Zuhörer aus Alberweiler hatten sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung eingefunden, um sich beim Tagesordnungspunkt "Fragen aus der Bevölkerung" zu Wort zu melden. Die Fortschreibung des "Regionalplans oberflächennahe Rohstoffe für die Region Hochrhein-Bodensee" war der Grund, warum die Bürger ihrem Ärger Luft machten.

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In Alberweiler besteht die Sorge, dass möglicherweise bald Kies in direkter Nachbarschaft abgebaut wird. Das geht aus Sicht der Anwohner zulasten ihrer Lebensqualität. Das Gebiet Vogelsang, das von einem sogenannten Sicherungsgebiet in ein Abbaugebiet umgewandelt werden soll, liegt zwar auf Gemarkung Hohenfels, grenzt aber dicht an Alberweiler und den Schlosserhof und damit an die Gemeinde Herdwangen-Schönach an.

"Und irgendwann können wir bis in die Schweiz gucken"

Die Alberweiler befürchten negative Auswirkungen in Form von Lärm, Staub und mehr Verkehr durch Lastwagen. "Wir hatten gestern ein privates Infoschreiben im Briefkasten, ich wusste bislang gar nichts von dem Vorhaben", monierte eine Anwohnerin. Sie sieht zudem die Brutplätze des Milans in Gefahr. "Es wäre ein enormer Wertverlust für ganz Alberweiler, unterhalb einer Kiesgrube zu wohnen", so ein anderer Bürger. Auch wurde gemutmaßt, dass die Bagger, so sie erst einmal da seien, nicht nach den im Plan vorgesehenen acht bis zehn Jahren wieder abgezogen werden. "Und irgendwann können wir bis in die Schweiz gucken."

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Bürgermeister Ralph Gerster sagte, Herdwangen-Schönach sei nicht Verfahrensträger, sondern der Regionalverband, der seine Pläne im November veröffentlicht habe. Die Ausweisung eines Abbaugebiets sei zunächst eine planerische Festlegung und beinhalte keine sofortige Abbaugenehmigung. Dafür sei in einem zweiten Schritt das Landratsamt Konstanz zuständig. Die Gemeinde Herdwangen-Schönach werde in Abstimmung mit der Gemeinde Hohenfels und Bürgermeister Florian Zindeler eine Stellungnahme abgeben. Diese las Gerster später vor.

Zeitraum von acht bis zehn Jahren geplant

Auch die Bürger könnten ihrerseits als Privatpersonen Stellung nehmen. "Das ist Ihr gutes Recht", sagte Gerster. Im möglichen Abbaugebiet Vogelsang will die Firma Valet und Ott nach Genehmigung das geschätzte Vorkommen von rund 800 000 Tonnen Kies mit einem Bagger und einem Radlader in einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren im Trockenabbau abbauen, informierte Gerster. Es sei kein Dauerbetrieb geplant, für die Gewinnung und den Abtransport seien jährlich drei bis vier Monate angedacht. Kies und Sand sollen zur Aufbereitung in das Kieswerk nach Zoznegg oder Schwackenreute abtransportiert werden.

Kein Abtransport über Herdwangen-Schönach

Um das Abbaugebiet herum bleibe laut Information der Kiesgrubenbetreiber ein Waldstreifen als Sicht-, Lärm- und Staubschutz bestehen. Die Verwaltung hatte eine Stellungnahme erarbeitet, die das Gremium einstimmig beschloss. Darin werden konkretere Angaben zu Abbauperioden und täglichen Abbauzeiten, zu Schutz- und Abstandsflächen gefordert. Auch sollen die Immissionsbelastungen für Alberweiler und Schlosserhof geprüft werden. Mit Blick auf die Verkehrsbelastung durch Lastwagen soll es keinen Abtransport über die Gemarkung Herdwangen-Schönach geben.

"Ich kann die Bedenken der Bürger nachvollziehen"

Ergänzt wurde die Stellungnahme um den Zusatz, dass am Standort Vogelsang keine Aufbereitung stattfinden soll. Gemeinderat Michael Rothweiler betonte: "Ich kann die Bedenken der Bürger nachvollziehen. Doch die Fläche gehört uns nicht und wir können darüber nicht bestimmen. Mein Rat an die Alberweiler: Geht auf die Barrikaden."