Arbeiten bis 80? Für den Beuroner Ingenieur Hans-Lorenz Fritz ist das eine Frage, die er mit einem klaren "Ja" beantwortet. Zwar ist der Fachmann für Heizungs- und Lüftungstechnik erst 79 Jahre alt, doch für kommendes Jahr sind zwei Arbeitseinsätze in Kolumbien und in der Mongolei geplant. Der Beuroner gibt als Senior-Experte beim Senior Experten Service (SES) sein Fachwissen an junge Nachwuchskräfte im europäischen Ausland und in Entwicklungsländern weiter.

Aufenthalte dauern bis zu zwei Monaten

Die einzelnen Aufenthalte können bis zu zwei Monaten dauern. Seit 2005 war er in Ägypten, Weißrussland, China, Korea, Pakistan und Thailand, um nur einige seiner Einsatzländer zu nennen. Gegenwärtig kümmert sich der 79-Jährige in Tuttlingen und Sigmaringen um junge Leute aus Gambia und Pakistan, die in Deutschland einen Ausbildungsplatz bekommen haben. Verständigungsprobleme hat der fließend Englisch sprechende Ruheständler kaum. Sprachen machen ihm Spaß. Seit einiger Zeit lernt er Arabisch.

"Es fehlt am Basiswissen"

Es sind zwei Auszubildende aus Gambia und ein Lehrling aus Pakistan, um die sich der Beuroner derzeit kümmert. Sein Befund: "Es fehlt an notwendigen Deutsch- und Gemeinschaftskundekenntnissen und an dem erforderlichen Basiswissen, um in der Gewerbeschule und im Betrieb dem Lernstoff folgen zu können." Im Normalfall spricht er mit den jungen Leuten Deutsch. Wenn rudimentäre Deutschkenntnisse nicht ausreichen, greift Fritz auf Englisch oder Arabisch zurück. Es sei, so seine Erfahrung, für die jungen Ausländer sehr schwer, sich in einer ungewohnten Umgebung mit völlig anderen gesellschaftlichen Verhältnissen und einer für viele Ausländer sehr schwer zu erlernenden Sprache zurechtzufinden.

Ausbildungs-Abbruch verhindern

Mit diesem Engagement bewegt sich Hans-Lorenz Fritz voll auf dem Boden der SES-Tätigkeit. Denn eines der Ziele dieser Stiftung der Deutschen Wirtschaft ist es, den Auszubildenden, egal welcher Nationalität, bei Lernschwierigkeiten zu helfen. Fritz: "Es geht darum, den Abbruch der Ausbildung zu verhindern." Er hofft, seine Schützlinge erfolgreich durch die Gesellenprüfung schleusen zu können. Trotz aller Sprach- und Sachkompetenz ist es für den Beuroner nicht immer einfach, anspruchsvolle Zusammenhänge oder Fachbegriffe so zu verdeutlichen, dass sie von seinen drei Nachhilfeschülern verstanden und umgesetzt werden können.

Für Reise- und Aufenthaltskosten kommt SES auf

Bei seinen bisher absolvierten Auslandseinsätzen ging es um die Vermittlung von Fachwissen. Stichworte dafür sind "Optimierung des Designs im Kühlzyklus" oder "computergestützte Weiterentwicklung von Erdwärmepumpen". Aber auch Lehrplangestaltung und die Verbesserung der Ausbildung der Lehrer stehen auf der Agenda des Ingenieurs. Natürlich arbeitet der Senior-Experte ehrenamtlich. Für die Reise- und Aufenthaltskosten kommt der SES auf.