Zu Beuron besaß Frieda Loebenstein einen besonderen Bezug, da das Kloster zu jener Zeit durch seine Gregorianik als eine Hochburg der Musiktheorie galt.

Bruder Jakobus Kaffanke begrüßte die Gäste und stellte die Referentin vor. Der Kontakt zum Kloster Beuron sei durch die Recherchen von Eva Erben vor Ort entstanden, denn Frieda Loebenstein habe einen intensiven Austausch mit den dortigen Mönchen, im Besonderen mit Pater Korbinian Gindele, gepflegt, mit dem sie auch ein Buch herausgegeben habe. Auf die Frage aus dem Publikum, wie sie darauf gekommen sei, sich mit Frieda Loebenstein zu beschäftigen, erzählte Erben, dass sie in einem Lehrbuch einen Hinweis auf die Musikpädagogin fand. Dieser Satz habe genügt, um ihren Forschergeist anzuregen. Zur Biografie sei nur wenig zu finden. Loebenstein sei als Jüdin aufgewachsen, ihr Vater sei ein angesehener Kaufmann gewesen. Trotz ihres Vermögens hätte die Familie bescheiden gelebt. Die Eltern investierten jedoch ihr Geld in die Ausbildung der Kinder. Aus diesem Grund war es Frieda Loebenstein möglich, auf eine höhere Schule zu gehen und zu studieren, was für Frauen in jener Zeit unüblich war.

1933 habe sie sich entschlossen, zum Katholizismus überzutreten. Sie wählte den Weg der Ordensschwester. Erst trat sie als Novizin bei den Johannesschwestern ein, im Jahr 1939 bei den Benediktinerinnen. Zum einen habe sie sich immer zum Religiösen hingezogen gefühlt und zum anderen lag ihr die Musikerziehung am Herzen. Bereits im Alter von 13 Jahren habe sie begonnen, das Klavierspiel zu unterrichten. Ab 1920/21 lehrte sie Gehörbildung an der Hochschule. Dabei faszinierte sie besonders die Methodik der Tonika-Do. "Sie muss einen phänomenalen Spürsinn für Menschen aller Altersstufen gehabt haben", erläuterte Erben. "Sie war engagiert, bekannt und geschätzt."

Obwohl sie zum Katholizismus konvertiert war, musste sie vor der Judenverfolgung der Nationalsozialisten nach Brasilien fliehen. Alle Veränderungen in ihrem Leben habe sie als Fügung oder Berufung empfunden. Ob sie Einfluss auf die Beuroner Gregorianik genommen habe, wollte ein Zuhörer wissen. Dies hielt die Musikwissenschaftlerin Erben für wenig wahrscheinlich. Loebenstein habe geschrieben, dass ihr Pater Grindele die Welt der Gregorianik eröffnet habe und sie habe ihm möglicherweise die pädagogische Sicht erschlossen.