Beuron Im Rahmen des Geistlichen Treffpunkts im Kloster Beuron referierte Kunsthistorikerin Carina Schäfer aus Tuttlingen über die Künstler Maurice Denis und Pater Willibrord Verkade OSB. Anhand der Briefe, die sich die beiden zwischen 1892 und 1943 schrieben, erläuterte sie die Bedeutung der Freundschaft der beiden zueinander sowie deren Auswirkung auf die persönliche und künstlerische Entwicklung. Des Weiteren ging sie auf die Künstlergruppe der Nabis ein, der sowohl Denis als auch Verkade angehörten.

Bruder Jakobus Kaffanke erläuterte vorab, dass die Bezeichnung Nabi aus dem Hebräischen stamme und Prophet oder Rufer Gottes bedeute. In diesem Sinne hätten sich die Künstler dieser Künstlergruppe verstanden. Sie wollten sich nicht etwa selbst verwirklichen, sondern hätten einen inneren Auftrag gespürt, das auszudrücken, was ihnen der Geist eingibt. „Sie hatten eine Botschaft“, erklärte Kaffanke. Der Holländer Jan Verkade, wie sein bürgerlicher Name lautete, sei 1893 auf dem Rückweg von einer Kunstreise nach Italien zum ersten Mal nach Beuron gekommen. Er hatte von einem Kloster gehört, in dem die Mönche auch malen. Das habe ihn neugierig gemacht. Später sei er im Kloster geblieben.

Carina Schäfer, Kuratorin der Verkade-Ausstellung in Kloster Beuron, befasst sich bereits seit Längerem mit dem Künstler und arbeitet an einer Edition der Briefkorrespondenz zwischen Verkade und Denis. In einem biografischen Abriss schilderte sie die vielfachen Tätigkeiten und Begabungen von Maurice Denis und Willibrord Verkade, die sich 1891 zum ersten Mal in Paris begegneten. Ihre in Französisch geschriebenen Briefe seien geprägt von gegenseitigem Respekt und Hochachtung. Ebenso finde man in ihnen eine Fülle von Detailinformationen zu verschiedensten Themen.

Verkade, in der Abgeschiedenheit Beurons lebend, habe bei Denis Schutz vor der künstlerischen Vereinsamung gesucht, und Denis bei Verkade Klarheit. Beide hätten sie den charismatischen Maler Paul Gauguin bewundert, der ebenfalls Mitglied der Nabis war. Gauguin habe ihren künstlerischen Stil beeinflusst. Doch auch Verkade muss in den 1920er-Jahren großen Einfluss gehabt haben – bis ins Bauhaus hinein, erklärte Carina Schäfer auf eine Frage aus dem Publikum. Warum Verkade sein Gesamtwerk nicht im Kloster beließ, wollte ein weiterer Zuhörer wissen. Der Maler muss große Angst gehabt haben, dass seine Sachen nach seinem Tod zerstört werden, deshalb habe er bewusst seine Habe dorthin zerstreut, wo er dachte, sie sei gut untergebracht. Insofern sei es möglich, dass noch weitere Werke auftauchen.

„Je mehr man sich mit Verkade befasst, desto mehr Fragen tauchen auf“, beschrieb die Kunsthistorikerin nach ihrem interessanten und informativen Vortrag. Es bleibe weiter spannend, sich mit dem Maler, der Mönch im Kloster Beuron war, auseinanderzusetzen.