Sie entführte die Zuhörer in der Bundschuhhalle in die Savanne bei Totos "Africa" und in die witzige Trickfilmstadt Zoomania beim poppigen Filmsong "Try Everything", um sie am Ende noch so richtig "gaga" zu machen – mit Songs der Popikone Lady Gaga. Mit gerade einmal 21 Jahren legte die sympathische Julia Kellenberger am Samstagabend eine gelungene Premiere auf die Bühne. Denn in Herdwangen war es das erste Mal, dass sie gemeinsam mit Dominik Hönig den Auftritt der Jugendkapelle Alhegro beim Jahreskonzert des Musikvereins gestaltete und leitete. Im vergangenen Jahr hatte sie den Taktstock von Barbara Petersen übernommen. In Aach-Linz hatte Kellenberger ihr Können bereits in diesem Frühjahr gezeigt.

In der voll besetzten Bundschuhhalle lauschen die Zuhörer den schönen Klängen von Alhegro und vom Musikverein Herdwangen.
In der voll besetzten Bundschuhhalle lauschen die Zuhörer den schönen Klängen von Alhegro und vom Musikverein Herdwangen. | Bild: Lorenz, Stefanie

"Motivation wird bei uns groß geschrieben", hatten die beiden coolen Alhegro-Moderatoren Manuel Muffler und Christoph Nufer versprochen – und das ganz zu Recht. Vor Spielfreude schienen die Funken zu sprühen bei den jungen Instrumentalisten und ihrer Dirigentin. Da wurde mit den Fingern geschnipst, wurden Hände gerieben und Schenkel geklopft, um die modernen, poppigen Töne mit vollem Körpereinsatz noch zu ergänzen – eine neue Generation von Blasmusik, die richtig Spaß macht. Und auch bei den leisen Tönen konnten die "Alhegros" voll punkten: Mit dem zum Balladen-Bändiger erklärten Dominik Hönig lieferten sie bei "The Glory of Love" einfühlsame, zarte Melodien zum Schwelgen.

Ein starkes Dirigententeam: Julia Kellenberger und Dominik Hönig strahlen mit der Jugendkapelle um die Wette nach einem rundum gelungenen Auftritt mit moderner Blasmusik.
Ein starkes Dirigententeam: Julia Kellenberger und Dominik Hönig strahlen mit der Jugendkapelle um die Wette nach einem rundum gelungenen Auftritt mit moderner Blasmusik. | Bild: Lorenz, Stefanie

Frischer Wind auf der einen Seite, geballte Erfahrung auf der anderen: Seit einem stolzen Vierteljahrhundert ist Benno Petersen als Dirigent des Musikvereins aktiv. Große Wertschätzung wird seiner sicheren, kompetenten Hand entgegengebracht, wie die warmherzigen Worte bei seiner Ehrung am Samstag durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Blasmusikverband Sigmaringen, Stefan Blender, bewiesen. In dieser multimedialen Zeit, in der es im Internet perfekte Versionen der Lieder gibt, sei es nicht immer einfach für die Mitglieder eines Musikvereins, betonte Petersen. Doch diese Herausforderung werde gut gemeistert. "Wir sind schon ein guter, verrückter Haufen", zitierte er die Worte von Robin Hood.

Letzter stand im Mittelpunkt einer wunderbaren symphonischen Suite im Konzertteil des Musikvereins Herdwangen. Der gefährliche Sherwood Forest wurde auf der Bühne lebendig, das Stück barg aber auch leise, romantische Töne, etwa beim sanften Oboen-Solo von Marina Roth. Apropos Solo: Hier konnte an diesem Abend Björn Petersen besonders viel Applaus absahnen mit seinen "Xylo Classics". "Fliegende Hände" hatten ihm die charmanten Musikverein-Moderatorinnen Barbara Petersen und Katharina Brehm attestiert und wahrlich schienen die Xylophon-Klöppel nicht mehr still zu stehen.

Bild: Lorenz, Stefanie

Die weiteren Stücke des Musikvereins, wie etwa "Oregon", bestachen durch anspruchsvolle Tempo- und Taktwechsel und zum Teil außergewöhnliche Taktarten. Beim großen Schlussbild mit allen Musikern auf der Bühne wurde es an diesem Vorabend des ersten Advents doch noch weihnachtlich, als gemeinsam "Walking in a Winter Wonderland" gespielt wurde. Die Zuhörer verabschiedeten sich mit donnerndem Applaus.

"Freue mich über das Lächeln der Musiker"

Julia Kellenberger hat Ende vergangenen Jahres den Taktstock bei der Jugendkapelle Alhegro übernommen.

Frau Kellenberger, wie sind Sie mit ihrem ersten Auftritt als Dirigentin in Herdwangen zufrieden?

Es ist alles so gelaufen, wie ich es mir erhofft hatte. Ich freue mich, wenn ich das Lächeln der Musiker sehe.

Waren Sie aufgergt vor dem Auftritt?

Nein, nicht im negativen Sinn. Ich hatte kein Lampenfieber, sondern einfach nur eine riesige Vorfreude auf das Konzert.

Wie haben die jungen Musiker Sie aufgenommen bei den Proben?

Alle haben super mitgearbeitet. Ich bin ja keine Unbekannte, spiele schon seit fast zehn Jahren als Musikerin mit. Da gab es überhaupt keine Probleme.

Und die wöchentlichen Proben waren mit ihrem Studium der Erziehungswissenschaften in Freiburg vereinbar?

Das hat sehr gut geklappt. Ich konnte bis auf eine Probe immer anwesend sein.

Sie leiten die Jugendkapelle Alhegro gemeinsam mit Dominik Hönig.

Dominik und ich sind ein Team und konnten uns gegenseitig unterstützen und helfen. (slo)