Historiker Horst-Dieter Freiherr von Enzberg, dessen Adelsgeschlecht seit Jahrhunderten in Mühlheim an der Donau angesiedelt ist, hat in Beuron aus seinem Buch „Die ehemalige Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Welschenberg“ gelesen. Der Autor las drei Passagen seines Buches, deren letzte die Aufmerksamkeit der etwa 70 Zuhörer besonders auf sich zog, wie die Benediktiner-Erzabtei St. Martin mitteilt. Der am Bodensee lebend Romanautor Martin Walser, der aktuell wohl einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller ist, kam demnach in seinem 2011 erschienen Titel „Muttersohn“ nämlich in 15 Seiten auf die Welschenbergruine zu sprechen.

Sorgsam deckte von Enzberg im Festsaal der Benediktiner Erzabtei St. Martin in Beuron die Personalien der verschiedenen Personen in Walsers Werk auf, stellt Bezüge zur Kirchenruine her, recherchiert verschiedene Aufenthalte Walsers vor Ort. Zuletzt wird der Walsers Protagonist auf offener Straße, nicht weit vom Welschenberg, erschossen. Historische Erforschung einer Wallfahrt und seines Gnadenbildes gehen über in eine Schilderung des religiös, geistigen Niederganges und deren Instrumentalisierung in einem zeitgenössischen Romanhelden.

Das Adelsgeschlecht der Enzbergs hatte im Hochmittelalter die Schutzvogtei über das damalige Augustiner Chorherrenstift Beuron inne und schon daher einen Bezug zum Ort. In seinem 2015 herausgegebenen Buch geht von Enzberg sorgsam und akribisch der Geschichte des 1649 gestifteten Wallfahrtsbildes (eine Madonna mit Kind) und der Kirche Maria Hilfe, nach. Am Abschluss des Vortrags in Beuron diskutierte von Enzberg lebhaft mit dem Publikum, das einige Fragen zum Thema historische Exaktheit und Stellung von Legende und Glauben einbrachte.