Herr Schneck, der Regionalverbands-Ausschuss hat sich jüngst für einen Kalkabbau in Beuron-Thiergarten ausgesprochen. Sie haben diesen Abbau schon früher kritisch gesehen. Wie werten Sie den neuen Beschluss?

Es ist ein Projekt, das politisch so gewollt ist und das wohl auch kommen wird, wenn in den Verfahren alle Punkte abgearbeitet sind. Die Ausschussmitglieder haben sich nach Prüfung der Sachlage dazu entschieden, so abzustimmen.

Wurde denn bei den bisherigen Anträgen aus Ihrer Sicht alles sauber erfasst und dargelegt?

Nein. Beim Thema Verkehr sehe ich einen Punkt, bei dem das ganz klar nicht der Fall ist. Das Regierungspräsidium hatte eine Prüfung der Abfuhr des Gesteinsmaterials mit der Bahn angekündigt. Aber dafür bräuchte es ein Verladegleis und entsprechende Verladeeinrichtungen im Donautal. Wo soll das gebaut werden? Es wird also auf einen Abtransport auf der Straße per Laster und Silofahrzeuge hinauslaufen. Die Hälfte davon soll, gemäß den für das Zielabweichungsverfahren vorgelegten Unterlagen, durch das Donautal fahren, die andere Hälfte hinauf nach Stetten a.k.M. und weiter.

Und genau das wurde ja immer wieder kritisiert. Weshalb?

Im Donautal würde es zu einer signifikanten Zunahme des Schwerlastverkehrs kommen. Im Sommer, wenn dort Ausflugsbusse, Wohnmobile, Ausflügler mit Autos, Motorräder und Rennradfahrer unterwegs sind, ergibt das eine Gemengelage, die das Risiko auf der Straße stark erhöht. Das gleiche gilt für die Strecke hinauf nach Stetten, auf der ja jüngst nicht ohne Grund Tempo 60 eingeführt worden ist. Oftmals nicht beachtet wird auch, dass es auch zu einer Teilverfüllung des Steinbruchs kommen kann. Das bedeutet, dass es nicht nur den Abtransport mit geschlossenen Lastwagen geben wird. Auch offene Laster werden dann zwangsläufig Material zum Verfüllen ins Donautal hineinbringen. In manchen Punkten ist das Verkehrskonzept also einfach nicht abschließend durchdacht.

Das geplante Abbaugebiet selbst wird als nicht besonders wertvoll im Sinne des Natur- und Artenschutzes dargestellt, ist das korrekt?

Derzeit gibt es dort einen jungen Buchenwald und es hat dort keinen Erholungsschwerpunkt. Aber, und das ist mir ganz wichtig, wird mit dieser Sichtweise ausschließlich der Istzustand in den Betrachtungen zugrunde gelegt. Denn das wahnsinnig große Potenzial, das der Wald dort hat und was aus ihm in zwanzig, dreißig Jahren oder mehr werden könnte, wird vollkommen außer Acht gelassen, es handelt sich ja um eine ausgewiesene FFH-Fläche.

Ist es denn nicht auch so, dass sich ein Naturpark und ein Steinbruch darin vor vorneherein ausschließen?

Nein, das ist nicht der Fall. Es gibt auf dem Gebiet des Naturparks bereits seit Jahrzehnten diverse Abbaugebiete, etwa bei Neuhausen ob Eck, Buchheim, Tuttlingen, Dürbheim oder bei Sigmaringen-Jungnau. Am Mittelberg halte ich aber den Standort für den geplanten Abbau für äußerst kritisch. Das wäre anders, wenn eine leistungsfähige Bundesstraße dort vorbeiführen würde und die umgebende Gegend keine Rolle für den Tourismus spielen würde oder wenn eine Bahnverladung des Gesteinsmaterials einfach möglich wäre. Es liegt auch nahe, dass es nach einem Abbaubeginn in zehn oder 15 Jahren zur Diskussion darüber kommen wird, ob die Abbauflächen nicht nochmals vergrößert werden sollten. Das ist eine reine Mutmaßung aber die Erfahrung beispielsweise beim Kiesabbau zeigt, dass dies doch wahrscheinlich sein dürfte.

Der Antrag auf Kalkabbau bei Stetten a.k.M.-Glashütte spielt in der öffentlichen Diskussion um das Thema derzeit keine so große Rolle, wie das geplante Vorhaben am Mittelberg. Wie beurteilen Sie das?

Jedes Antragsverfahren wird einzeln betrachtet. Das heißt, die damit verbundenen Auswirkungen auf die Region werden nicht miteinander addiert in den Blick genommen. Dabei würden sie, wenn sie denn kommen, doch Auswirkungen auf die Region mit sich bringen, die sich gegebenenfalls aufsummieren, zum Beispiel beim Verkehr. Es bleibt spannend, wie sich die beiden Antragsverfahren entwickeln werden.

Zur Person

Bernd Schneck ist seit dem November 1998 Geschäftsführer des Naturparks Obere Donau mit Sitz im Beuroner Haus der Natur. Der gebürtige Tübinger wohnt in Leibertingen. Der 53-Jährige ist Diplom-Forstwirt und hält somit einen Universitätsabschluss. (mos)

 

 

Wie ist der Stand der Dinge bei den vorbereitenden Maßnahmen zum Abbau am Mittelberg in Thiergarten?

Jüngst war durch den Planungsausschuss des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen dafür gestimmt worden, den Mittelberg bei Thiergarten zum Vorranggebiet für den Abbau hochreiner Kalke hochzustufen. Auf dieser Grundlage soll am heutigen Freitag bei Verbandsversammlung die Offenlage für das Kapitel "Rohstoffe" des Regionalplans beschlossen werden, dem nächsten Schritt in der Fortschreibung des Plans. Das für den Abbau vorgesehene Gebiet im Donautal ist ein Teil dieses Kapitels.

Was ist die Aufgabe des Regionalverbands Bodensee Oberschwaben?

Nach den Vorgaben des Landesplanungsgesetzes hat der Verband die Aufgabe, Gebiete zur Sicherung von Rohstoffvorkommen auszuweisen. Dies erfolgt mit dem Teilregionalplan "Oberflächennahe Rohstoffe", der fortgeschrieben werden soll. Schwerpunktgebiet für den Abbau oberflächennaher mineralischer Rohstoffe in der Region Bodensee-Oberschwaben ist der Landkreis Sigmaringen.

Während sich der Abbau bislang vorwiegend auf Kies und Sand konzentriert hat, treten mittlerweile besondere die hochreinen Kalke in den Fokus interessierter Abbaubetriebe.

Für was werden die hochreinen Kalkstoffe verwendet?

Verwendung finden diese Kalke vor allem im Straßenbau aber auch in vielen anderen Produkten wie Kunststoffen, Farben, Lacken oder Mörtel.

Wer plant den Abbau am Mittelberg und wie ist der Stand der Dinge?

Vorhabensträger ist das Haus Fürstenberg, in dessen Besitz sich das Gelände befindet. Wenn ein Abbauantrag beim Landratsamt Sigmaringen gestellt ist, liegt es an ihm, die Möglichkeit eines Abbaus abschließend zu prüfen und darüber zu entscheiden. Bereits im Juni hatte mit dem Regierungspräsidium Tübingen indes eine übergeordnete Behörde ein Zielabweichungsverfahren für den Kalkabbau am Mittelberg zugelassen und damit signalisiert, dass es kein K.-o-Kriterium gegen den Standort gibt, sagte vor einigen Tagen Gerhard Stumpp, Sprecher der Interessengemeinschaft Pro Mittelberg.

Und wer hat den Antrag auf den Kalkabbau bei Stetten a.k.M.-Glashütte gestellt?

Das war die Firma Stingel aus Schwenningen. Auch hierbei ist noch nichts entschieden. (mos)