Grab von Agnes von Haeften

Einen sicherlich einzigartigen Ort im Reigen der oberschwäbischen Denkorte des Denkstättenkuratoriums NS-Dokumentation Oberschwaben bildet ein schlichtes Grab auf dem Friedhof in Großschönach. Es handelt sich um das Grab der aus Berlin-Dahlem stammenden Agnes von Haeften. Sie ist Mutter der beiden Brüder Werner und Hans-Bernd von Haeften, die am Stauffenberg-Putsch vom 20. Juli 1944 in vorderster Reihe beteiligt waren und vom Regime hingerichtet wurden.

In den Linzgau evakuiert

Agnes von Haeften wurde bei Kriegsende von Kurt Hahn, dem Gründer des nahen Internats Salem, zusammen mit den Überlebenden der Familie hierher evakuiert, verstarb bald und wurde auf dem Friedhof Großschönach beerdigt. „Immer wieder gelang es seither, das von Auflassung bedrohte Grab zu erhalten“, erklärt dazu Frieder Kammerer von der Reservistenkameradschaft, dass man dies 2014 durch eine gemeinsame Initiative mit dem Familienverband, der Gemeinde und dem Landkreis erreichte, und die Grabstelle denkmalrechtlich gesichert wurde.

Gedenkpunkt für Widerstandskämpfer

Das mütterliche Grab, dessen Pflege zukünftig die Reservistenkameradschaft Oberer Linzgau übernehmen wird, sei als stofflicher Bezugs- und Gedenkpunkt für die Widerstandskämpfer zu verstehen. Denn die hingerichteten Brüder seien nirgendwo bestattet, wie Kammerer erklärt. „Agnes van Haeften selbst mag zwar keine Widerstandskämpferin gewesen sein, aber sie hat ihre Kinder zu den Menschen erzogen, die sie geworden sind.“

Gedenkfeier am 21. Juli

Angesichts des zunehmenden Populismus, Rassismus und Rechtsradikalimus möchte die Reservistenkameradschaft am kommenden Sonntag, 21. Juli, mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof von Großschönach ein Zeichen setzen. Um 12 Uhr wird der Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg, Oberst Christian Walkling als oberster territorialer Kommandeur der Bundeswehr in Baden-Württemberg, eine Gedenkansprache halten, von den örtlichen Reservisten und dem Musikverein würdig umrahmt.

Grußwort von Baron Stauffenberg

Nach einer Kranzniederlegung am Grab wird im nahen Gemeindesaal in der Ortsmitte Gelegenheit zu Grußworten sein, wobei neben dem Schulleiter der Schlossschule Salem und dem Kreisarchivar auch Baron Stauffenberg aus Wilflingen ein Vertreter des Familienverbands von Haeften sprechen werden. Angemeldet haben sich auch der ehemalige Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan als Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft sowie Oberst Albrecht Katz-Kupke, Kommandeur der Staufer-Kaserne in Pfullendorf.

Plakatausstellung in der Ramsberghalle

„Wir freuen uns auf viele ehemalige oder aktive Soldaten und Reservisten, gerne auch im Dienstanzug, sowie natürlich auf alle an einer militärischen Gedenkveranstaltung Interessierten“, ergänzt Kammerer, dass es sich um die offizielle Veranstaltung der Bundeswehr anlässlich des 75. Jahrestages in Baden-Württemberg handelt. Am Nachmittag wird gegen 15 Uhr eine Plakatausstellung in 22 Bildtafeln zu sehen sein, die sich mit dem Attentat und Staatsstreichversuch am 20. Juli 1944 befasst. Zur Verfügung gestellt werden die Exponate vom militärhistorischen Museum der Bundeswehr aus Dresden.