Jahr zu Jahr größer, auch der Bürgerball ist und bleibt ein fester Bestandteil der Dorffasnacht. "Seit es die Bundschuhhalle gibt, in die mehr Zuschauer passen, findet er allerdings nicht mehr an zwei Abenden, sondern nur noch eimal statt", erklärt Baur. Aber es werde immer schwieriger, Akteure zu finden. Jäger, der sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert, erklärt: "Gerade junge Talente ziehen weg, wenn sie ein Studium oder eine Ausbildung anfangen."

Lange Zeit gehörten die von Schleppern gezogenen Fasnachtswagen bei den Eselohren zum festen Bestandteil der Umzüge.
Lange Zeit gehörten die von Schleppern gezogenen Fasnachtswagen bei den Eselohren zum festen Bestandteil der Umzüge. | Bild: Verein

Bestrebungen, die Herdwanger Fasnet größer als bisher aufzuziehen, bestehen nicht. Zwischen Dreikönigsschnellen und Kehraus stehen genügend Aktivitäten auf dem Narrenfahrplan. Ein XXL-Umzug mit vielen Gastzünften wie 2017 anlässlich des Vereinsjubiläums ist die Ausnahme. "In Herdwangen reicht uns der kleine Umzug am Schmotzige Dunschtig von der Ölmühle bis zum Rathaus." Bei diesem Ereignis bleiben die Eselohren unter sich. "Es gab jedoch Zeiten, da war die Umzugsstrecke länger und die Narren starteten in Ebratsweiler." Auch in Zukunft will der Verein an seiner Freiheit festhalten. Einmal abgesehen vom Zusammenschluss mit den Hilbhexen aus Kalkreute-Spöck, den Altheimer Drachen, Kehlbachratten Otterswang, Galgenrössern Hohenfels und Randemale Rengetsweiler zu den Narrenfreunden Linzgau wollen sich die Eselohren an keine Zunftvereinigung binden. "Wir mögen die bunte, ungezwungene Vielfalt", sagt Jäger.

Der Name Eselohren geht zurück auf die Zeit, als die Herdwanger Bauern mit bepackten Eseln zum Kloster Petershausen liefen, um den Zehnt abzuliefern. Es heißt, sie hätten mitunter nur die schlechte Ware nach Petershausen gebracht und die gute zuhause gelassen. Daher die Bezeichnung Zehntfuxer.
Der Name Eselohren geht zurück auf die Zeit, als die Herdwanger Bauern mit bepackten Eseln zum Kloster Petershausen liefen, um den Zehnt abzuliefern. Es heißt, sie hätten mitunter nur die schlechte Ware nach Petershausen gebracht und die gute zuhause gelassen. Daher die Bezeichnung Zehntfuxer. | Bild: Kirsten Johanson

Änderungen gab es natürlich durchaus: allen voran die Tatasche, dass keine Wagen mehr gebaut werden, was mit Versicherungsgründen und Sicherheitsauflagen zusammenhängt. Früher existierten bei den Eselohren keine Fußgruppen. Traktoren mit Hängern und Motorradgespanne wurden närrisch umgerüstet. Dabei orientierten sich die Wagenbauer nicht an der großen Politik, sondern am Dorfgeschehen oder dem Fasnachtsmotto.

Die Narreneltern, hier Benedikt Braun (links) und Willi Joos, dürfen bei der Herdwanger Fasnet nicht fehlen.
Die Narreneltern, hier Benedikt Braun (links) und Willi Joos, dürfen bei der Herdwanger Fasnet nicht fehlen. | Bild: Kirsten Johanson

Jäger erinnert sich, wie er 1977 zum Verein kam: "Ich war 15 Jahre alt und zum Glück hatte mein Kolleg' den Traktorführerschein, sodass wir einen Wagen bauen und am Umzug teilnehmen konnten." Auch die Struktur des Vereins hat sich geändert. Seit 2008 ist Hubert Baur Narrenpräsident und teilt sich die Aufgabe mit Maurice Amann und Rainer Neidhart. "Weil viele beruflich stark eingespannt sind, wollen wir die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen", erklärt Baur. Sein Sohn Tim ist ebenfalls aktiv bei den Eselohren. Der Zwölfjährige schnupperte bei der Zimmermannsgilde närrische Luft, wechselte dann aber zur Karbatsche. "Ich finde es cool bei den Schnellern." Ob er mal Ambitionen hat, im Vorstand mitzuwirken, wird sich noch zeigen. "Als ich 1993 gefragt wurde, ob ich in den Elferrat möchte, war es für mich eine Ehre. Heute sehen es viele eher als Belastung, wenn sie in einem Verein ein Amt übernehmen sollen", sagt Baur.

Narrenpräsident Hubert Baur mit seinem Sohn Tim, der bei den Schnellern ist.
Narrenpräsident Hubert Baur mit seinem Sohn Tim, der bei den Schnellern ist. | Bild: Kirsten Johanson

Was hat sich noch geändert? Eseltreiber Peter Müller, einst mit einem eigenen Tier und später mit einem "Mietesel" dabei, zieht inzwischen mit einem Esel aus Stoff durch die Gassen. Früher griff Heinrich Hauck zum Spaten, um das Loch für den Narrenbaum auszuheben. Heute ist die Vorrichtung einbetoniert. Da stand der Narrenbaum auch noch nicht zwischen Rathaus und Schule, sondern vor dem Gasthaus Adler, der heutigen Pilsbar Altes Haus. Apropos Adler. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es den Brauch der Fasnachtsspiele. Dazu luden die Narrengesellschaft und der Adlerwirt ein. Die Aufführungen hießen zum Beispiel "Des Onkels Schlafmütze", "Hansdusel vor dem Standesamt" oder "Der Stoffelbauer". Danach war laut Ankündigung "Tanzbelustigung" angesagt.

Die Schneller erleben derzeit einen starken Zulauf.
Die Schneller erleben derzeit einen starken Zulauf. | Bild: Kirsten Johanson

Wem dieser Tage der Sinn nach Tanzbelustigung steht, der sollte sich den Samstag, 3. Februar, vormerken. Da beginnt um 20 Uhr der Bürgerball in der Bundschuhhalle.

 

Die Herdwanger Eselohren

Der Narrenverein wurde 1957 gegründet, er hat 360 aktive und passive Mitglieder. Dem Eselstall gehören Zimmermannsgilde und Schneller an, außerdem Narrenrat, Griebeschmalzweible und die Tanzgruppe Silberschweif. Einzige Maskengruppe sind seit 1998 die Zehntfuxer. Regelmäßig nehmen die Eselohren an Umzügen auswärts teil, in Aach-Linz, Pfullendorf und Wald.