Ein deutliches Bekenntnis zur Stärkung des ländlichen Raumes legte der baden-württembergische Justiz- und Tourismusminister und Tuttlinger Wahlkreisabgeordnete Guido Wolf ab. Wolf besuchte am Dienstag offiziell die Gemeinde Buchheim. Nach einem Treffen im Rathaus mit Gemeinderatsmitgliedern und den beiden Bürgermeisterinnen Claudette Kölzow (Buchheim) und Heike Ollech (Gunningen) bestieg der Minister den Buchheimer Hans. Guido Wolf erklärte, er habe Wert darauf gelegt, die beiden einzigen Frauen im Bürgermeisteramt im Landkreis Tuttlingen zu treffen. Ihm ginge es darum, damit den Stellenwert der Frau sowohl im beruflichen, wie im sozialen und politischen Umfeld zu betonen.

Rathauschefinnen berichten von Problemen

Die beiden Rathauschefinnen betonten, es gebe für sie als Bürgermeisterinnen keine Probleme mit den männlichen Kollegen. Die Probleme von Kölzow und Ollech gelten eher der Sorge um die Zukunft ihrer kleinen Gemeinden. Gunningen und Buchheim gehören mit jeweils rund 700 Einwohnern zu den kleinen Kommunen im Landkreis Tuttlingen. Eines der Probleme ist die Bagatellgrenze bei der Förderung kommunaler Projekte. Als Beispiel nannte Claudette Kölzow die 100 000-Euro-Mindestgrenze für die Förderung von Radwegprojekten.

Weniger Fördermöglichkeiten in kleinen Gemeinden

Sie erläuterte: "Im Nachbarort Thalheim gibt es das Naturbad. Leider ist der Radweg dorthin noch nicht durchgängig." Dieser Lückenschluss koste jedoch weniger als 100 000 Euro und sei deshalb nicht zuschussfähig. Ohne Zuschuss könne sich die kleine Gemeinde den für den Tourismus wichtigen Radwegebau nicht leisten. Durch solche Bagatellgrenzen fühlen die beiden Kommunalpolitikerinnen die Belange ihrer kleinen Gemeinden gestört. Alles sei eben in einem kleinen Dorf eine Nummer kleiner als in größeren Kommunen. Das gelte in ihren Gemeinden für Projekt sowie die zur Verfügung stehenden Finanzen, so die Meinung der beiden Rathauschefinnen.

Vom Buchheimer Hans aus genoss Justizminister Guido Wolf zusammen mit Buchheims Bürgermeisterin Claudette Kölzow den weiten Blick über die Alb.
Vom Buchheimer Hans aus genoss Justizminister Guido Wolf zusammen mit Buchheims Bürgermeisterin Claudette Kölzow den weiten Blick über die Alb. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Ein anderes Problem der Bürgermeisterinnen und ihrer kleinen Verwaltungen sind die nach ihren Beobachtungen ständig steigenden Anforderungen an die Erhebung kommunaler Statistiken. Zahlenwerke, die früher jedes halbe Jahr vom Statistischen Landesamt angefordert worden seien, müssten heute in umfangreicherer Form in jedem Quartal erhoben werden. Der Justizminister und Landtagsabgeordnete versprach, bei nächster Gelegenheit mit der Vertreterin der baden-württembergischen Statistikbehörde über dieses Thema zu sprechen.

Guido Wolf erkundigte sich bei Claudette Kölzow (rechts) und Heike Ollech (Zwetie von rechts) nach ihren Erfahrungen im Bürgermeisteramt. Zur Gesprächsrunde gehörten auch Veronika Schorer von der Planstatt Senner und Gemeinderatsmitglied Lars Schmid (links).
Guido Wolf erkundigte sich bei Claudette Kölzow (rechts) und Heike Ollech (Zwetie von rechts) nach ihren Erfahrungen im Bürgermeisteramt. Zur Gesprächsrunde gehörten auch Veronika Schorer von der Planstatt Senner und Gemeinderatsmitglied Lars Schmid (links). | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Von solchen Schwierigkeiten lassen sich die Buchheimer nicht davon abhalten, ihr Lebensumfeld Dorf weiter zu optimieren. Davon konnte sich der Besucher aus Stuttgart beim Friedhof überzeugen. Noch in diesem Jahr soll das Friedhofsumfeld im Rahmen des Tourismusinfrastrukturprogramms für rund 55 000 Euro neu gestaltet werden. Der Minister ließ sich an Ort und Stelle die Pläne von Veronika Schorer, einer Mitarbeiterin des Büros Planstatt Senner, erläutern.

Weitere Projekte stehen im Ort an

Das nächste größere Projekt steht für die Buchheimer aber schon an. Das Rathaus und die Grundschule sollen von Grund auf saniert und erneuert werden. Noch liegen keine Kostenberechnungen vor. Die Bürgermeisterin rechnet aber mit einem großen Projekt, das die Gemeinde für Jahre finanziell binden werde. Sehr zufrieden zeigte sich Claudette Kölzow mit der Bevölkerungsentwicklung in Buchheim. Sieben von zehn Bauplätzen sind bereits verkauft. Unter den zukünftigen Bauherrn seien auch Familien mit Kindern. Im Kindergarten musste eine zusätzliche Kleingruppe eingerichtet werden.