Das Kreisverbandsjugendorchester (KVJO) des Blasmusikverbandes Sigmaringen ist eine Garantie für begeisterte Zuhörer. Das war am Sonntag in der Beuroner Klosterkirche nicht anders.

Zum 14. Mal hatte das junge Orchester, bestehend aus den besten Nachwuchsmusikern der Blaskapellen aus dem Landkreis, zum Jahreskonzert eingeladen. Die Musikfreunde kamen, die Kirchenbänke waren dicht gefüllt. Wie in jedem Jahr stellte Pfullendorfs Musikdirektor Thomas Stöhr den musikalischen Nachwuchs vor.

Aushängeschild des Landkreises

Das KVJO gehört zu den Aushängeschildern des Landkreises. Zwei Konzertreisen 2014 und 2016, sowie zahlreiche öffentliche Auftritte legen davon Zeugnis ab. Unter Leitung von Thomas Stöhr hat sich das Nachwuchsorchester den verschiedenen Stilrichtungen der sinfonischen Blasorchesterliteratur und den Werken aktueller Komponisten verschrieben.

Zum Repertoire gehören unter anderem Arbeiten von Mozart, van der Roost, Rossini oder John Williams. Vor diesem Hintergrund ist die Erwartungshaltung der Besucher des Jahreskonzerts hoch gesetzt. Wie der lange Applaus am Ende des Konzerts zeigte, haben die jungen Musiker und ihr Musikdirektor diese auch in diesem Jahr wieder erfüllt.

Hauch von Bayreuth

Einer intensiv romantisierenden Ode an den Wind von Alfred Reed folgte der Ernst eines Wagner-Stückes. Ein Hauch von Bayreuth schien sich im zum Konzertsaal gewordenen Kirchenschiff zu verbreiten. Es entstand eine festliche Atmosphäre mit einem Musikstück, das sich an einigen Stellen zu einem reißenden Herbstorkan entwickelte.

Doch immer wieder kehrte die Melodie zu einer fast beängstigenden Ruhe zurück, die sich in der nächsten Orkanböe entlud. An anderen Stellen klang fast frühlingshafte Festtagsstimmung durch, bei der das Dunkel des Herbststurms verschwunden war. Leicht und spielerisch hüpften dann die Klänge durch die Kirche, um dann wieder gesittet, wie wohlerzogene Kinder Hand in Hand, an den Zuhörern vorbeizumarschieren.

Komposition von Mozart

Eine ganz andere Seite zeigte das KVJO mit der Mozart-Ouvertüre „Der Schauspieldirektor“. Eine helle, vor Lebensfreude schillernde Musik, die so richtig für einen nass-kalten Herbstabend geeignet war, das draußen zu vergessen und sich ganz der Macht der Komposition des Altmeisters anzuvertrauen. Kräftige Trommelwirbel unterstützten den Anspruch, der dunklen, ungemütlichen Herbstnacht den Kampf anzusagen.

In Töne gegossene Liebesgeschichte

Was passt besser zu dieser musikalischen Lebensfreude als eine in Töne gegossene Liebesgeschichte? Oliver Waespi ist ein zeitgenössischer Komponist, der mit „The Graces of Love“ zeigt, dass der Zauber einer Liebe heute noch so lebendig ist wie im Zeitalter der Romantik. So frisch und erfrischend wie eine neue Liebe kann Musik die Seele öffnen und mancher Konzertbesucher erinnerte sich an die erste, meist scheue Liebe seines Lebens. Das Hochgefühl des Verliebtseins, eingebettet zwischen zitternder Unerfahrenheit und galoppierendem Verlangen, kleidete der Komponist in die Notenvorlage.

Gast in einer anderen Welt

Acht Stücke hatten die Nachwuchsmusiker für ihr Jahreskonzert vorbereitet. Acht Stücke, die von den Musikern vollen Einsatz und die Konzentration auf ihr Können am jeweiligen Instrument und das perfekte Miteinander mit dem übrigen Orchester abforderten. Aber auch acht Kompositionen, die die Spannbreite der anspruchsvollen Blasmusik zeigten.

Für die Zuhörer machte das notwendige mentale Mitgehen in die Tiefe der vorgestellten Werke die harten Kirchenbänke zu den bequemen Sitzen eines Konzertsaals. Der Alltag und seine Sorgen und Schwierigkeiten wurden für rund 90 Minuten zu einer vernachlässigbaren Größe. Wer die Musik mit allen Sinnen aufzunehmen bereit war, war Gast einer anderen Welt.