Herr Fritz, was bewog Sie 1977, auf die kommunalpolitische Bühne zu treten?

Ich war damals Diozösanleiter bei der katholischen Landjugend. Wir hatten damals einen Aktionsschwerpunkt "Verantwortung übernehmen für das Dorf". Als es dann darum ging, wer neuer Bürgermeister werden soll, habe ich mich zur Kandidatur entschlossen.

Sie waren damals 25 Jahre alt. Dennoch war für Sie die Kommunalpolitik kein Buch mit sieben Siegeln. Woher kam das?

Ich habe mich schon seit meiner Jugendzeit für das Dorfgeschehen interessiert. Meine Eltern betrieben das Gasthaus "Freier Stein", dort fanden die entsprechenden politischen Versammlungen statt. Ich hörte gerne zu und wusste deshalb 1977 genau, wo der kommunalpolitische Hase in Buchheim langläuft.

Bis heute betreiben Sie mit ihrer Familie den "Freien Stein". Wie haben Sie die Doppelbelastung als Gastwirt und Bürgermeister in all den Jahren geschafft?

Ich bin ja noch Organist in unserer Dorfkirche und leite den Kirchenchor. Ja, Sie haben Recht. Mit einem normalen Acht-Stunden-Tag ist so eine Aufgabe nicht zu leisten. Ich wurde in all diesen Jahren von meiner Familie unterstützt. Die guten Ergebnisse bei meinen Wiederwahlen zeigten mir, dass die Bevölkerung hinter mir steht.

Welche Rolle spielt in Ihrem Bürgermeister-Alltag der Gemeindeverwaltungsverband Donau-Heuberg?

Zunächst war der GVV die Voraussetzung dafür, dass wir als selbstständige Gemeinde die Kommunal- und Kreisreform überstanden haben. Der GVV mit Sitz in Fridingen erledigt für die Mitgliedsgemeinden beispielsweise das Planungs- und das Baurecht und übernimmt die Finanzverwaltung. Im Buchheimer Rathaus arbeiten deshalb außer mir als Halbtagskräfte nur noch die beiden Sekretärinnen.

Was hat sich in Buchheim seit 1977 verändert?

Wenn man nur auf die Einwohnerstatistik blicken würde, nicht dramatisch viel. Damals waren es 540 Einwohner, heute sind es 670. Wir haben es aber dennoch geschafft, eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Gerade in letzter Zeit konnten wir den Zuzug junger Familien registrieren. Das gibt Grund zum Optimismus für die kommenden Jahre.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Ja, wir haben ja nicht nur einen Kindergarten, sondern konnten durch ein Programm des damaligen Kultusministers Mayer-Vorfelder die einige Jahre geschlossene Grundschule wieder in Betrieb nehmen. Dort werden gegenwärtig 37 Jungen und Mädchen unterrichtet.

Was steht in der letzten Phase Ihrer Amtszeit noch an?

Wir modernisieren in diesem Jahr für 2,2 Millionen Euro unser Bürgerhaus, in dem auch der Kindergarten untergebracht ist, aus den 80er Jahren. Unter anderem wird ein Aufzug eingebaut, ein zweiter Fluchtweg geschaffen und eine Kinderkrippe eingerichtet.

Welches finanzielle Erbe hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger?

Die Pro-Kopf-Verschuldung ist in den letzten Jahrzehnten von 2300 auf 1000 Euro gesunken. Wir haben zur Zeit 650 000 Euro in der Rücklage.

Fragen: Hermann-Peter Steinmüller

 

Zur Person

Hans-Peter Fritz wurde am 2. April 1952 in Buchheim geboren. Zusammen mit seinen Geschwistern war er schon früh in den Alltag im "Freien Stein" eingebunden. Als er zum ersten Mal als ehrenamtlicher Bürgermeister gewählt wurde, kümmerte er sich um die damals noch mit der Gastwirtschaft betriebene Landwirtschaft. Nach Aufgabe der Landwirtschaft engagierte sich Fritz hauptberuflich als Gastwirt. Diesen Betrieb wird er im Laufe dieses Jahres in die Hände seiner Töchter übergeben. Fritz ist CDU-Mitglied. (hps)