Als Gerhard Nitz am 17. Mai 1928 als neuer Erdenbürger in den Standesamtsbüchern seiner Heimatstadt Flensburg aktenkundig wurde, war sein Lebensweg als Benediktiner-Mönch keineswegs vorgezeichnet. Mit der katholischen Kirche kam er erst später in seiner Kindheit in Kontakt. Damals konvertierte der Vater als evangelischer Christ zum katholischen Glauben. Er besuchte zunächst eine katholische Schule. Nach deren Verbot durch die Nazis wechselte der Flensburger 1939 in ein humanistisches Gymnasium. Hier bestand er zehn Jahre später das Abitur. Die Schulzeit wurde durch den Einsatz als Luftwaffenhelfer nur kurz unterbrochen.

Ein einschneidendes Erlebnis für den jungen Nitz war 1943 ein mehrtägiger Aufenthalt in Beuron. Nitz: „Ich war von Beuron sofort angetan.“ Von Jahr zu Jahr sei der Wunsch in ihm größer geworden, Priester und Ordensmann zu werden. Deshalb war es für den heutigen Jubilar fast schon selbstverständlich, dass er nach dem Abitur sein Klosterleben in Beuron begann. Er studierte Theologie an der damals noch aktiven Hochschule in Beuron. Später setzte Nitz, der inzwischen den Ordensnamen „Hieronimus“ trug, seine Studien in Maria Laach und in Rom fort. Die Priesterweihe am 24. Juli 1955 war für den jungen Mönch ein wichtiger Lebensschritt.

Wie sehr Hieronymus Nitz in all den Jahren seinen Humor bewahrt hat, macht seine schmunzelnd vorgetragene Bilanz deutlich, nach der er inzwischen der dienstälteste Priester des Klosters sei. Als solcher müsse er noch mindestens zwei Jahre leben. Warum? Er beantwortet die Frage so: „Unter meinen zehn oder zwölf Geburtstagsgästen wird auch ein Ehepaar aus Nendingen sein, das ich vor 48 Jahren getraut habe.“ In zwei Jahren möchten die Eheleute zusammen mit dem früheren Erzabt die goldene Hochzeit feiern.

Überhaupt ist Einfachheit zu einem Lebensstil für den Mönch geworden. Nitz: „Ich freue mich über die Dinge, die ich noch machen kann.“ Ärger bereitet ihm das Gehör und die Augen machen auch nicht mehr so richtig mit. Das hindert Nitz aber nicht, täglich den SÜDKURIER zu lesen – auch wenn er dafür eine Lupe braucht. „Ich interessiere mich unter anderem für den Wirtschaftsteil“, beschreibt der Jubilar seine Vorlieben bei der Lektüre. Seine Ohren machen beim Radiohören nicht mehr so richtig mit und seine Augen verderben ihm die Freude am Fernsehen. Doch lässt sich der frühere Erzabt von solchen Beeinträchtigungen seine Lebensfreude nicht verderben. Dazu gehört auch die Teilnahme am gemeinsamen Chorgebet der Mönche. Wenngleich die Vorbereitung nicht mehr so schnell geht, wie früher. Hieronymus Nitz beschreibt das so: „Früher als junger Mann war ich vom Aufstehen bis zur Teilnahme am gemeinsamen Gebet in einer Viertelstunde fertig. Heute brauche ich dafür rund eine Stunde.“

 

Lebensspuren

Als einen wichtigen Höhepunkt seiner Amtszeit als Erzabt wertet Hieronymus Nitz die Gründung des „Vereins der Freunde der Erzabtei Beuron“ im Jahr 1989. Der Mönch betont den Anteil des damaligen Ministers Dietmar Schlee an der Gründung und dem Aufbau des Vereins. In der Rückschau sagt der frühere Abt mit Blick auf die seither geleisteten Renovierungs- und Sanierungsarbeiten, dass die Mönchsgemeinschaft ohne den Freundesverein nicht existieren könne. (hps)