Der Link Michel kommt aus Neuffen. Ja, genau aus der Stadt, 40 Kilometer südlich von Stuttgart, mit der bekannten Festung Hohen Neuffen. Das an sich wäre ja nichts besonders, wenn der Kabarettist nicht die Reise von seiner Heimatstadt ins Donautal auf sich genommen hätte. Jetzt stand er vor rund 30 Zuschauern im Tobelhaus und sorgte für einen Lachwirbel nach dem anderen. Somit steht fest, dass die Reise in den tiefen Süden ihren Zweck erreicht hat – Zwerchfellmassage für Donautäler.

Der Kleinkünstler hat eine etwas ambivalente Haltung zu den Bewohnern der Landeshauptstadt. Sie scheinen Wochenende für Wochenende nur ein festes Ziel zu haben: den Besuch des Hohen Neuffen. Doch was dem Link Michel fast den Verstand raubt, ist das Verhalten der Stuttgarter auf dem Hohen Neuffen. Sie opfern nämlich Euro-Stück um Euro-Stück, um durch das damit in Funktion gesetzte Fernrohr den Stuttgarter Fernsehturm anzugucken.

Automaten, die Geld kosten, und Elternabende sind ein weiteres Feindbild. Was beide miteinander zu tun haben? Michel berichtete, bei einem solchen Elternabend sei es um eine Klassenreise gegangen und darum, dass nicht jedes Mädchen seinen eigenen Föhn mitbringen soll. "Doch dann meldete sich eine Mutter zu Wort, die völlig zusammenhanglos erklärte, im Koblenzer Hallenbad koste das Föhnen 50 Cent."

Und damit sind wir beim dritten Feindbild des Kabarettisten aus Neuffen, dem schlampigen Umgang mit der deutschen Sprache. Denn sein Vater hatte angeordnet: "Michel, wenn du ins Hallenbad gehst, nimmst du einen Föhn mit." Zunächst sei es sehr aufwendig gewesen, das Gerät im Publikumsverkehr von der Wand zu schrauben, dann habe der Vater auch noch komisch reagiert, als er den Föhn nach Hause brachte.

Wieso sind eigentlich die Süddeutschen schlauer als die Norddeutschen? Das ergibt sich aus Michaels Sicht schon aus dem Sprachgebrauch. In Norddeutschland werde gesagt: "Ich gehe zur Schule", in Süddeutschland dagegen heiße es: "Ich gehe in die Schule." Wer immer nur vor der Schule stehen bleibe, so des Neuffeners Logik, habe dann eben das Nachsehen.