Im Freilichtmuseum auf der Heuneburg und im Heuneburgmuseum in Hundersingen ging es beim Landesarchäologietag um das Thema "Archäologie und Holz". Das Dendrolabor des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, das in Hemmenhofen am Bodensee ansässig ist, zeigte den Besuchern welche Informationen Hölzern und sogar Holzkohle heute noch zu entlocken sind und wie das eigentlich geht. Die Fachwissenschaftler boten Einblicke in die geheimnisvolle Welt des Holzes, die für die Altertumsforscher eine Fülle von Informationen bietet, für den Laien aber meistens im Dunkeln bleibt. Wer kann schon aus einem kleinen Stückchen verkohltem Holz detaillierte Informationen über die Siedlungsgeschichte der Kelten herauslesen?

Wegen des schlechten Wetters zog es am Sonntag keine großen Besucherscharen ins Keltenmuseum in der Ortsmitte von Hundersingen und auf das riesige Areal des Freilichtmuseum an der Straße nach Binzwangen. Doch wer sich die Zeit nahm, der konnte in die Welt der Kelten eintauchen, jenem Volk, das eine ganze Menge an Geheimnissen aufzuweisen hat.

Im Freilichtmuseum zeigte die Living History Gruppe "Heuneburg-Kelten" rekonstruierte Kleidung und keltisches Handwerk in den Gebäuden an der Lehmziegelmauer. Da wurde schnell deutlich, dass die Kelten eine bemerkenswerte Kultur entwickelt hatten und weitreichende Verbindungen nach Südeuropa pflegten.

Ein absoluter Kenner der Heuneburgkultur ist Professor Dirk Krausse. Er ist Landeskonservator und Landesarchäologe beim Landesamt für Denkmalspflege in Esslingen und bei der Behörde auch für die Heuneburg zuständig. Er hat seit 2003 die Grabungen auf dem weitläufigen Areal geleitet. "Erstmals war ich als Student im Jahr 1985 hier", schmunzelt er und erinnert sich an den großen Acker, der damals das Festungsplateau bedeckte. Gegraben wird auch heute noch. Am Sonntag war es Archäologe und Grabungstechniker Ralph Hartmayer, der kleine Stückchen Holzkohle aus der Erde holte. Seit Januar 2009 ist er vor Ort und hat eine ganze Menge an Relikten aus der Vergangenheit ans Tageslicht befördert. Da darf die Frage nicht ausbleiben, warum er ausgerechnet an dieser Stelle den Spaten angesetzt hat. "Luftbildarchäologie", er zeigt Aufnahmen, auf denen der Fachmann Siedlungsspuren auch unter der Erddeckschicht erkennen kann. Diese werden freigelegt und genau untersucht. Werden dabei Holzreste entdeckt, ist es die Aufgabe von Oliver Nelle und seinen Kollegen, diese zu untersuchen, in eine Epoche einzuordnen. Er ist Leiter des Dendrochronologischen Instituts in Hemmenhofen am Bodensee. Mittels Mikroskopie und anderen Methoden entlockt er dem Holz Informationen aus der Vergangenheit. "Eine sehr spannende Sache", sagt er und freut sich über das Interesse der Besucher. Wann kann man schon mal einem Wissenschaftler über die Schulter schauen? Am Sonntag war das möglich.

Beim Rundgang mit Dirk Krausse darf die Frage nach den Besucherzahlen nicht fehlen. "So etwa 25 000 bis 30 000 sind es pro Jahr", sagt der Archäologe. Der Besuch von Schulklassen sei leider etwas zurückgegangen. Krausse: "Wir haben aber viele Gruppen und Busgesellschaften und es sind keineswegs nur Geschichts- und Heimatkundler." Ihm ist es sehr wichtig, auch Familien mit Kindern für die Heuneburg zu interessieren. Deshalb gibt es immer wieder spezielle Angebote, an denen Kinder mitmachen können. Am Sonntag bestand die Möglichkeit, sich in der Keltenwerkstatt aktiv zu beteiligen. Am kommenden Sonntag wird um 14 Uhr im Museum in Hundersingen die Sonderausstellung "Der Unlinger Reiter – Kelten, Pferde, Wagenlenker" eröffnet. Dabei werden erstmals die restaurierten Originalfunde aus den im vergangenen Jahr in Unlingen vom Landesamt für Denkmalpflege bei einer Rettungsgrabung geborgenen keltischen Gräbern präsentiert. Auf dem neu aufgebauten Reitplatz im Freilichtmuseum sind zusammen mit der experimentalarchäologischen keltischen Reitergruppe "Luerica" Showprogramme geplant.

 

Baumzeitkunde

Jedes Holz archiviert Informationen zu den Wuchsbedingungen des Baumes, von dem es stammt. Dendrochronologen (Baumzeitkundler) sind Fachwissenschaftler, die Baumjahrringe messen. Sie lesen Informationen aus, um Hölzer jahrgenau zu datieren. Denn das Wachstum des Baumes hängt stark von der Witterung im Jahresverlauf ab, und diese ist regional ähnlich. Dies ermöglicht den Aufbau von Jahrringkalendern. Darüber hinaus erfahren die Wissenschaftler in den Jahrringen etwas über den Waldzustand und die Art der Nutzung des Waldes durch den Menschen.

Als Datierungsmethode ist die Dendrochronologie in der Denkmalpflege unverzichtbar. Zudem trägt sie im interdisziplinären Verbund mit anderen Wissenschaften zur Rekonstruktion vergangener Umweltverhältnisse bei, wie am Beispiel der Pfahlbauforschung in Uhldingen oder der Besiedlung auf der Heuneburg. (kf)