Wer den Garten naturnah gestalten will, hat es nicht einfach. Zum einen hält mancher Nachbar das naturnahe Grundstück in seiner Nähe für eine Ansammlung von Unordnung und Unkraut. Zum anderen erfordert die fachgerechte Gestaltung eines Öko-Gartens auch einiges an Wissen. Diese beiden Punkte bildeten die Grundlage, auf denen der Leibertinger Gartenfachmann Carsten Weber am vergangenen Freitag in der Minigolfanlage in Hausen i.T. seinen Vortrag zum Thema "naturnaher Garten" aufbaute. Wie sehr die psychologischen Aspekte eine Rolle spielen, wurde beim Statement einer Zuhörerin in der Diskussionsrunde deutlich. Sie berichtete, dass bei Nacht der Nachbar in ihren Garten eingedrungen sei und eine Distel mit Unkrautvernichtungsmittel besprüht habe. Carsten Weber bestätigte, dass es immer wieder zu vergleichbaren Vorfällen käme. Mancher Gartenbesitzer getraue sich wegen der Nachbarschaft nicht, sein Grundstück naturgerecht umzugestalten. Der Experte beschrieb den optimalen Naturgarten als Ort des Wohlfühlens für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Grundsätzliche Gedanken

Wer sich aber dennoch zu diesem Schritt entschließt, sollte aus Sicht von Carsten Weber auch den Mut dazu haben, ihn umzusetzen. Weber: "Dabei kommt es keineswegs auf die Größe des Grundstücks an. Das kann auch das Grün auf einem Balkon sein." Der Gartenfachmann warnte im gleichen Atemzug davor, eine bestimmte Art der Naturgartenanlage zu einer "Ersatzreligion" zu machen. Denn nicht jede Art von Naturgartenkonzept sei für jeden Standort die richtige Vorgabe. Weber machte das an einer Bodenkarte der Raumschaft Sigmaringen/Leibertingen deutlich. Schon in diesem relativ kleinen Gebiet gebe es unterschiedliche Bodenverhältnisse, die maßgeblich für die Art der umweltfreundlichen Gartengestaltung seien. Als einfaches Beispiel führte der Referent den relativ trockenen Untergrund aus Kalkstein auf der Schwäbischen Alb an. Wer sich bei der Anlage seines Gartens nicht an diesem Untergrund orientiere und beispielsweise feuchtigkeitsliebende Pflanzen in seinen Garten hole, bekomme Probleme. Weber: "Der läuft dann bei Hitze und Trockenheit den ganzen Tag mit der Gießkanne herum."

Der Appell des Experten lautete, sich beim Aufbau des Naturgartens an die Gesamtschau des ökologischen Netzwerkes zu halten. Auch dafür nannte er ein anschauliches Beispiel. Blütenpflanzen aus anderen Teilen der Welt seien gut anzusehen, nützten aber oft den hier vorkommenden Insekten nicht. Weber: "Sie sind für Insekten mit einem langen Saugrüssel bestimmt, den unsere Bienen, Hummeln und Schmetterlinge nicht aufweisen." Das Gleiche gelte für die Züchtungen von "gefüllten Blüten". Ebenfalls sehr schön anzusehen, verwehrten sie den Insekten den Zugang zum Nektar. Weber rät deshalb dazu, beispielsweise bei Rosen, immer die ungefüllte Urform zu verwenden. Insekten und andere Tiere gehörten immer zu einem Naturgarten.

Weber: "Wenn Lebensbereiche für bestimmte Tiere geschaffen werden, sollten immer die für diese Tiere notwendigen Nahrungsquellen vorhanden sein." Wer die richtigen Insekten, Amphibien oder kleine Säugetiere im Garten habe, brauche sich, so zeigte sich Weber überzeugt, um die Schädlinge keine Gedanken mehr zu machen.

Keine Chemie

Wohl jeder Gartenbesitzer ärgert sich über Schnecken oder Blattläuse, und Schlupfwespen sind als Blattlaus-Killer bekannt. Sie legen ihre Eier in die Blattläuse. Die aus den Eiern entstehenden Larven fressen die Blattläuse von innen heraus auf. Dabei, so beschreibt Weber, seien die winzigen Schlupfwespen zulasten der Blattläuse sehr produktiv. Zum Schluss steigt eine neue Schlupfwespe aus der inzwischen mumifizierten Blattlaus.

Wie kommen nun die Schlupfwespen in den eigenen Garten zu den Blattläusen? Sie kommen, so die Erfahrung des Biogartenfachmannes, von selbst auf das Gelände, wenn ein ausreichendes Nahrungsangebot vorhanden ist. Damit die Blattlausjäger genügend Futter vorfinden, sollten bereits im zeitigen Frühjahr Saubohnen angepflanzt werden. Diese übten wie alle Bohnenarten eine Sogwirkung auf Blattläuse an. Dieses Blattlausangebot wiederum lockt Schlupfwespen an, die dann das ganze Jahr über aktiv auf Blattlausjagd gehen.

Ähnlich sieht es bei der Schneckenbekämpfung aus. Der Tigerschnegel ist eine bis zu 13 Zentimeter lange Nacktschnecke. Weber: "Das Tier ist schneller als die gewöhnlichen, kleinen Nacktschnecken und macht regelrecht Jagd auf sie!" Für die angebauten Gemüsearten stellten die Tigerschnegel jedoch keine Gefahr dar, beruhigte der Gartenfachmann. Weil chemische Spritzmittel im Garten in ihrer Vernichtungswirkung keinen Unterschied zwischen Nützlingen und Schädlingen machen, formulierte der Naturschützer einen eingängigen Slogan mit der Frage: "Chemie oder Nützlinge?"

Praktische Ratschläge

Zum Kernbestand eines Naturgartens gehören nach Ansicht des Leibertinger Fachmanns stets Steinhaufen oder Steinmauern, Totholzbereiche und kleine Tümpel. Steinmauern sollten immer kombiniert mit Lehm- und Sandbereichen errichtet werden, um damit auch trockenheitsliebenden Bewohnern einen Platz zu schaffen. Totholzbereiche sind für die ökologische Schädlingsbekämpfung wichtig, wie Carsten Weber am Beispiel der Laufkäfer verdeutlichte. Diese Käferart brauche das Totholz als Brutstätte. Gleichzeitig seien die großen Käfer auch hervorragende Schneckenjäger, und sorgten so wiederum für den Schutz des angebauten Gemüses.

Wer für Vögel gute, das heißt geschützte Plätze in seinem Hausgarten anbieten will, sollte, so der Referent, stachelige Hecken in seinem Garten anpflanzen. Diese Hecken mögen Hauskatzen nicht und die Vogeleltern können in Ruhe ihre Küken aufziehen.

Hinter die meisten der im Handel angebotenen Insektenhotels stellte der Leibertinger ein Fragezeichen. Zum einen sind diese Bauwerke oft zu groß und zögen deshalb auch unerwünschte Bewohner an. Andererseits sind die Insektennisthilfen nach den Beobachtungen des Fachmanns nicht sachgerecht gebaut. Beispielsweise würde falsches Holz verwendet oder die Einfluglöcher seien nicht sachgerecht gearbeitet. Deshalb plädiert Carsten Weber für kleinere Insektenhotels aus der eigenen Bastelwerkstatt. Als weiteren Tipp hatte er für die rund 50 Zuhörer parat, dass bei der Blumenauswahl darauf geachtet werden sollte, dass eine Vielfalt an Blütenformen und Blütezeitpunkten bis in den Herbst möglich ist.