Eine Fotofalle in der Gegend habe leider keine Bilder des Angreifers geliefert, sagt Hafner weiter. Die Tiere seien durch Bisse in die Kehle getötet worden. Neben dem Luchs könnte es sich bei dem Angreifertier so auch um einen Hund oder um einen Wolf handeln. Noch könne nichts ausgeschlossen werden. Da der Winter vorüber ist, habe es auch nicht mehr die Möglichkeit gegeben, durch Spuren im Schnee Rückschlüsse auf das Angreifertier zu ziehen. Deshalb verweist Hafner auf den Ausgang der DNA-Analyse, die nun zunächst abgewartet werden müsse.

Nachdem bereits im vergangenen Dezember auf Leibertinger Gemarkung drei Schafe und zwei Ziegen gerissen worden waren, hatte ein Gentest ergeben, dass es sich bei dem Angreifertier um Donautal-Luchs Friedl gehandelt hatte. Dieser Vorfall im vergangenen Jahr, stellt Hafner fest, sei der erste Fall in Baden-Württemberg einer Mehrfachtötung von Nutztieren durch einen Luchs gewesen. Sollte nun auf Beuroner Gemarkung erneut ein Luchs die Tiere getötet haben, wäre dies der zweite Fall im Land. Aber selbst wenn das so wäre, betont Hafner, bildeten Mehrfachtötungen noch immer die Ausnahme.

Im Donautal sorgt der Vorfall indes schon seit dem Wochenende für Gesprächsstoff. Beurons Bürgermeister Raphael Osmakoswki-Miller wurde zwischenzeitlich auf amtlichem Weg auch schon über den Vorfall informiert. Seiner Meinung nach werde sich noch herausstellen, dass der Vorfall von vergangenem Dezember bei Leibertingen kein Einzelfall bleiben werde. Wenn ein Wildtier wie der Luchs durch das Töten von Nutztieren leichter an sein Fressen herankommt, dann werde er das wieder tun und auch bald merken, dass das eine gute Möglichkeit der Nahrungssuche ist, zeigt sich der Bürgermeister überzeugt. Da spiele es dann auch keine Rolle, dass der Luchs angeblich menschenscheu ist. Auch Füchse und Wildschweine seien ja angeblich menschenscheu und kämen doch immer mehr in die Orte hinein, schließt das Gemeindeoberhaupt an. Der Schutz des Luchses sei politisch gewollt, kritisiert er.

Und Osmakowski-Miller verweist noch auf ein zweites Problem mit dem Luchs im Donautal. So hätten die Jäger dort derzeit eine hohe Abschussquote zu erfüllen, um den Gams-Bestand im Tal zu dezimieren. Doch wenn der Luchs, der ebenfalls hinter den Gamsen her sei, eines der Tiere frisst und es danach nicht mehr gefunden werden kann, zähle es nicht auf die Abschussquote der Waidmänner ein.

Zeitgleich werde es durch den vierbeinigen Räuber in ihrem Revier für die Jäger im Donautal auch immer schwieriger, überhaupt eine Gams vor die Flinte zu bekommen, da die durch die Aktivitäten des Luchses immer vorsichtiger würden, beschreibt Osmakowski-Miller die Zwickmühle, in der sich die Jäger im Donautal derzeit befänden.

Seitens des Landratsamts Sigmaringen wird in dem Zusammenhang mit dem neuerlichen Riss von Nutztieren im Donautal auf das Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart verwiesen. Von dort wurde gestern ebenfalls auf den Ausgang der DNA-Untersuchung verwiesen. Bei der Tötung von Nutztieren im vergangenen Dezember sollte der Besitzer der Tiere eine Entschädigung aus einem speziell für solche Zwecke geschaffenen Fonds erhalten. Die in der vergangenen Woche im Donautal gerissenen Tiere gehörten einem Schäfer aus dem Donautal, sagt Bürgermeister Raphael Osmakoswki-Miller.

Gentest brachte im Januar den Beweis

Ende vergangenen Jahres wurden bei Leibertingen bereits Nutztiere vom Luchs gerissen. Ein Rückblick:

Luchs Friedl hatte am 27. und am 28. Dezember in zwei Nächten drei Schafe und zwei Ziegen gerissen. Das bewies der Gentest, den die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg durchgeführt hatte. In einer in dem Zusammenhang veröffentlichten Pressemitteilung gingen die Fachleute davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelte. Auch Hegeringleiter Armin Hafner hatte sich im Januar dahingehend geäußert, dass solche Vorfälle extrem selten seien und gesagt: "Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Luchs nur ein Tier reißt, sich davon ernährt und erst nach einiger Zeit wieder auf die Jagd nach einem neuen Opfer geht." (mos)