Im Januar 2018 hatte der Gemeinderat eine Basisanalyse zum Dorv-Projekt in Auftrag gegeben. Dorv steht für „Dienstleistung und ortsnahe Rundum-Versorgung“. Denn seit die Bäckerei Stehle im Februar 2017 den Betrieb eingestellt hat, gibt es im Ortsteil Großschönach keine Einkaufsmöglichkeit mehr.

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In der Gemeinderatssitzung am Dienstag stellte Heinz Frey von Spes die Basisanalyse vor. Er ist Geschäftsführer des Dorv-Zentrums im nordrhein-westfälischen Jülich-Barmen. Seine Kernaussage: Ein Nahversorgungszentrum in Großschönach nach dem Dorv-Konzept ist machbar. Was sich allerdings nicht rechnet, sei ein rein kaufmännisches, betriebswirtschaftliches Modell. "Wir empfehlen eine bürgerschaftliche Lösung." Er betonte, Spes wolle nicht als bevormundender Besserwisser auftreten, sondern als Berater und Begleiter.

Umsatz von 66 Cent je Einwohner und Tag

Für die Berechnungen wurden 1791 Einwohner herangezogen, davon 893 aus Groß- und Kleinschönach sowie dem Stockfeld. Deren Kaufkraft bezifferte Frey mit rund 10 700 Euro pro Tag. Bei einem angenommenen Jahresumsatz im Dorv-Zentrum von 426 000 Euro entspricht das bei 1791 Einwohnerwerten einem Umsatz von 66 Cent je Einwohner und Tag. Geht man davon aus, dass täglich zwischen 130 und 170 Kunden das Dorv-Zentrum nutzen, müsste jeder dieser Kunden knapp acht Euro ausgeben.

Vorhandene Strukturen stärken

Als mögliche Standorte wurden die Scheune beim Pfarrhaus, die ehemalige Bäckerei Stehle, ein Neubau oder das alte Rathaus genannt, wobei das alte Rathaus aus Freys Sicht am meisten Sinn macht. „Es geht nicht darum, Bestehendes zu verdrängen, sondern zu kooperieren und vorhandene Strukturen zu stärken“, erklärte Frey. Die Einbindung von regionalen Anbietern sei ganz wichtig. Das könne beispielsweise der Bauer sein, der seine Erzeugnisse direkt vermarktet, oder die örtliche Nachbarschaftshilfe. Ein klassischer Dorfladen hat laut Freys keine Chance.

Regionale Lebensmittel plus Dienstleistungen

Die Nahversorgung in kleinen Gemeinden müsse multifunktional sein, also nicht nur regionale Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs im Blick haben, sondern auch eine Vielzahl von Dienstleistungen wie etwa Post- und Paketdienst, Reinigungsannahme, Pick-up-Station oder Apotheken-Bringdienst. Denkbar seien die Einrichtung eines Cafés, Sozial- und Rentenberatung, ehrenamtliche Reparaturdienste oder Hausaufgabenbetreuung sowie weitere Angebote im kommunikativen, sozialen und kulturellen Bereich, um Frequenz zu bringen.

Fragebogenaktion vorgeschlagen

Ehrenamtliches Engagement der Bürger und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen seien gefragt. „Hier muss Überzeugungsarbeit geleistet werden“, so Frey. Um ein Konzept zu entwickeln, müssten an alle Haushalte Fragebögen verteilt und Workshops angedacht werden.

Erst einmal Angebot für eine Bedarfsanalyse

In der Diskussion zeigte sich, dass das Gremium nach der Basisanalyse noch einen Schritt weiter gehen und das Projekt nicht an dieser Stelle abbrechen will. „Wir sollten auf jeden Fall die Bevölkerung einbeziehen. Wenn keine Resonanz kommt, können wir das Projekt immer noch stoppen“, sagte Peter Atzenhofer. Der Gemeinderat hat beschlossen, bei Spes ein Angebot für eine Bedarfsanalyse einzuholen, dieses zu prüfen und erst dann zu entscheiden, ob eine solche Analyse in Auftrag gegeben wird. In dem Fall werden die Bürger dazu befragt, wie sie zum Dorv-Modell stehen, ob Bedarf da ist und wie groß die Bereitschaft ist, sich aktiv einzubringen.